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Ausbildungsinitiative Kreis Wesel: Azubi managt Baustelle

Ausbildungsinitiative Kreis Wesel präsentiert von Altana (Folge 6) : Azubi managt Baustelle aus Homeoffice

Alexander Kelzenberg (21) hat als angehender Informatikkaufmann bei Byk Chemie früh Verantwortung bekommen. Er sollte die Netzkapazitäten an einem Standort bei Leipzig erhöhen – von Rhede aus.

Weihnachten 2017 wird Alexander Kelzenberg wohl ewig in besonders guter Erinnerung behalten. Denn kurz vor dem Fest kam für den damals angehenden Abiturienten die Klarheit für seinen Einstieg ins Berufsleben. Dem Einstellungstest mit 60 bis 70 weiteren Bewerbern um Ausbildungsplätze bei der Byk Chemie in Wesel waren zwei Gespräche gefolgt. Ein eher technisch gestaltetes mit Ausbilder und Datenschutzkoordinator Thomas Radtke und eins mit Christine Thannheiser-Rumpf, die bei der Altana-Tochter Byk für die Aus- und Weiterbildung zuständig ist, und Radtke. Das hatte gut zweieinhalb Stunden gedauert. Als Kelzenberg am Elternhaus in Rhede ankam, erhielt er bereits den Anruf mit der Zusage.

„Das war das größte Weihnachtsgeschenk für mich und meine Eltern, nachdem für meine Schwester auch schon alles unter Dach und Fach war“, sagt der heute 21-Jährige. Am 23. Juni ist es für ihn „mit den Prüfungen geschafft“. „Es wird auf jeden Fall was Gutes“, ist sich Kelzenberg sicher, dem das Unternehmen bereits signalisiert hat, dass der nächste Vertrag bald kommen wird. Er wird sich dann Informatikkaufmann nennen dürfen und damit einer der Letzten dieser Art sein. Seit vergangenem Jahr werden Kaufleute für Digitalisierungsmanagement ausgebildet.

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Mit „Schnittstelle zwischen den Abteilungen“ erklärt Kelzenberg selbst seine Tätigkeit und sagt, dass er als Übersetzer oder Decodierer fungiere. Leute wie er hören sich an, welche Anforderungen das Labor, die Produktion oder die Buchhaltung an spezifische Software oder Endgeräte, wie zum Beispiel Notebooks, Kameras oder Bildschirme, haben und achten dabei auf Kosten und Nutzen für den weiteren Genehmigungsprozess. Das kann sehr anspruchsvoll sein, wie Alexander Kelzenberg an seinem Abschlussprojekt deutlich macht. Zugleich ist es ein Beispiel für die Veränderungen der Arbeitswelt durch die Pandemie.

Der Azubi bekam den Auftrag, vom Homeoffice in Rhede aus eine Internet-Erhöhung für einen Produktionsstandort zu planen und durchzuführen. Wir reden hier vom Byk-Sitz in Schkopau bei Leipzig, wo das kleine Werk in einem riesigen Industriepark liegt. Dort war wegen Corona festgestellt worden, dass die Netzkapazitäten für die nun vervielfachten digitalen Abläufe nicht ausreichten. Also musste nicht nur die Erde aufgerissen werden, um neue Leitungen zu verlegen. Es galt auch eine Bahnstrecke und die Gelände fremder Firmen zu queren. Dienstleister mussten gefunden und Fragen geklärt werden, wer wann was machen kann, ohne Produktionsketten unterbrechen zu müssen.

Hört sich wild an und ist es auch, gehört aber bei der Byk Chemie zum Ausbildungskonzept. „Die jungen Leute sollen früh Verantwortung übernehmen. Unser Credo ist es, mit den Aufgaben zu wachsen“, sagt Christine Thannheiser-Rumpf. Kelzenberg fand den Job „außergewöhnlich“ und fragte nach: „Soll ich wirklich?“ – „Du schaffst das schon“, sagten die Ausbilder und ließen ihn machen. Kelzenberg konnte sich dabei natürlich immer auf deren Unterstützung verlassen. Aus dem fernen Rhede war die Steuerung des Projektes sicher eine Sonderleistung, normalerweise wäre dies mit Dienstreisen verbunden gewesen.

Generell hatte Byk laut Thannheiser-Rumpf die Ausbildungskonzepte schnell auf Corona-Bedingungen umgestellt und Homeoffice da ermöglicht, wo es eben ging. Bei den Laborberufen war das zum Beispiel nur bedingt der Fall. „Es ist immer eine Gratwanderung abzuwägen, was geht mobil, wo gibt es keine andere Option“, sagt sie. Auch mit Kooperationspartnern sei für jeden eine individuelle Lösung gefunden worden. Grundsätzlich aber kann Christine Thannheiser-Rumpf den virtuellen Arbeitstreffen auch positive Seiten abgewinnen. Man sei durch die Entfernung dennoch zusammengewachsen, habe auf den Bildschirmen Kinder und Haustiere der Kollegen kennengelernt. „Das schafft Nähe“, sagt sie. Digitalisiert wurden auch die Auswahlverfahren und weitere Schritte auf dem Weg zu einer Lehrstelle bei Byk. Bis auf die Probearbeitstage für Laboranten.

Was für ein Riese die Altana AG im nahen Wesel ist, stellte der Rheder Kelzenberg übrigens erst spät fest. Als er am Euregio-Gymnasium Bocholt aufs Abitur zusteuerte, hatte er sich auf Ausbildungsmessen der Arbeitsagentur umgesehen und sich die ersten zehn für ihn infrage kommenden Firmen angesehen. „Byk kannte ich vorher gar nicht und war ganz erschrocken, dass so eine große Firma in Wesel steht“, sagt er. Das passte ihm gut, denn weit weg, etwa nach Berlin, wollte er nicht, sondern lieber noch bei den Eltern bleiben.

Und manchmal kommt die Welt ja auch nach Wesel. Begeistert berichtet der Azubi vom GMM in Vor-Corona-Zeit. Regulär kommen einmal im Jahr die 100 Top-Führungskräfte der AG beim Global Management Meeting hier zusammen. Kelzenberg war mit einem Kollegen für technische Unterstützung zuständig. Unter anderem wurden extra große Bildschirme für den großen Konferenzraum angemietet. Das Spitzentreffen vorzubereiten und zu überwachen, war wie der Schkopau-Job „eine starke Erfahrung“.

(fws)