Ausbildungsinitiative im Kreis Wesel: Wie Eltern Kindern in die Lehre helfen

Kreis Wesel : Wie Eltern Kindern in die Lehre helfen

Die Berufswahl ist eine schwierige und wichtige Entscheidung. Eltern sollten die Orientierung unterstützen.

Schnuppertage, Berufsberatung, Praktika: Viele Instrumente können jungen Leuten auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz eine Hilfe sein. Oft unterschätzt oder vernachlässigt wird in dieser schwierigen Phase die Rolle der Eltern. Dabei sind sie die wichtigsten Personen und stehen in einer besonderen Pflicht. Und wenn sie über die Neigungen ihrer Kinder Bescheid wissen, dann ist das schon ein großer Vorteil. Experten wie Michael Rhiem aus Voerde, Fallmanager im Jobcenter, kennt das aus eigener Erfahrung. Zunächst im negativen Sinne. Er wurde Betonbauer, weil sein Vater Betonbauer war. Der heute 46-jährige Familienvater und Trainer der Handballjugend im TV Voerde hatte eigentlich „zwei linke Hände“, war gänzlich ungeeignet für den Job. Auf vielen Umwegen lernte er zu lernen, machte sein Fachabitur und wurde Ingenieur.

Rhiems wichtigste Botschaften an Eltern: sich kümmern, den Kindern vertrauen, ihnen zuhören, sie animieren und in ein selbstbestimmtes Leben begleiten. Das Kümmern kann auch nach hinten losgehen. Zur Abschreckung erzählt Rhiem die Geschichte jenes Vaters, der seinen Sohn in ein Geldinstitut zerrt und dem ihm bekannten Mitarbeiter forsch verkündet: „Der Thomas will Bankkaufmann werden!“ Dabei stand der schüchterne Junge noch in der Tür, wollte eigentlich nur mal gucken und hören, ob das was für ihn ist. – Das kann nichts werden. Statt massiver Einflussnahme, ist sanfte Begleitung der bessere Weg. Dies müssen sicher auch die gutmeinendsten Eltern erst einmal verstehen lernen.

Umgekehrt ist es fatal, wenn Eltern keinen Schimmer haben, was ihre Kinder interessiert und was ihnen Spaß macht. „Du musst Bock darauf haben“, bringt Obermeister Norbert Borgmann von der Kreishandwerkerschaft Wesel auf den Punkt, was er für den wichtigsten Antrieb junger Leute hält, diesen oder jenen Beruf zu wählen. Rhiem berichtet von einem Abiturienten mit Nodendurchschnitt 1,6, der Tierpfleger wurde. Gemessen an den Möglichkeiten, war dies ein schlecht bezahlter Job. Aber eben die Berufung des jungen Mannes. „Und wer sagte denn, das er nicht einer der weltbesten Tierpfleger wird? Studieren kann er immer noch.“ Heißt übersetzt: Eltern sollen den Wunsch der Kinder akzeptieren.

Haben Eltern wenige Vorstellungen davon, wie eine Ausbildung starten kann, können auch private Kontakte helfen. Michael Rhiem verweist zum Beispiel auf Zirkel von Eltern, die automatisch im Umfeld ihrer Sport treibenden Kinder entstehen. Erfahrungsaustausch ist wichtig. Bestensfalls ergeben sich Beziehungen zu Menschen mit nie bedachten Berufen, die Einblicke gewähren können. „Oft ist den Leuten nicht bewusst, wie wertvoll so ein Elternnetzwerk sein kann“, sagt Jutta Burandt, Teamleiterin im Jobcenter Dinslaken.

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