Hamminkeln: Aufbruchsignale beim Tourismus

Hamminkeln: Aufbruchsignale beim Tourismus

Genusserlebnisse in Hamminkeln: Bei der CDU-Mit gab es Tipps aus Österreich für eine eigene touristische Marke, die dort das Bier ist.

Tourismus gilt als chancenreicher Zukunftsmarkt für Hamminkeln und den Niederrhein. Doch man ist entfernt davon, eine touristische Marke wie das benachbarte Münsterland zu werden, und Gäste mehr als die durchschnittlichen 1,5 Tage zum Verweilen in der Region zu bewegen. So leicht lässt sich der Vorsprung der Westfalen, die sich viel früher im Freizeitgeschäft organisiert und positioniert haben, nicht aufholen. Aber bei der CDU-Mit Hamminkeln, der Mittelstandsvereinigung der Christdemokraten, wurden Aufbruchsignale genannt. Monika Stallknecht von der Entwicklungsagentur Wirtschaft des Kreises Wesel und Thomas Michaelis (Genussregion Niederrhein) aus dem Rathaus erkannten einen Schub in 2017 in der Isselstadt, etwa durch die Braumanufaktur der Feldschlösschen Brauerei, van Nahmens neuen Hofladen mit Kultur, das erweiterte Weinkontor in Wertherbruch und die gewachsene Dichte von Bauerncafes. Dennoch bleibe es harte Überzeugungsarbeit, um den regionalen Genuss-Ansatz stärker zu vermarkten. Wie's gehen kann, dazu holte man sich Rat aus Österreich. Eigens angereist war Karl Zuser jun., Bier-Sommelier wie Hamminkelns Brauer und Mit-Vorstandsmitglied Wilhelm Kloppert, außerdem Wirt und Hotelier aus Ried im Innkreis - und ein wandelndes Markenzeichen. In Krachlederner und Tracht seiner Heimat stand das mächtige Mannsbild vor den Zuhörern, trank sein Hefeweizen und präsentierte im Ringenberger Gasthof Buschmann, wie sich der Innkreis aus dem touristischen Niemandsland nach oben gearbeitet hat. Als Basis gehörte der Aufbau organisatorischer Strukturen mit Tourismusverbänden, Kammern und Gastronomen ebenso dazu wie die Finanzierung aus Beiträgen und Fördermitteln. Karl Zuser jun. übernahm Verantwortung in vielen Positionen, setzte auf die "Allianz der Willigen, die die Dinge nach vorne treiben". Neben den Zugpferden brauche es aber ein klares, griffiges, authentisches Thema, um Tourismus anzukurbeln. Das war das, was die höchste Brauereidichte in Österreich nahelegte: das Bier aus dem Innviertel. Als das Thema gefunden war, begann der erfolgreiche Markenaufbau.

Bier-März mit Veranstaltungen, Bier und Genuss, Gruppenangebote wurden entwickelt. Erfolge, so Zuser, bestätigten den Kurs - mehr Brauereien, mehr Führungen, steigende Biervielfalt, Ausbau des touristischen Programms. Das beste Markekting sei die daraus entstehende Mundpropaganda. Wilhelm Kloppert bestaunte das Erfolgsmodell, verwies aber auch darauf, dass der Niederrhein mit seinem Thema Genussregion schon gute Schritte gemacht habe. Dennoch werde das Feld Tourismus "stiefmütterlich" behandelt. Thomas Michaelis bezeichnete die Region als "ungeschliffenen Rohdiamant des Tourismus". Rhein und Radfahren seien Pfunde, mit denen man schon wuchern könne. Ein Knotenpunktsystem der Radwege sei beim Kreis in Arbeit. Man habe "points of interest" wie Kloster Kamp oder das Xantener APX, eine "unglaubliche Zahl von Bauernhofcafés und Bauernmärkten". Allerdings steht hierzulande Vielfalt statt eine einzige Marke wie im Innviertel.

Monika Stallknecht erzählte von den anfänglichen Mühen, Teilnehmer für die regionale Vermarktung zu gewinnen, der erfreulichen Entwicklung 2017 und dem Markenzeichen Genusserlebnis. Den Fachleuten ist aber auch klar: "Man muss durch strategisches Marketing den Niederrhein deutlich bekannter machen." Heißt: Die Region hat mehr touristisches Potenzial, als sie bisher ausfüllt. Ob mit oder ohne Bier.

(RP)