Hamminkeln: Auf letzter Hilfsfahrt nach Bosnien

Hamminkeln: Auf letzter Hilfsfahrt nach Bosnien

Das ist das Ende der "Teddybären": Die Bosnienhilfe Niederrhein löst sich nach dem Tod des Gründers Jürgen Kuran auf. Die Spendenbereitschaft ist zurückgegangen, und die Zollbürokratie hat die Unterstützung erschwert.

Nach dem plötzlichen Tod des Ringenbergers Jürgen Kuran ist es ruhig geworden um seine Initiative "Teddybären für die Kinder 1996 - Bosnienhilfe Niederrhein". Regelmäßig war er der Motor dafür, Hilfe zu Menschen in bosnischen Dörfern zu bringen. Damit ist es bald vorbei. Zwar hat der Verein am vergangenen Wochenende seinen 74. Hilfstransport gestartet. Aber es wird der letzte sein.

Michael Kuran, der nach dem Tod seines Vaters zum Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde, verkündet jetzt die Auflösung der Initiative. Es werden zwei Gründe genannt: erstens nachlassende Spendenbereitschaft vor allem von Seiten der Industrie und zweitens geänderte Zollbestimmungen, die die Einfuhr von Hilfsgütern nach Bosnien erschweren. Der Vorstand muss nun den Verein abwickeln.

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"Die Spendenbereitschaft vor allem bei den großen Betrieben lässt seit drei Jahren nach", berichtete gestern Vize-Vorsitzender Manfred Böing aus Blumenkamp. Das wurde bei der Mitgliederversammlung, die nach dem Tod von Jürgen Kuran erforderlich war, diskutiert - mit dem Beschluss, die Hilfsaktionen zu beenden. Ein letzter Transport sei trotzdem noch einmal auf die Reise gegangen, berichtete Böing. In den vergangenen Monaten hatten Rolf Wiemers und er den letzten Transport zusammengestellt. 750 Kartons Bekleidung sind verladen worden. Ein Großteil davon war von den Damen des Vereins "Helft helfen" aus Bislich gepackt worden. Mit Spendengeldern waren zusätzlich 1000 Kilogramm Zucker, 1000 Kilogramm Mehl und 450 Kilogramm Nudeln gekauft worden. Außerdem waren 18 Paletten Waschpulver und Hygienemittel verladen worden. 70 Rollatoren, Matratzen, Lattenroste, Klappbetten, Möbel und Kinderspielzeug haben ebenfalls Platz auf dem Lkw gefunden. "Der Transport geht nach Brcko im Nordosten Bosniens. Dort werden die Hilfsgüter von einem ortsansässigen Verein verteilt", erzählte Böing.

Kuran hatte den Verein 1996 gegründet, als er aus dem ehemaligen Jugoslawien zurückkehrte. Dort war er als Soldat mit dem ersten Kontingent der Bundeswehr stationiert. Die Not der Menschen bewegte ihn, so dass er nach seiner Rückkehr den Hilfsverein gründete, der schnell unter dem Namen "Teddybären für die Kraina" bekannt, später aber mit dem Beinamen Bosnienhilfe Niederrhein umfirmierte. Die Unterstützung ging bald über Hilfstransporte hinaus. Im Dorf Barice wurde eine komplette Wasserversorgung sowie Kindergärten, besonders für behinderte Kinder, gebaut und komplett eingerichtet. Hamminkelns früherer Bürgermeister Heinrich Meyers unterstützte die guten Taten. Nach ihm wurde ein Platz in Barice benannt.

(RP)