Auf dem Turm der Ringenberger Kirche in Hamminkeln

Hamminkeln : Auf dem Turm der Ringenberger Kirche

Heimatverein und Gemeinde hatten wieder zur Besichtigung des Kirchturms eingeladen. Die Besucher erfuhren viel Wissenswertes.

Interessierte konnten jetzt in Ringenberg nicht nur einen Blick auf das Innere des Kirchturms werfen, sondern auch auf die Historie des Gebäudes und des Dorfes. Mit etwa ein Dutzend Besuchern machte sich der Gemeindebeauftragte Albert Herschbach kurz nach dem 18-Uhr-Läuten der Glocken auf den abenteuerlichen Weg nach oben. Vorab hatte er in den Räumlichkeiten des Pfarrheims über die Geschichte des Turmes erzählt und den Aufbau anhand einer Querschnitt-Skizze erläutert.

Zum Beispiel bezüglich der Gauben, die „nur zu optischen Zwecken“ existieren, denn: „Es war nie geplant, dort eine Glocke einzusetzen.“ 1935 war Baubeginn der Kirche, schon ein Jahr später folgte die Einweihung. Geplant wurde sie von Professor Dominikus Böhm, der in Deutschland zahlreiche Kirchen baute. Und der sagte einmal, die Ringenberger Kirche sei seine schönste Dorfkirche. Leider hielt die Freude daran nicht lang, im Krieg fiel sie zu großen Teilen der Luftlandung zum Opfer.

Die Bilder dazu, die Herschbach den Besuchern zeigte, lösten Bestürzung aus. Doch zwei Jahre später hatten die Ringenberger ihre Kirche schon wieder aufgebaut. Mittlerweile steht das Dach auf einer robusten Stahlkonstruktion, wie sie auch beim Kölner Dom verwendet wurde.

Herschbach sagte aus aktuellem Anlass dazu: „Wenn bei der Notre Dame Stahl statt Holz benutzt worden wäre, hätte sie das vielleicht gerettet.“ Doch statt Brandschäden hatte die Ringenberger Kirche lange mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Stürme lösten immer wieder Dachziegel und wehten sie herunter, rissen Löcher ins Dach. Und die Ziegel wurden rar, weil sie längst nicht mehr produziert werden. Die Lösung war so simpel wie ungewöhnlich, berichtete Albert Herschbach: „Wir haben die Ziegel einfach festgebohrt.“

Albert Herschbach. Foto: Lars Fröhlich

Doch nicht nur auf, sondern auch unterm Dach erwarteten die Besucher Überraschungen: Zum Beispiel der Weg ins Turminnere, der über enge und steile Treppen und einen schmalen Kaminschacht führte. Und oben waren das alte Kreuz der Turmspitze, Teile aller ehemaligen Dachmaterialien und sogar die „Wetterhahn-Entnahmemaschine“ ausgestellt. Ludwig Möllmann, der maßgeblich beim Bau der Leitern, begehbaren Holzbühnen und der Abdichtung der Fenster mitwirkte, erklärte: „So kann man den Hahn durch die Dachluke hereinholen, reinigen und fetten – ohne, dass man von außen an das Dach heran muss.“

(MH)
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