Wesel: Auesee-Blick für mehr erlebbare Natur

Wesel: Auesee-Blick für mehr erlebbare Natur

Ganz schön bürgernah: Firma Hülskens schafft mehr freie Sicht aufs beliebte Gewässer, weil's Senioren so wünschen. Naturschützer und Unternehmen eint Idee für ein Café in Ufernähe, Natur-Führungen, Ranger und erlebte Vogelwelt.

In den vergangenen Wochen hat sich um die Nutzung des Auesees erneut eine großflächige Debatte entfacht. Die einen wollen Naturräume schützen und erleben, die anderen intensivere touristische Nutzung in Form von Gastronomie, Bootsverleih oder auch eines kostenpflichtigen Badestrands.

Dass ein Interessensausgleich stattfinden kann, zeigte sich gestern im Kleinen. Auf den Wunsch einiger Feldmarker Senioren, die sich bei ihren Spaziergängen freien Blick auf das renaturierte Gewässer wünschten, kappte die Firma Hülskens am Ende der Feldmarker Allee, unweit der Biologischen Station, dichtes Strauchwerk. Das ist eins der Mosaiksteinchen, das den Auesee so beliebt bei den Weselern macht. Was steht sonst an?

Auf der Südseite des Sees wurden schon einige Schneisen ins dichte Grün geschlagen. "Zum einen, um auch dort den Blick auf den See frei zu geben, zum anderen, damit mehr Wind in die Segel der Wassersportler bläst", erklärt Jörg Hüting, Prokurist bei Hülskens. Die Nordseite, also die Feldmarker und Flürener Seite, ist aber ein besonders sensibler Naturraum. "Dort haben wir auf großer Fläche ein europäisches Vogelschutzgebiet", sagt der Vorsitzende der NABU-Kreisgruppe Wesel Peter Malzbender. Deshalb müsse geklärt werden, an welchen Stellen dem Wunsch vieler Bürger nach mehr Seeblick nachgekommen werden könne, ohne die zahlreichen Vogelarten in der Brutzeit zu stören.

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"Natürlich bin auch ich dafür, dass die Menschen das Wasser sehen und genießen können", so der Naturschützer. Hüting sieht es ebenfalls als gemeinsames Unternehmen von Hülskens, der Politik und des Naturschutzes, das "landschaftsästhetische Moment Auesee" erlebbar zu machen. Ein Café in Ufernähe, da sind sich beide einig, könnte dazu beitragen. "Was wir brauchen ist ein gesunder Mix", sagt Hüting.

Aber auch das gegenüberliegende Ufer mit dem Vogelschutzgebiet berge noch ungehobene Potenziale, räumt Malzbender ein. "Es ist in der Vergangenheit, auch von unserer Seite, viel zu wenig getan worden, damit die Menschen eine Beziehung zu dem außergewöhnlichen Naturraum aufbauen können." Zwar gebe es eine kleine Aussichtskanzel, von der aus verschiedene Vogelarten beobachtet werden können. Exkursionen mit Naturschützern habe es in der Vergangenheit aber nur selten gegeben. "Das möchten wir jetzt intensivieren", so Malzbender.

Jörg Hüting hört das gerne. Führungen würden verdeutlichen, wie wertvoll Renaturierungsprojekte wie der Auesee, der aufgrund seiner Nähe zur Stadt Wesel in der Umgebung seinesgleichen suche, und der Lippemündungsraum für Flora, Fauna und nicht zuletzt die Bürger seien.

(niel)
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