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Asbest-Reinigung im Berufskolleg Wesel läuft an

Berufsschule auf Suche nach Alternativräumen : Asbest-Reinigung im Berufskolleg läuft an

Voraussichtlich bis zum 11. März bleibt das Berufskolleg wegen des Asbestfundes geschlossen. Alternativräume werden gesucht, damit Anfang der wieder unterrichtet werden kann. Unterdessen wird gemessen, gereinigt und versiegelt.

Die Überschreitung der Grenzwerte für Asbest ist sehr gering, aber sie fiel dennoch auf. Deshalb hat der Kreis Wesel gehandelt und als Schulträger mit der Schulleitung am Mittwoch um 17.30 Uhr die Schließung des Berufskollegs Wesel beschlossen. Es ist mit 3313 Schülern, 180 Lehrern und einigen Verwaltungskräften die größte Schule im Kreis Wesel. Wie berichtet, war die Belastung mit dem Schadstoff bei Vorprüfungen für Umbauarbeiten aufgefallen, die im Sommer stattfinden sollen. Kreisdirektor Ralf Berensmeier, das für Immobilien zuständige Verwaltungsvorstadsmitglied Helmut Czichy und Schulleiter Christian Drummer-Lempert stellten am Donnerstag Details und das weitere Vorgehen vor.

Demnach sind in der vergangenen Woche Naturwissenschafts-Räume im Gebäudeteil A untersucht worden. Dem Experten fielen Systemwände auf, weshalb er zu umgehenden Raumluftmessungen riet. Diese haben von Montag auf Dienstag stattgefunden. Bereits am Dienstag lagen die Ergebnisse vor: 1023 beziehungsweise 1025 Fasern pro Kubikmeter. Der 1996 in der Asbestrichtlinie festgelegte Grenzwert für Wohn- und Schulräume liegt bei 1000 Fasern je Kubikmeter. Er wurde also nur minimal überschritten. Berensmeier sprach von einer „leicht überhöhten Überschreitung“. Dennoch habe „Gesundheit oberste Priorität“. Und deshalb, so Berensmeier weiter, habe man auch“ sofort gehandelt“.

 Das Berufskolleg Wesel in der Feldmark, die größte Schule im Kreis, ist wegen Asbest geschlossen.
Das Berufskolleg Wesel in der Feldmark, die größte Schule im Kreis, ist wegen Asbest geschlossen. Foto: Klaus Nikolei
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Jens Winkler, der als Arbeitsschutzbeauftragter aus dem Kollegium des Berufskollegs bei der Pressekonferenz dabei war, sagte, dass der Arbeitsplatzgrenzwert für Asbest bei 10.000 Fasern pro Kubikmeter liegt. Menschen, die beruflich täglich acht Stunden mit Asbest in Berührung kommen können, wird deutlich mehr zugemutet als jenen Gruppen, die sich rund um die Uhr in Wohnräumen aufhalten oder aufgrund ihres Alters (ob Kind oder Senior) besonders geschützt werden sollen. Ob und gegebenenfalls wie sich Asbest seit 44 Jahren im Berufskolleg ausgewirkt hat, konnte am Donnerstag niemand sagen. Es gibt Kollegen, die sind 40 Jahre an dieser Schule“, sagte Drummer-Lempert. Winkler erklärte dazu, dass sich das Kollegium wenig Sorgen mache. Auch waren noch nicht allzuviele Anfragen von Schülern oder Eltern eingegangen.

Auch Schulleiter Drummer-Lempert setzt den Schutz vor gesundheitlichen Risiken an die erste Stelle. Er macht sich aber auch Gedanken über die möglichst schnelle Wiederaufnahme des Unterrichts. Klausuren, Kammerprüfungen und das Abitur stehen an. Viele Schüler seien aktuell stark unter Druck, sagte Drummer-Lempert. Deshalb werden jetzt Alternativräume gesucht, damit Anfang der Woche wieder unterrichtet werden kann. Wann und wo genau, ist noch unklar. Klar ist indes, dass sich jetzt keiner ob Schüler oder Lehrer – für zwei Wochen in den Urlaub verabschieden kann. Denn die Schulpflicht bleibt, und an den räumlichen Ersatzmöglichkeiten wird mit Hochdruck gearbeitet.

Es geht um 115 Klassen und täglich rund 2500 der insgesamt 3313 Schüler. Das Abitur streben derzeit 150 junge Leute am Berufskolleg an. 100 weitere sind es, für jetzt Kammerprüfungen auf dem Programm stehen. Immerhin könnte die Sporthalle des Ensembles an der Hamminkelner Landstraße für Abiturklausuren genutzt werden. Sie ist nicht von der Schließung betroffen, steht also weiterhin auch den Grundschulen und den Sportvereinen zur Verfügung.

Frühe Anzeichen für einen Austritt von Asbestfasern gab es übrigens nicht. „Im Jahr 2010 wurde im Auftrag des Kreises Wesel ein Schadstoffkataster für die kreiseigenen Berufskollegs und Förderschulen durch einen Gutachter erstellt. Die nun als ursächlich identifizierten Trennwände, die nur im BK Wesel verbaut wurden, wurden in diesem Zusammenhang vom Gutachter nicht als Verdachtsfall identifiziert und dementsprechend auch nicht beprobt“, teile der Kreis mit.

Zur Lösung des frischen Problems ist nun ein Mess- und Reinigungskonzept erstellt worden, das durch einen zertifizierte Fachfirma auch schon angelaufen ist. Im gesamten Gebäude des Berufskollegs Wesel wird die Raumluft gemessen. Dann würden alle fraglichen Wände gründlich gereinigt und versiegelt, „so dass ein weiteres Austreten von Asbest sicher ausgeschlossen werden kann“. Erneute Messungen folgen, um eine gefahrlose Wiederaufnahme des Betriebs garantieren zu können.

Man werde nicht auf 0 kommen, denn 200 Asbestfasern pro Kubikmeter würden als vollkommen normal gelten, hieß es am Donnerstag. Allerdings sollen für die Freigabe der Räume trotz des 1000er-Grenzwertes Ergebnisse unter 500 Fasern erreicht werden. Das sei laut Denise Timm-Heltweg vom Immobilienmanagement des Kreises Wesel „der übliche Zielwert“. Im Zuge der ohnehin für den Sommer geplanten Umbauarbeiten sollen die schadstoffhaltigen Wände nach und nach ausgebaut werden.