Wesel: Archiv und ZDF erforschen Regiment 56

Wesel : Archiv und ZDF erforschen Regiment 56

Wie haben die Weseler Regimenter den Ersten Weltkrieg erlebt? Das Stadtarchiv und die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte arbeiten an einem Buch und einem Dokumentarfilm für 2014. Was noch fehlt, sind persönliche Zeugnisse der 56er.

Jahrelang in Gräben liegen und sich gegenseitig massakrieren — wie kann man das aushalten? Auf diese Frage suchen das Stadtarchiv Wesel und die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte eine Antwort. Längst haben sie mit einem Großprojekt begonnen, das 2014 — 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs — Ergebnisse zeigen soll. Privat ist der aus Wesel stammende ZDF-Historiker Alexander Berkel (50) an einer Publikation des Weselers Frank Beckmann (47) beteiligt, dienstlich gestaltet er mit einer Kollegin einen Dokumentarfilm, der zur Primetime, 20.15 Uhr, im ZDF gezeigt werden soll. Grundlage ist in beiden Fällen das Material des Stadtarchivs zum 7. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 56. Dessen Geschichte ist nicht besonders, sondern typisch für das, was sich in den vier Jahren bis 1918 abspielte. Besonders aber ist die Fülle an Fotos und Dokumenten im Stadtarchiv. Während das Deutsche Heeresarchiv in Potsdam 1945 bis auf Reste verloren ging, blieb von den in Wesel stationierten 56ern über deren Traditionsvereine ungemein viel erhalten. Berkel: "Das Stadtarchiv darf sich glücklich schätzen."

Komplett wäre das Glück der Historiker, wenn sie auch persönliche Zeugnisse von Angehörigen des Regiments in die Hände bekämen, um die menschlichen Aspekte des grausamen Kampfes an der Westfront nachzeichnen zu können. Sie bitten um Leihgaben (siehe Info-Box).

Die Weseler Regimenter — insgesamt vier — waren von Anfang an auf allen Kriegsschauplätzen dabei — ob in der Marne-Schlacht, im Massengrab Verdun oder in den Höhen des Chemin des Dames (Damenweg). Die Verluste waren enorm. Allein die Gefallenenliste der 56er (Sollstärke 3000 Mann) führt mehr als 4000 Namen auf. Das heißt, dass dieses Regiment im Krieg einmal komplett sowie durch gut 1000 weitere Männer aufgefüllt werden musste.

"Die Leute haben sich was von der Seele geschrieben", ist sich Dr. Martin Roelen, Leiter des Stadtarchivs, sicher und untermauert den Appell von Frank Beckmann, in Kellern und auf Söllern nach Erinnerungsstücken der Vorfahren zu suchen. Die Chance, in der Region etwas zu finden, ist groß. Rekrutierungsraum für die jeweils zwei Infanterie- und Artillerie-Regimenter aus der Garnison Wesel waren der Niederrhein und das angrenzende Westfalen mit dem Ruhrgebiet. Ein Bataillon war zum Beispiel in Kleve stationiert. Bergleute aus dem Raum Moers waren dabei, schon weil sie sich mit Gräben, Stollen und Sprengstoff auskannten. Ideal für die damals übliche Kriegsführung, die gegnerischen Stellungen zu unterminieren. Zum reichen Material zählen exakte Pläne solcher Operationen. Das Stadtarchiv bekam alles Ende der 50er Jahre von den Traditionsvereinen der 56er. Gut 250 Foto-Glasplatten sind dabei. Beckmann, gelernter Betriebswirt und zuletzt Ein-Euro-Jobber bei der Stadt, hat ein halbes Jahr fürs Einscannen gebraucht.

(RP)
Mehr von RP ONLINE