Wesel: Anwohner gegen Altenheimplanung

Wesel : Anwohner gegen Altenheimplanung

Das Evangelische Krankenhaus möchte in Büderich eine Senioreneinrichtung bauen. Doch einige Anlieger sind gegen den aktuellen Entwurf. Jetzt will sich die Politik einschalten.

Muss das Evangelische Krankenhaus seine Pläne für den Bau eines Seniorenheimes in Büderich kippen? Auf Antrag von CDU-Fraktionschef Jürgen Linz befasst sich heute Abend die Politik in der Fraktionsvorsitzendenkonferenz mit dem geplanten Neubau. Anwohnerproteste könnten die Planung zum Scheitern bringen. Linz schrieb gestern in einem Antrag an Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (SPD): "Das Projekt wird allgemein in Büderich sehr begrüßt und ist für eine weitere Entwicklung Büderichs von besonderer Bedeutung." Er verweist darauf, dass ältere Bürger ihren Lebensabend im Heimatdorf verbringen könnten, auch würden Arbeitsplätze entstehen, Ärzte und Apotheke würden profitieren. Wenn das Projekt nicht realisiert wird, bedeute das nicht, dass es keine Bebauung gibt. Ein Baukörper als Mietwohnkomplex würde für erheblich mehr Verkehr sorgen, warnt er. Die Stadtverwaltung solle eine Vermittlerrolle einnehmen.

Zum Hintergrund: Schon seit einiger Zeit plant das Evangelische Krankenhaus den Bau eines Seniorenheimes in Büderich. Rainer Rabsahl, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses, teilte nun mit, dass das Projekt auf einem Grundstück zwischen der Weseler Straße und der Straße Am Tichelouwen auf der Kippe stehe, weil die nötige Zustimmung nicht aller Anwohner vorhanden sei. Es gebe Bedenken wegen der Ausmaße des Gebäudes. In einer ersten Version war das Gebäude dreigeschossig vorgesehen, im Verlauf der Planung ist nun noch ein Staffelgeschoss hinzugekommen, so dass das Heim laut Planung um 17 auf 80 Plätze plus 17 Tagespflegeplätze wachsen würde. Die Änderung kam zustande, weil der Bebauungsplan eine viergeschossige Bebauung vorsieht, erläutert Rainer Rabsahl. Die Stadt habe diese Bebauung gewünscht, um sie an die Höhe der Gebäude auf der anderen Seite der Weseler Straße anzupassen. Die Zustimmung der Anwohner zum Bauprojekt benötigt das Evangelische Krankenhaus, da das geplante Haus von dem Bebauungsplan abweicht. Vorgesehen seien zwei Baufelder, so Rainer Rabsahl, das Pflegeheim besteht aber nur aus einem, dafür längeren Baukörper (insgesamt 86,50 Meter).

Die Nachbarn fürchten laut dem Bauherrn zu viel Schatten auf ihren Grundstücken und die zunehmende Verkehrsbelastung. 20 Parkplätze sind laut Rainer Rabsahl am Heim geplant. Das rund 3500 Quadratmeter große Grundstück hätte die Evangelische Kirchengemeinde Büderich dem Krankenhaus in Erbpacht überlassen. Bei der Gemeinde ist die Enttäuschung groß: "Die ablehnende Haltung einiger weniger Nachbarn droht leider das bestens ins Dorfentwicklungskonzept passende Gemeinschaftsprojekt zu verhindern", so Pfarrerin Susanne Kock.

Auch Rainer Rabsahl kann die Haltung der Anwohner nicht verstehen. "Fakt ist, dass diese Art der Bebauung vom städtischen Bauamt vorgeschrieben ist und auch Gültigkeit für Alternativbebauung hat". Im Falle einer Wohnbebauung würden dann zusätzlich noch mehr Parkplätze notwendig. Rabsahl betont ferner, dass Stadt und Kreis die Planung befürwortet hätten. Angesichts der aktuellen Lage sehe das Evangelische Krankenhaus derzeit davon ab, eine Bauvoranfrage bei der Stadt überhaupt erst einzureichen. Er bedauere, dass "eindeutig die Weseler Senioren der linken Rheinseite für die Sturheit einiger weniger büßen müssen". Weiter sagt Rabsahl: "Die Realisierung eines solchen Projekts legen wir ad acta". Die Zustimmung der Anwohner müsste in den nächsten Wochen erfolgen. Nun denken der Geschäftsführer, der für die Seniorenpflege verantwortliche André Gorres und Immobilienplaner Soleo über Alternativen nach: Eine Möglichkeit, ein Heim zu bauen, sehen sie auf dem Areal des Krankenhauses in Obrighoven. Dort gibt es bereits das Heim Kiek in den Busch.

Auch Andreas Üffing, stellvertretender Vorsitzender der CDU Büderich, wirbt für das Projekt. Über kurz oder lang werde vor Ort ohnehin gebaut. "Die Höhe steht hierbei nicht zur Diskussion, da sie per Gesetz auf vier Geschosse geregelt ist. Aktuell geht es einzig und allein darum, ob statt 2 x 50 Meter ein 1x 86,5 Meter langer Baukörper gebaut werden kann. Eine aus unserer Sicht nicht relevante Änderung des Bebauungsplans." Die Anwohner täten deshalb gut daran, dem Projekt zuzustimmen.

(rme/sep)