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Anja Beekes aus Wesel stellt ehrenamtlich Schutzmasken für Arztpraxen her

Weselerin fertigt Mundschutz an : „Ich nähe, bis die Krise vorbei ist“

Anja Beekes aus Wesel fertigt Atemschutzmasken für Arztpraxen und Pflegeheim – und zwar ehrenamtlich.

In der gemütlichen Drei-Zimmer-Wohnung von Anja Beekes an der Straße Flesgentor rattert die Nähmaschine seit Kurzem viele Stunden am Tag. In Zeiten, in denen Atemschutzmasken so begehrt und auch so rar sind wie Klopapier und Billig-Mehl, fertigt die 48-Jährige im Akkord bunte Behelfsmasken für die Mitarbeiter verschiedener Weseler Arztpraxen – und zwar ehrenamtlich.

Frau Beekes, was hat Sie motiviert, Mundschutz zu nähen?

Beekes Meine vier Töchter arbeiten alle in Arztpraxen oder im Krankenhaus. Daher weiß ich, dass dringend benötigtes Schutzmaterial nicht, beziehungsweise nicht in ausreichender Menge geliefert wird. Gerade kleinere Praxen bekommen nicht so große Kontingente. Meine älteste Tochter hat mich gefragt, ob ich nicht für die ganze Praxis Masken nähen könnte. Die sind nämlich wichtig und für den Eigenschutz gedacht. Sie helfen zwar nicht gegen das Virus, aber sie können unter anderem verhindern, dass man sich durchschnittlich 300 Mal am Tag ins Gesicht fasst. So gelangt das Virus nicht so schnell in die Schleimhäute.

Sind Sie denn begeisterte Näherin?

Beekes  Eigentlich nicht. Ich habe während meiner Schulzeit in Dorsten fünf Jahre bei den Ursulinen nähen gelernt und dann 20 Jahre nichts mehr an der Nähmaschine gemacht. Vor einigen Monaten ist dann meine Mutter verstorben, von ihr habe ich die Maschine und auch verschiedene Baumwoll-Stoffreste. Viele davon waren mit Pink und Rosa. Außerdem habe  ich auch viele bunte Stoffe, beispielsweise mit kleinen Eulen oder Bienen.

Und wie gelangen die ersten Versuche?

Beekes Es gab ja eine tolle Anleitung der Stadt Essen im Internet. Das hat prima geklappt. Ich bin bei Facebook in der Gruppe „Wesel hilft“ und habe von meiner Aktion berichtet. Daraufhin haben sich gleichgesinnte Hobby-Näherinnen und sogar eine Schneiderin gemeldet, so dass wir uns über die besten Materialien ausgetauscht haben. Außerdem war ein Thema der Mangel an Bändern, weil die auch in Online-Shops kaum noch zu bekommen sind. Viele benutzen jetzt auch Gummiband. Ich habe in der Gruppe einen Aufruf gestartet und habe derzeit genügend Bänder, bekomme aber viele Anrufe und weiß, dass andere etwas benötigen.

Wann arbeiten Sie denn an der Nähmaschine und wie lange?

Beekes Durch die Krise muss beziehungsweise darf ich aktuell nicht arbeiten. Da habe ich viel Zeit und bleibe auch größtenteils zu Hause. Meine Tochter übernimmt die Einkäufe. So zwischen vier und sieben Stunden am Tag arbeite ich an der Maschine..

Und Sie schaffen wie viele Masken?

Beekes Am Anfang habe ich für eine gut 30 Minuten gebraucht, jetzt 15. Also schaffe ich täglich zwischen 16 und 28 Stück.

Sie machen das alles kostenlos?

Beekes Ja. Dafür bekomme ich ja auch viel zurück – nämlich Lob und Anerkennung und manchmal auch eine Schachtel Pralinen oder auch einen freiwilligen Obolus, damit ich neues Material kaufen kann. Gerade habe eine schöne Sprachnachricht erhalten. Man finde die Masken toll – vom Design und weil sie so schön bunt sind. Das würde den Arbeitsalltag aufhellen. So etwas motiviert mich zusätzlich.

Geben Sie die Masken auch an andere Leute ab, die Sie darum bitten?

Beekes Nur wo es im medizinischen Bereich nötig ist. Arztpraxen und Pflegeheime werden vorrangig versorgt. Ich werde so lange weiter nähen, bis die Krise vorbei ist und ich wieder raus kann. Oder bis genügend Masken lieferbar sind.

Wie müsste Ihre Maske aussehen, wenn Sie eine tragen würden?

Beekes Ehrlich gesagt: weiß mit pinken Totenköpfen.

Warum das? Dieses Motiv ist doch eher ungewöhnlich.

Beekes Ich bin auch ein wenig ungewöhnlich, denn nebenbei arbeite ich als Darstellerin im Grusellabyrinth des Movieparks in Bottrop, der wegen Corona natürlich auch geschlossen  ist.

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