An der B8 in Wesel: Rätsel um verschwundene Ein-Mann-Bunker

An B 8 in Wesel fotografiert : Rätsel um verschwundene Einzel-Bunker

An der Oberndorfstraße haben für einen kurzen Zeitraum zwei kleine Ein-Mann-Bunker gelegen. Der Weseler Conrad Reinhard fotografierte sie – kurz danach waren die Bunker verschwunden. Dabei haben sie wohl Denkmalwert.

Es ist ein nicht alltäglicher Fund, der offenbar bei Grabungsarbeiten in Wesel gemacht wurde. Zwei Ein-Mann-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg lagen am vergangenen Dienstag für einen kurzen Zeitraum an der vielbefahrenen Oberndorfstraße (B 8), direkt vor dem Autohaus Schmeinck, das derzeit umgebaut wird. Der Weseler Conrad Reinhard, geschichtlich interessiert, entdeckte die Bunker am Straßenrand auf dem Weg zur Arbeit und machte gleich ein Foto. Wenig später, so berichtet Reinhard, seien die Bunker dann wieder verschwunden gewesen. „Das hat mich erstaunt, denn man kann davon ausgehen, dass die Bunker Denkmalwert hatten.“ In Voerde gebe es einen baugleichen Ein-Mann-Bunker im Bereich der Schleuse. Auch dieser stehe unter Denkmalschutz. „Für Wesel ist dies jedenfalls ein sehr ungewöhnlicher Fund“, sagt Reinhard

Unsere Redaktion kontaktierte sowohl das Autohaus als auch die mit dem Bau beauftragte Firma Giesers aus Bocholt. Auch dort hatte man keine Informationen über den Verbleib der beiden Bunker. Martin Roelen vom Weseler Stadtarchiv ist mit der Geschichte der Ein-Mann-Bunker vertraut: „Diese Bunker waren Massenware und wurden in der Regel nach dem Krieg entfernt, so dass heute nur noch wenige erhalten sind. In Wesel war für solche Entfernungen vor allem die Firma Landers zuständig.“ Unsere Redaktion kontaktierte die Firma Landers – auch dort hatte man keine Kenntnis von den Bunkern.

Einen direkten Schutz vor Bomben lieferten die nur 1,40 Meter breiten Kleinbunkeranlagen nicht. Eher schützten sie den Insassen vor Bombensplittern, weshalb die Bunker auch „Splitterschutzzelle“ genannt wurde. Auch Gewehrschüsse konnten abgewehrt werden.

Die in Wesel entdeckten Bunker weisen einige der typischen Merkmale der Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg auf. Sie haben ein Kuppeldach, eine Einstiegsluke und mehrere Sehschlitze, so dass eine 360-Grad-Rundsicht gewährleistet ist. Der Bunker wurde für gewöhnlich auf einem Fundament errichtet, durch Erdaufschüttung oder Eingrabung gesichert. Oben befand sich oft ein Haken, mit dem der Bunker an seinen Bestimmungsort transportiert werden konnte. Die Metallvorrichtungen fehlen allerdings an den beiden in Wesel gefundenen Anlagen. Martin Roelen vermutet, „dass die Weseler Bunker zumindest ihre Metalltüren mit Gewalt verloren haben. Das Metall fand womöglich kurz nach dem Krieg, in Zeiten des Mangels, Verwendung.“

Zu Zehntausenden sind diese Splitterschutzzellen während des Zweiten Weltkrieges im Deutschen Reich aufgestellt worden. Sie seien insbesondere dort positioniert worden, wo einzelne Personen ihren Dienst verrichteten. Conny Reinhard vermutet, dass die Weseler Bunker etwa im Bereich der strategisch wichtigen B 8 oder an den Bahngleisen standen. Allein 2000 Bunker, so heißt es in einem Aufsatz des Magazins „Monumente“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, seien im Jahr 1943 an Bahnstrecken in Deutschland aufgestellt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg forderten die Alliierten die Zerstörung aller Luftschutzanlagen.

(sep)
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