Hamminkeln: Amprion präzisiert Verlauf der Stromtrasse

Hamminkeln: Amprion präzisiert Verlauf der Stromtrasse

Der Netzbetreiber Amprion zeigte gestern aktuelle Pläne für die Stromtrasse A-Nord. Betroffen sind meist Landwirte. Die hatten viele Fragen. Noch ist der Verlauf ein weiter Korridor. Am Ende wird die Erdkabeltrasse 24 Meter breit sein.

Die Stromautobahn, die Windenergie von der Nordsee nach Süden leitet, ist ein gigantisches Unternehmen. Die Kabelverlegung braucht Akzeptanz vor Ort, deshalb hat der Netzbetreiber Amprion frühzeitig mit der Anwohnerinformation begonnen. Auch in Hamminkeln, das vom Verlauf der Stromtrasse A-Nord in Richtung Rheinquerung Rees-Haffen tangiert werden wird. Amprion hat zwei Mal in Hamminkeln erste Pläne vorgestellt, die stellten den Korridor für die Erdverkabelung nur grob dar. Der Verlauf ist jetzt präzisiert worden, und er wird auf der Werbetour vorstellt, auf der sich der Netzbetreiber aus Dortmund derzeit befindet. Gestern machte man in Hamminkeln Station - mit einer zweistündigen Veranstaltung im Ratssaal statt dem ursprünglich vorgesehenen Stopp des Infomobils auf dem Rathausvorplatz.

Auf dieser Strecke soll die Vorzugstrasse in Hamminkelns Norden verlaufen: An der Bocholter Straße knapp hinter der Grenze zu Bocholt trifft sie auf das Stadtgebiet. Die Bahnlinie des Bocholters wird gekreuzt, durchs ländliche Dingden-Lankern geht es zur Bundesstraße 473. Der Autobahnzubringer wird gequert, bevor der Korridor zwischen Loikum und Wertherbruch hindurchführt. Die Provinzialstraße wird unterquert, dann die Autobahn A3. Von der Wittenhorst aus führt die Stromtrasse nördlich an Mehrhoog vorbei. Dort kreuzt sie die Betuwelinie und B 8, bevor sie Hamminkeln verlässt. 2025 soll A-Nord Strom transportieren. Besonderheit ist möglicherweise, dass der Betuwe-Ausbau dann noch nicht begonnen ist.

Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) hatte die Verlegung der Präsentation ins Rathaus verlangt. Im brechend vollen Saal wurden Fragen zu landwirtschaftlicher Nutzbarkeit über dem Erdkabel, Entschädigung, Strahlung, Sicherheit allgemein und Grundwasserproblematik gestellt. Die Zusicherungen, viel für die Problemlösungen zu tun, waren erheblich, auch wenn nicht alle Fragen tief beantwortet wurden. Der sachliche Verlauf zeigte, dass die Kommunikationsstrategie von Amprion aufging. Das hat erstens damit zu tun, dass die Transparenz-Strategie von Amprion gut durchdacht ist. Zweitens werden Gespräche mit den vielen Landwirten in Hamminkeln gesucht, durch deren Felder die unterirdische Leitung führt. Drittens sind die Interessen der Stadt berücksichtigt worden, sie sieht derzeit keine planerischen Knackpunkte. Allerdings steht der exakte Trassenverlauf noch nicht fest. Gestern ging es um die Vorzugstrasse. Sie wird in vier Wochen offiziell bei der Bundesnetzagentur beantragt. Dann folgen Bundesfachplanung und das entscheidende Planfeststellungsverfahren. Der Baubeginn soll im Jahr 2021/22 sein, Inbetriebnahme 2025, wie Projektleiter Klaus Wewering sagte. Laut Gesetz wird fast komplett Gleichstrom-Erdkabelverlegung erfolgen.

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Beim ersten Auftritt in Hamminkeln fehlten noch Informationen über den Streckenverlauf. Jetzt ist die Darstellung eines Korridors möglich, der immer noch einen Kilometer breit ist. Am Ende wird die exakte Trasse 24 Meter breit sein. Dieser Streifen darf künftig nicht bebaut und bewaldet, wohl aber landwirtschaftlich genutzt werden. In einem Jahr etwa wird "flurstückhaft geplant". Gestern konnten sich Anwohner am Computerbild informieren, wie ihr jeweiliges Gehöft betroffen sein könnte.

Einen Mindestabstand des Kabels zu Häusern gibt es nicht, die Zusicherung gilt, das je nach Ortslage möglichst großer Abstand eingehalten wird. Dazu wurden gestern mehrfach Sorgen geäußert. Die Strahlung liegt weiter unter Grenzwerten, selbst wenn man sich direkt über das Erdkabel stellt, die Erwärmung des Bodens wurde auf ein bis zwei Grad beziffert. Im Erdreich in Kabelnähe können es 30 bis 40 Grad sein. Der Aushub bei der Verlegung wird je nach Erdschicht getrennt aufbewahrt, um wieder schichtweise wie zuvor verfüllt zu werden. So soll die Bodenqualität für gute landwirtschaftliche Erträge erhalten werden.

(RP)