Hamminkeln: Am Pulsschlag der Weltpolitik

Hamminkeln : Am Pulsschlag der Weltpolitik

Bundestagspräsident Norbert Lammert war am Sonntag Gast beim CDU-Neujahrsempfang in Hamminkeln. Er führte sein Publikum in einer großen Rede mit Ernsthaftigkeit und Humor nah ran die Politik in Berlin und Brüssel.

Mit der beeindruckenden Rede des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert erlebte am Sonntag nicht nur die ohnehin beachtliche Reihe der CDU-Neujahrsempfänge einen neuerlichen Höhepunkt. Die Zuhörer im proppenvollen Ratssaal wurden Zeugen eines Beitrages, der selten ist im Rathaus einer kleinen Stadt. Der zweite Mann im Staate führte sein Publikum nachdenklich, pointiert und mit trockenem Humor nah ran ans politische Geschehen in Berlin und Brüssel und nahm es mit beim globalen Aufbruch in eine sich grundlegend verändernde Zukunft.

CDU-Empfang (v. r.): Bürgermeister Holger Schlierf, CDU-Parteichef Norbert Neß, Prof. Norbert Lammert, Udo Bovenkerk und CDU-Senior Heinz Breuer. Foto: Bosmann, Jürgen

Lammerts zentrale Themen in der über einstündigen, aus dem Stand gehaltenen Rede waren die Energiewende nach Fukushima und die europäische Krise. Dabei griff der Gast aus dem hohen Hause, dem Hamminkeln, besonders der Klausenhof, vertraut ist, immer mal wieder einen Ball auf, den Bürgermeister Holger Schlierf zuvor in seinem Grußwort ins Spiel gebracht hatte. Das brachte dem Professor aus Bochum weitere Sympathiepunkte und am Ende langanhaltenden Beifall im Stehen ein.

Fukushima und Europa

Lammert gelang es, dem boomenden "Veranstaltungstypus" Neujahrsempfang gerecht zu werden und die "Sehnsucht" zu befriedigen, das Geschehen in der globalen Welt "ein wenig zu sortieren". Es seien im Rückblick die Dinge, gewesen, die die Welt nachhaltig beeindruckt hätten, die zu Beginn des Jahres in keinem Kalender zu finden waren. Der Parlamentspräsident nannte den "Arabischen Frühling", von dem keiner wisse, "ob daraus ein strahlender Sommer, ein trüber Herbst oder gar ein bitterer Winter" werde.

Dann habe die Reaktorkatastrophe in Japan in Deutschland zum radikalen Kurswechsel in der Energiepolitik geführt. Das sei dadurch zu verstehen, dass die Akzeptanz hierzulande bereits "nach Tschernobyl weggebrochen" sei. Die Energiewende werde "keine gemütliche Veranstaltung". Aber der bisher beispiellose Weg lohne, weil Deutschland darauf angewiesen sei, "besser und schneller" zu sein als die, die billiger besser können.

Die europäischen Gemeinschaft müsse "das Ungleichgewicht zwischen ökonomischer und politischer Integration" beheben. Die Krise sei keine Krise des Euro, von dem Deutschland trotz Abschiedsschmerzes von der D-Mark weit mehr profitiert habe als alle anderen. Der Präsident zollte "in seiner Liebeserklärung an Europa" (CDU-Parteichchef Norbert Neß) der "souveränen Sturheit der Kanzlerin großen Respekt". Sie halte unbeirrbar daran fest, dass Unterstützung für hoch verschuldete Staaten nicht die Illusion nähren dürfe, dass sie die Politik beibehalten könnten, die sie in Turbulenzen gestürzt habe.

(RP)