Am Evangelischen Krankenhaus Wesel ist ein OP-Roboter im Einsatz

Innovation im Evangelischen Krankenhaus Wesel : Vorsprung durch Robotik

Seit August ist im Evangelischen Krankenhaus Wesel (EVK) ein OP-Roboter im Einsatz. Damit ist das EVK Vorreiter in Deutschland und der Welt. Von der Technik profitieren Patienten – aber auch Ärzte.

75 Patienten hat „Robby“, so nennen die Ärzte des Evangelischen Krankenhauses (EVK) in Wesel ihren neuen Robo-Kollegen, bereits in den ersten Monaten seines Einsatzes operiert. Und weil der OP-Helfer eine echte Innovation darstellt, informierten sich jetzt auch der Weseler FDP-Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther und die Landtagsabgeordnete Susanne Schneider über den Einsatz.

Im EVK: die Politiker Susanne Schneider und Bernd Reuther. Foto: RP/Eveline Klingler

Die Bilanz des EVK fällt positiv aus: Kürzere Genesungszeiten, weniger Schmerzen und geringer Blutverlust – das sind die Vorteile gegenüber der konventionellen Operation, die „Robby“ EVK-Patienten verschafft, erklärt Chirurgie-Chefarzt Olaf Hansen. Die Eingriffe können dank Robotik „minimalinvasiv“ durchgeführt werden. Das bedeutet: Minimale Einschnitte und höchste Präzision. „Da wackelt nichts, da ruckelt nichts“, betont Hansen – anders als bei einer Menschenhand.

Die Robotik „Senhance Surgical-System“ wurde vom US-amerikanischen Unternehmen Transenterix entwickelt, die Technik kommt aus dem Militär.

Die Roboter operiert am Patienten, während der Chirurg vor dem Bildschirm den Eingriff steuert. „Die Arme arbeiten für mich“, sagt Hansen. Der Chirurg steht während der Operation nicht neben dem Patienten, sondern sitzt an der Steuerungskonsole. Und mit Blicken und Joystick steuern die Chirurgen jede einzelne Bewegung der Roboterarme, während in Echtzeit und 3D die Bilder aus dem Körperinnern auf den Bildschirm übertragen werden – 16-fach vergrößert. Dabei ist Robby so bedienfreundlich, dass sogar Widerstände für den operierenden Chirurgen spürbar werden.

Seit 2017 werden digitale OP-Assistenten eingesetzt. „In Asien findet robotische Chirurgie bereits oft statt“, ergänzt Hansen, der vor kurzem Hongkong besucht hat. In Deutschland ist das Evangelische Krankenhaus Wesel einer der Vorreiter. Und weltweit sind lediglich 20 Zentren mit dieser Technik ausgestattet. Dass medizinische Innovationen, wie der Chirurgie-Roboter, zuerst in kleineren Krankenhäusern und eben nicht in den großen Unikliniken Einzug erhalten, sei die Regel, sagt Hansen.

„Das ist wirklich innovative Technik“, betont FDP-Politiker Bernd Reuther, der unweit des Krankenhauses mit seiner Familie lebt. „Der OP-Roboter ist ein Alleinstellungsmerkmal, auf das das Krankenhaus stolz sein kann.“

Nicht nur Patienten profitieren vom OP-Roboter, auch für die Chirurgen bedeutet das verbesserte Arbeitsbedingungen. Statt ungesunden Verrenkungen und stundenlangem Stehen im OP, können die Ärzte bequem und ergonomisch im Sitzen arbeiten. Mittlerweile sei es eine „Quälerei“, wenn er ohne die neue Technik operiere, betont Hansen.

Die Patienten des EVK hätten der neuen OP-Technik von Anfang an vertraut. Bisher habe niemand die Operation mit „Robby“ abgelehnt, so Chef-Chirurg Hansen. Und: „Die Patienten bestätigen uns, dass sie weniger Schmerzen haben.“ Zusätzlich zu den subjektiven Einschätzungen führt das EVK noch eine begleitende Studie durch. Die Bilanz nach etwa einem Vierteljahr: Die Sicherheit der Operationen ist mindestens genauso hoch, wie bei den „normalen“.

„Wenn es nach mir ginge, könnten wir direkt den zweiten Operationssaal mit einem Roboter bestücken“, sagt Hansen. Wenn sich in den kommenden Jahren abzeichne, dass die Nachfrage „riesig“ werde, könne das Krankenhaus schnell reagieren, betont Geschäftsführer Rainer Rabsahl. Susanne Schneider ist Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion für Gesundheit und Pflege. Sie will das Thema Robotik mit in den Landtagsausschuss nehmen. „Es ist immer wichtig und auch spannend, einen konkreten Einblick in die Praxis zu bekommen“, betont sie.

Denn was derzeit noch als Innovation gilt, könnte in absehbarer Zeit die Medizin revolutionieren. In etwa drei bis fünf Jahren, schätzt Olaf Hansen, werde die Robotik in Deutschlands Operationssälen Standard sein.