Wesel: Am Diesel-Motor scheiden sich die Geister

Wesel: Am Diesel-Motor scheiden sich die Geister

Bundesweit vermelden Autohändler sinkende Verkaufszahlen. In der hiesigen Region gibt es große Unterschiede.

Der Dieselmotor blieb auch 2017 das Sorgenkind der deutschen Autoindustrie. Bundesweit vermelden Autohändler sinkende Verkaufszahlen von gebrauchten, aber auch neuen Diesel-Fahrzeugen. In Städten, denen das Diesel-Fahrverbot droht, ist der Wertverlust besonders hoch.

René Gravendyk, Obermeister der Kfz-Innung Niederrhein, kann einem Wertverfall des Dieselfahrzeugs nicht zustimmen. "Die Aussichten beim Diesel sind nicht schlechter als vorher, der Diesel hat Zukunft", sagt er. Er betont die Vorteile von Dieselfahrzeugen im Kraftstoffverbrauch und bei hoher Anhängerlast. Allerdings sieht er die Vorteile eines Dieselmotors durch den Standort Niederrhein bedingt. Für Autofahrer, die ihr Fahrzeug nur für kurze Strecken einsetzen, lohne sich der Dieselmotor nicht. "Die Nähe zu Holland und die weiteren Pendlerstrecken spielen sicherlich regional eine positive Rolle. Bei 5000 bis 7000 Kilometern Fahrleistung im Jahr macht der Diesel dagegen nicht so viel Freude." Gravendyks eigenes Autohaus liegt in Goch, in direkter Nachbarschaft zur deutsch-niederländischen Grenze. Dort sind Diesel-Pkw traditionell beliebt.

Das bestätigt Jörg Lackermann, Geschäftsführer des Autohauses Lackermann in Wesel. Auch er sieht keine sinnvolle Alternative zum Dieselfahrzeug. "Allein, was das Tankstellen-Netz angeht, können Elektrofahrzeuge da nicht mithalten", sagt er. Im Verkauf sei der Trend hin zu Benzinern natürlich ersichtlich. "Spätestens seit dem VW-Skandal sind die Medien damit ja voll", sagt er. Das eigene Geschäft in den Autohäusern in Wesel, Bocholt, Xanten und Dinslaken sieht er aber nicht bedroht: "Wir haben uns rechtzeitig darauf eingestellt."

In anderen Orten am Niederrhein ist das Stimmungsbild gemischter. Sascha Schneider, Geschäftsführer des Autohauses Schneider in Moers, spricht von einem "massiven Einbruch" der Verkaufszahlen im Diesel-Segment. Der Anteil von dieselbetriebenen Pkw am Gesamtverkauf sei von 50 auf fünf Prozent gesunken. Zudem schöben viele Kunden ihre Kaufentscheidung auf und warteten zunächst auf weitere politische Entscheidungen. Beim Autohaus Schmitz ist hingegen nur von "leichten Verlusten" die Rede, und auch die Hugo Schneider GmbH vermeldet einen stabilen Absatz.

"Die anhaltende Diskussion über die Zukunft des Dieselmotors und drohende Fahrverbote verunsichert die Autofahrer", sagt Dietmar Lassek, Obermeister der Kfz-Innung Krefeld. Der Verkauf von Diesel-Pkw laufe dort für gebrauchte Fahrzeuge und Neuzulassungen der modernen Euro-6-Diesel nur schleppend. "Um drohende Fahrverbote zu vermeiden und nachhaltig etwas für die Umwelt sowie den Werterhalt der Fahrzeuge unserer Kunden zu tun, setzen wir uns im Kfz-Gewerbe für eine Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Fahrzeuge ein." Langfristig sieht auch Gravendyk in einer Nachrüstung den Schlüssel, "um dem Kunden ein gutes Gefühl zu geben" und den Handel mit Diesel-Fahrzeugen zu stabilisieren. Gravendyk ist sich sicher, dass sich der ab 2020 geltende EU-Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer ohne moderne Dieselmotoren nicht einhalten lässt.

So lässt sich die Frage nach der Zukunft des Dieselmotors generell nur schwer beantworten. Bei den Gelegenheitsfahrern, die traditionell schon nicht von den Diesel-Stärken profitierten, scheint der Markt weiter geschrumpft zu sein. Für die Berufspendler und Vielfahrer der Region scheint der Diesel-Pkw hingegen weiterhin beliebt.

(RP)