Altana in Wesel weiter auf Wachstumskurs

Weseler Unternehmen : Altana weiter auf Wachstumskurs

Investitionen in eine neue Arbeitswelt am Standort Wesel, in eine israelische Digitaldruckfirma, in Produktionsstätten weltweit: Altana wächst mit seiner Tochter Byk weiter, wie bei der Bilanzverkündigung in Düsseldorf deutlich wurde.

Der Spezialchemiekonzern Altana hat am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf die gute Entwicklung der Weseler Tochter Byk betont. Vorstandschef Martin Babilas sagte: „Wesel ist das Herzstück unseres Unternehmens und soll auch Zentrale bleiben.“ Im August 2018 konnte die 1000. Mitarbeiterin am Standort Wesel begrüßt werden.

Aktuell steht eine Großinvestition in einen neuen Bürobau an, in dem IT-Fachkräfte in offener Atmosphäre arbeiten, enger vernetzt mit anderen Unternehmensbereichen. Der Bau ist auch ein Symbol für den modernen Arbeitgeber Altana, der mit 1000 Arbeitskräften der wichtigste privatwirtschaftliche Arbeitgeber in Wesel ist. Im Jahr 2018 sind drei Millionen Euro in neue Laboreinrichtungen und Haustechnik in Wesel investiert worden. Deshalb wird man die Zahlen auch im Rathaus mit Freude vernommen haben.

Martin Babilas lobte im Gespräch mit unserer Redaktion im Anschluss an den Bilanztermin das Miteinander mit der Weseler Stadtverwaltung. „Mit der Bürgermeisterin und den verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung gibt es einen ausgezeichneten Austausch.“ Altana wolle in Wesel ein „bürgerschaftliches Einvernehmen“ erreichen. Gesellschaftlich werde man sich in der Stadt vor allem im Bereich Bildung engagieren. Als Beispiel nannte Babilas das „sehr erfolgreiche“ Projekt Bildungscoaching. Altana finanziert eine sozialpädagogische Kraft, die Ehrenamtler als Bildungspartner für benachteiligte Kinder gewinnt. Das Projekt läuft mit der Akademie Klausenhof und der Grundschule Innenstadt.

Der Spezialchemiehersteller Altana, der zur Skion GmbH der deutschen Unternehmerin Susanne Klatten gehört, produziert mit seinen vier Geschäftsbereichen, den Töchtern Byk, Eckart, Elantas und Actega, Spezialprodukte für Lackhersteller, Kunststoffverarbeiter, Druckindustrie und Elektroindustrie sowie die Kosmetikbranche. Bei der Bilanzpressekonferenz im Düsseldorfer Hotel Intercontinental vermeldete die Konzernführung stabile Zahlen, die in einem schwierigeren Marktumfeld entstanden seien, wie Babilas betonte. Der Umsatz des Unternehmens stieg um drei Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Insbesondere steigende Rohstoffpreise und eine sinkende Nachfrage aus der Automobilindustrie hätten aber das Ergebnis gebremst.

Zum schwierigen Marktumfeld gehört für Babilas auch die Unruhe um einen möglichen Brexit. Altana hat selbst in Manchester einen Standort. „Ein unfassbarer Vorgang“ sei für ihn die politische Unentschlossenheit, sagte Babilas in einer für einen Wirtschaftskapitän bei der Bilanzverkündung erstaunlichen Offenheit. „Es wäre für alle Beteiligten besser, wenn Großbritannien nicht Europa verlässt.“ Wenn es zum unkontrollierten Brexit kommen sollte, dann würde Altana insbesondere in Zollfragen und bei der chemikalienrechtlichen Zulassung gefragt sein. Die Lagerbestände in England wie in Deutschland seien etwaigen Unsicherheiten schon angepasst worden.

Der größte Geschäftsbereich Byk in Wesel erhöhte den Umsatz um drei Prozent auf eine Milliarde Euro. „Trotz des herausfordernden Marktumfeldes haben wir unsere ambitionierten Umsatzziele erreicht“, sagte Babilas. Dies zeige, dass Altana mit konsequenter Kundennähe und innovativen Produkten gut aufgestellt sei. Unter anderem gibt es seit diesem Jahr eine E-Commerce-Plattform, mit der man Geschäftskunden direkt erreicht.

Bei den Zukäufen erwartet sich Babilas insbesondere von der Beteiligung am israelischen Digitaldruckunternehmen Landa Digital Printing Erfolge. Deren Digitaldrucktechnologie erlangt 2019 Marktreife. „Bahnbrechend“ sei die Technik. Babilas sieht großes Wachstumspotenzial. „Wir bereiten uns auf die Expansion in Zukunftsmärkte vor“, sagte Babilas. Stolze 73 Prozent beträgt die Eigenkapitalquote. Auf weitere Investitionen ist Altana vorbereitet.

Das Wachstum soll bei Altana in den nächsten Jahren verstärkt durch das Segment Innovation und Forschung gelingen. Auch bei der Weseler Tochter Byk macht dieses einen wesentlichen Teil der Arbeitsplätze aus. Sieben Prozent des Gesamtumsatzes werden bei Altana in Forschung und Entwicklung investiert. 30 Unternehmen sind in den vergangenen zehn Jahren hinzugekauft worden. 6400 Mitarbeiter hat das Unternehmen derzeit weltweit. Von den 1000 in Wesel arbeiten 18 Prozent im Bereich Forschung und Entwicklung.

Die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2019 sind bei Martin Babilas und seinem Vorstandskollegen Stefan Genten dennoch nicht allzu rosig. Altana geht von einer schwächeren Weltwirtschaft aus.

(sep)
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