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Altana hat eine Milliarde Euro für Zukäufe

Interview mit Vorstandschef Wolfgruber : Altana hat eine Milliarde Euro für Zukäufe

Der Spitzenmanager des Spezialchemieherstellers aus Wesel, Matthias Wolfgruber, schließt spektakuläre Übernahmen in Zukunft nicht aus. Seine Bedingungen: Werthaltigkeit und profitables Wachstum. Der Konzern will zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Firmenübernahmen scheinen Ihr Hobby zu sein. Kann der Konzern die schnelle Abfolge von Käufen überhaupt verdauen?

Wolfgruber In den vergangenen zehn Jahren haben wir rund 30 Akquisitionen getätigt. Wir verdauen schnell. 2013 haben wir das Geschäft für Rheologie-Additive (Zusatzstoffe etwa für Lacke) der US-Gruppe Rockwood für 480 Millionen Euro übernommen. Seit 1. Juli sind wir mit 100 Millionen Euro bei der israelischen Landa-Gruppe beteiligt, die einen bahnbrechenden Digitaldruckprozess entwickelt.

Steht unmittelbar etwas Neues bevor?

Wolfgruber Wir reden immer erst darüber, wenn es soweit ist. Aber für den laufenden Monat kann ich es ausschließen.

Als Unternehmen der Quandt-Erbin Susanne Klatten haben Sie ein ausreichendes Finanzpolster. Reizt Sie da nicht die ganz große strategische Übernahme?

Wolfgruber Wir befinden uns als Familienunternehmen in einer ausgezeichneten Position. Gleichwohl agieren wir so transparent wie eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Das haben wir aus unserer Vergangenheit als Dax-Unternehmen übernommen.

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Sie haben die Frage nach einer möglichen strategischen Übernahme noch nicht beantwortet.

Wolfgruber Wir werden weiter mit Übernahmen wachsen, aber auch intern um fünf Prozent jedes Jahr zulegen. Wichtig ist, dass die Übernahmen werthaltig sind und das Wachstum profitabel. Ob die ganz große Übernahme dabei ist, hängt auch von der Gelegenheit ab.

Wie viel können Sie mobilisieren?

Wolfgruber Wir haben eigene Mittel in ausreichender Form bei einem Eigenkapitalanteil von über 60 Prozent. Wenn wir alles, also auch die Fremdmittel, zusammennehmen, haben wir eine finanzielle Feuerkraft von einer Milliarde Euro. Damit lässt sich einiges finanzieren.

Jede Übernahme verwässert Ihr Ergebnis. Die Dauerkäufe könnten Ihre angestrebte Kapitalrendite vermindern.

Wolfgruber Die Kapitalrendite nach der Roce-Methode (Return on Capital Employed) ist unsere wichtigste Zielgröße. Nach größeren Zukäufen sinkt die Kapitalrendite schon mal vorübergehend. Aber wir sind langfristig orientiert. Und wir verdienen die Kapitalkosten auch kurzfristig.

Als Spezialchemiehersteller haben Sie eine höhere Rendite als Ihre deutschen Konkurrenten Evonik oder Lanxess. Was machen Sie anders?

Wolfgruber Wir konzentrieren uns auf reine Spezialchemie und nur auf Geschäftsfelder, die wir ausgezeichnet beherrschen - etwa das Geschäft mit Lack-Zusatzstoffen oder Metallic-Pigmenten. Dort sind wir auch Weltmarktführer, bewusst nicht auf Position zwei oder drei. Um diese Marktstellung zu erreichen, ist ein gewaltiger Vorlauf und Forschungsaufwand nötig. Das ist natürlich eine Eintrittsbarriere und schreckt potenzielle Konkurrenten ab.

Sie haben ehrgeizige Wachstumsziele. Fürchten Sie nicht, dass Länder wie China nicht mehr ganz so schnell zulegen?

Wolfgruber China ist ein strategischer Markt. In der Chemieindustrie wird das Land noch lange kräftig wachsen. Der Anteil Chinas an unserem Geschäft beträgt schon 15 Prozent, ein Drittel geht nach Asien. Aber auch die USA sind wieder ein zunehmend spannender Markt, seit sie durch günstige Energie eine Re-Industrialisierung eingeleitet haben. Es ist weltweit der größte Markt für Spezialchemie.

Sind damit die Arbeitsplätze auch in Deutschland gesichert?

Wolfgruber Wir haben in Wesel rund 900 Mitarbeiter, in Deutschland 3200 von insgesamt 5700. Da die Verkäufe schneller wachsen als die Produktivität, stellen wir zusätzliche Kräfte ein - gerade auch in Wesel. Es sind allerdings Fachkräfte, Betriebswirte und Ingenieure, also durch die Bank Hochqualifizierte.

NRW ist das wichtigste Chemie-Land in Deutschland. Fühlen Sie sich durch die Landesregierung ausreichend unterstützt?

Wolfgruber Das Engagement der Landesregierung für die Industrie und vor allem die forschungs-, kapital- und energieintensive chemische Industrie könnte größer sein. Unsere ausgesprochen globale Präsenz mit einem internationalen Umsatzanteil von 85 Prozent macht uns allerdings etwas weniger abhängig von der politischen Entwicklung hier.

Was bemängeln Sie konkret?

Wolfgruber Wir bräuchten als forschungsintensives Unternehmen eine steuerliche Förderung. Die wird allerdings im Bund entschieden. Und wir brauchen Flächen, kompetente Mitarbeiter und bezahlbare Energie.

Martin Kessler stellte die Fragen.

(RP)