Wesel: Ärger im Bauverein um Hovests Sonderposten

Wesel: Ärger im Bauverein um Hovests Sonderposten

Aktionär Rudi Spelmanns kritisiert ständiges Auftreten des SPD-Fraktionschefs im Aufsichtsrat, obwohl der kein Mitglied ist.

Wirbel um politische Strippenzieherei und Pöstchen gab es gestern Abend bei der Hauptversammlung der Bauverein Wesel AG im Tannenhäuschen. CDU-Ratsherr Rudi Spelmanns, privat auch Aktionär der Bauverein AG, stellte die Entlastung der der Geschäftsführerin Anett Leuchtmann infrage. Ein einmaliger Vorgang.

Das Ganze hat rechtliche Hintergründe: Im Geschäftsbericht muss aufgeführt werden, wer Mitglied in welchen Gremien ist und welche Vergütung er erhält. Alle stehen drin – nur Ludger Hovest nicht. Der SPD-Fraktionsvorsitzende tritt als Vertreter des Gesellschafters Stadt aber regelmäßig im Aufsichtsrat auf. Ob er geladen ist, weiß niemand. Aber er nimmt an den Sitzungen immer teil. Das ist ungewöhnlich, meist gilt, dass nur ein besonderer Grund die Teilnahme eines Gesellschaftervertreters rechtfertigt. Eine Frage ist auch, ob der Sozialdemokrat für seine Auftritte im höchsten Gremium jeweils eine Aufsichtsratsvergütung kassiert. Der Public Corporate Governance Kodex – die Regel für Kontrolle und Transparenz – sagt, dass die Daten zu veröffentlichen sind. Laut Aktionärsrecht darf Hovest nicht automatisch teilnehmen.

Spelmanns, der den Namen Hovest nicht aussprach, fragte: "Wie legitimiert ist diese Person?" Leuchtmann sagte, dass ein Gutachter vor Jahren das Hinzuziehen von Beratern abgesegnet habe. Doch heute gelten andere Gesetze. Was korrekt ist, das soll nun im Aufsichtsrat geklärt werden. Die große Mehrheit entlastete den Vorstand.

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Hovest, sonst an allen entscheidenden Strippen in der Stadt tätig, hatte vor Jahren einen Rückschlag erlitten, als er für eine Philatelisten-Arbeitsgemeinschaft für russische Briefmarken Zuschüsse des Bauvereins akquiriert hatte. Der SPD-Chef zog sich im Zuge der Affäre aus dem Aufsichtsrat zurück. Stets behielt er aber Tuchfühlung zu den Schaltstellen des Bauvereins. Heute ist er Gesellschaftervertreter mit einer Art ständigem Sitz im Aufsichtsrat. SPD-Mitglied Leuchtmann hält das offensichtlich für selbstverständlich. Längst hat der Bauverein – neben Vorzeige-Sanierungsmaßnahmen – den Ruf, ganz SPD-nah zu sein und sich besonders dort mit Investitionen reinzuhängen, wo sozialdemokratische Wählerklientel (Zitadellen-Viertel) beheimatet ist.

Vom Wirbel um Hovest unbenommen zog die Bauverein Wesel AG gestern eine positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2012\.

(fws/thh)
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