Wesel: Abenteuerlich über den Rhein

Wesel: Abenteuerlich über den Rhein

Die Diskussion um eine Landmarke für die alte Brücke und Fort Blücher weckt in Ur-Weselern Erinnerungen. Willi Meesters berichtet von brückenloser Fährzeit und Heinz Bongers von einer eiskalten Silvesternacht.

Die Idee für eine Landmarke nach dem Abriss der jetzigen Rheinbrücke zur Erinnerung an die wechselvolle Geschichte der Weseler Rheinquerungen und an die Festungshistorie begeistert immer mehr RP-Leser. So ist beispielsweise Willi Meesters (77) ganz besonders die für Zivilisten brückenlose Zeit in Erinnerung geblieben. Denn auch 30 Jahre vor der kommunalen Neuordnung von 1975 gab es natürlich Beziehungen zwischen den Menschen links und rechts des Rheins. 1945 lagen die verbindenden Bauwerke jedoch in Trümmern.

Behelfskonstruktionen der alliierten Sieger war allein dem Militär vorbehalten. "Was tun ?", fragte sich Willi Meesters, damals 14 Jahre, der seine Großeltern in Büderich besuchen wollte. Opa Wilhelm und Oma Maria hatten ihren Tabakladen samt Ware und Zigarrenproduktion von Wesel ins Polderdorf verlegt. Nach dem Krieg waren sie von ihrer auf dem Wachtenbrink zwischen Drevenack und Damm lebenden Familie getrennt.

Mit Fahrrad auf die "Fähre"

Irgendwann, als Meesters mal wieder mit dem Fahrrad durchs zerstörte Wesel rollte, erfuhr er von einer Fähr im Hafen an der Schless-Werft. Das erzählte er umgehend seinen Eltern, die ihm sofort verboten, damit zu fahren. Er hat es natürlich trotzdem gemacht und besagte "Fähre" gesucht. Im Hafen angekommen, sah er nur eine Reihe Männer mit Rädern und stellte sich mit seiner Fiets an. Über einen schmalen Steg ging es an einem Hausboot vorbei zu einem Gefährt, das sich als Aak entpuppte (siehe Info). Winzig klein, ungeheuer schwer und nur von einem einzigen Ruderer per Muskelkraft bewegt.

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Meesters weiß den Namen nicht mehr, zollt dem Fährmann aber großen Respekt. "Dem Mann wurden alle Kräfte abverlangt", sagt er und schildert eine abenteuerliche Überfahrt in dem schwankenden Ding. Die Räder der Passagiere. wurden gestapelt, und los ging es. Der Mann an den Riemen legte sein Boot nach der Ausfahrt vom Hafen auf den Rhein geschickt in die Strömung, die dann beim Übersetzen half. Zielpunkt Zufall. "Immer kam das Boot woanders aus, und man musste sich beim Gang durch die Wiesen am Büdericher Kirchturm orientieren."

Die Überraschung der Großeltern war ebenso groß wie der Zorn der Eltern, als Klein-Williken viele Stunden später wieder nach Hause kam. Rheinquerungen dieser Art waren schon immer gefährlich. Wenn ein Boot einem Schleppverband nahe kam, wurde es wegen der Trosse brenzlig. Aber mit dem Treibenlassen kannte sich der Fährmann aus, verlegte für die Rückfahrt den Kahn jeweils ein gutes Stück weiter rheinauf. So kam man nach gleicher Methode wieder an der Hafeneinfahrt an, ohne gegen die Strömung kämpfen zu müssen.

Als "erste feste Nachkriegsbrücke im Rheinland" ist Meesters die Montgomery Bridge in Erinnerung geblieben. Auch für die habe man "starke Nerven und leichte Fahrzeuge" gebraucht. Denn durch die aus Holzbohlen bestehende Fahrbahn konnte hatte man einen guten Blick auf den rauschenden Rhein . . .

(RP)
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