Wie Geht's, Wesel?: Ab ins Museum!

Wie Geht's, Wesel?: Ab ins Museum!

In Wesel eröffnet in gut einem Monat ein Museum, das eine Attraktion für den ganzen Niederrhein werden kann. Doch warum weiß rund um Wesel kaum jemand davon? Ein Plädoyer.

Dieser Besuch hat große Vorfreude geweckt. In der vergangenen Woche hat der Landschaftsverband Rheinland erstmals in Ansätzen präsentiert, mit welcher Konzeption das neue Niederrhein-Museum in Wesel an den Start gehen soll. Insbesondere das dort gezeigte Großpanorama mit Wesel-Prominenz hat Lust auf diesen Ort gemacht, der zu einer Attraktion für den ganzen Niederrhein werden kann. Die Geschichte unseres schönen Landstrichs wird publikumswirksam anhand ausgewählter Exponate erzählt, eingebunden in das große Narrativ des Groß-Panoramas. Eine schöne Idee, ein populärwissenschaftlicher Ansatz.

Es bestand aber auch dringende Notwendigkeit: Das alte Preußen-Museum, da sind sich die Experten mittlerweile einig, wies zu wenig stimmige Gesamtkonzeption auf, um als Museum dauerhafte Existenzberechtigung zu haben. Als Kind des Niederrheins fragen wir uns sowieso, warum wir in unserer Schulzeit mit dem Geschichtslehrer, obwohl nur 15 Minuten Autofahrt entfernt groß geworden, niemals in das ehemalige Weseler Preußen-Museum gefahren sind. Wer will schon am Niederrhein ein Museum mit Preußen besuchen? Der Name Niederrheinmuseum hingegen weckt Interesse. Das neue Museum hat die Chance, in Ergänzung zu Xanten die jüngere Geschichte dieser Region zu beleuchten.

Der Ortstermin dieser Woche zeigte allerdings auch die Schwächen auf. Das geht schon bei der Anfahrt los: Vor dem Museum auf der Wiese an der Kreuzung wirbt noch immer ein großes Plakat mit dem Titel Preußen-Museum. Dabei eröffnet das Museum schon in fünf Wochen unter neuem Namen. Tausende Autos fahren jeden Tag an dieser Baustelle vorbei. Längst hätte man mit einem Plakat bei den Autofahrern Lust auf das Museum wecken können. Wer dann auf den Parkplatz hinter dem Museum fährt, der wird auch nicht mit der Nase auf den Eingang gestoßen. Kein großes Schild an der Außenwand, auf dem der Name dieses so wichtigen Hauses notiert wäre. Der ortsfremde Besucher bleibt im Ungewissen. Dabei wird man auf die setzen müssen, wenn das Museum nicht nur zu einer Heimatstube für Wesel, sondern zu einer Attraktion für den ganzen Niederrhein werden soll. Beim Pressetermin in dieser Woche war es nur eine kleine Runde um Museumschef Veit Veltzke, die im Museum die Ideen präsentierte. Dabei hätte man zumindest Bürgermeisterin Ulrike Westkamp bei dem Termin erwartet. Die machte unterdessen im Discounter Aldi Station, um dort die Tatsache zu würdigen, dass Azubis in den kommenden Wochen die Filiale führen. Fürwahr ein schöner Termin, bei dem man als Stadtchefin Wirtschaftsnähe beweist. Vielleicht aber wäre Westkamp auch zum Museum gekommen? Eingeladen war sie aber vom Landschaftsverband zur Pressekonferenz nicht. Eine große Runde soll es erst kurz vor der Eröffnung geben, erklärte der LVR gestern. Immerhin war die Bürgermeisterin auf dem Großpanorama zu sehen.

Dieses Museum verdient in den kommenden Wochen alle Aufmerksamkeit. Schließlich haben wir es alle mit unseren Steuergeldern gezahlt. 2,9 Millionen Euro kostete die Sanierung. Der Blick in das Museum beweist: Das Geld ist gut investiert. Und es gibt Dinge, die Hoffnung spenden. So weckte Museumschef Veltzke Vorfreude, als er die neuen Räumlichkeiten zeigte. Er glänzte als Geschichtenerzähler, als Botschafter des Niederrheins.

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Die wichtigste Erkenntnis nach dem Besuch: Das Museum wird von den Menschen leben, die mit Leidenschaft im Museum arbeiten. Noch mehr aber wird es von jenen leben, die das Museum besuchen. Ohne Gäste kann kein Museum bestehen. Deshalb ab 18. März alle ab ins Museum.

Dieses Haus gehört uns allen.

Ihre Meinung? Schreiben Sie mir! sebastian.peters@rheinische-post.de.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das alte Wesel als Panorama

(RP)