Tragischer Unfall in Mehrhoog 92-Jährige von Güterzug tödlich verletzt

Update | Mehrhoog · Eine Hamminkelnerin (92) ist am Mittwoch mit ihrem Krankenfahrstauhl auf dem Bahnübergang in Mehrhoog von einem Zug erfasst worden. Die Seniorin erlag in einer Klinik ihren schweren Verletzungen.

 Das Archivbild zeigt einen Güterzug auf dem Bahnübergang in Mehrhoog, wo es trotz Schranken jetzt zu dem tödlichen Unfall kam.

Das Archivbild zeigt einen Güterzug auf dem Bahnübergang in Mehrhoog, wo es trotz Schranken jetzt zu dem tödlichen Unfall kam.

Foto: dpa/Martin Gerten

In Sachen Bahnunglücke kommt Hamminkeln nicht aus den Schlagzeilen heraus. Betroffen war am Mittwoch der Ortsteil Mehrhoog, wo sich gegen 15.15 Uhr ein schrecklicher Unfall auf der Strecke Emmerich-Oberhausen ereignete. Wie die Polizei nach ersten Erkenntnissen berichtete, war eine Hamminkelnerin (92) mit ihrem Krankenfahrstuhl in Richtung Hamminkeln über die Gleise gefahren und von einem Güterzug erfasst worden. Laut der Mitteilung waren die Schranken zum Unfallzeitpunkt am Bahnübergang geschlossen, auch das Warnlicht blinkte. Ein Verkehrsunfallteam will ermitteln, wie es genau zu dem Unfall kommen konnte. Die Seniorin wurde mit einem in Rettungswagen in eine Klinik gebracht, wo sie am späten Mittwochnachmittag ihren Verletzungen erlag.

Nähere Angaben zum Unfallhergang oder der Identität des Opfers konnte ein Sprecher der Kreispolizei Wesel auch am Donnerstag noch nicht machen. Der Leichnam werde zunächst obduziert. Etwaige Erkenntnisse seien nicht vor nächster Woche zu erwarten sagte der Polizeisprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

Unterdessen macht sich in der von Bahnunglücken gebeutelten Flächenkommune Hamminkeln zum wiederholten Male Betroffenheit breit. Bürgermeister Bernd Romanski sprach von einem äußerst tragischen Unfall. Die große Frage sei, wie die 92-Jährige überhaupt mit ihrem Krankenfahrstuhl zwischen die Schranken habe fahren können. „Wieder Hamminkeln, wieder die Bahn: Das ist echt bitter“, fasste Romanski im Gespräch mit unserer Redaktion seine Gefühlslage zusammen. Vor dem Hintergrund der Unfallserie auf der Strecke Wesel-Bocholt warte er weiter auf einen Zeitplan der Bahn. Bekanntlich geht es um die Entschärfung der auf jener Linie unbeschrankten Bahnübergänge.

Gleichwohl betrachtet Bernd Romanski den schrecklichen Unfall vom Mittwoch auf der beschrankten Querung in Mehrhoog auf der Strecke Emmerich-Oberhausen, die zum Ausbau ansteht (Stichwort Betuwelinie) als einen Beweis für den Satz, „dass jeder Bahnübergang, der gar nicht erst da ist, besser ist“.

Vergleichsweise frisch in Erinnerung ist das gleichfalls tragische Unglück, das sich erst im Juni am Fronleichnamstag ereignet hatte. Auf dem unbeschrankten Bahnübergang Döringer Feld, im Niemandsland zwischen Dingden-Lankern und Bocholt, war eine 78-jährige Autofahrerin aus Bocholt mit dem Regionalexpress zusammengestoßen. Die Frau, die alleine in dem Fahrzeug saß, konnte laut Polizei nur noch tot aus dem Wrack geborgen werden. Der 31-jährige Lokführer erlitt einen Schock. Die 29 Fahrgäste blieben unverletzt.

Auch bei diesem Unglück hatte Romanski entsetzt reagiert und gesagt: „Das ist doch alles nicht mehr wahr. Nicht schon wieder.“ Denn zu dem Zeitpunkt war es auf der schnurgeraden Bahnstrecke zwischen Dingden und Bocholt der dritte tödliche Unfall in etwas mehr als drei Jahren.

Im April 2020 kollidierte an dem unbeschrankten Bahnübergang Lankernbrok in Dingden-Lankern ein mit drei Senioren besetzter Pkw mit einem Zug. Alle Autoinsassen kamen ums Leben. Im Juni 2022 wurde eine 44-jährige Radfahrerin aus Dingden ebenfalls auf dem Bahnübergang Lankernbrok von einem Regionalexpress erfasst und verstarb noch an der Unfallstelle.

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