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Himmel & Erde: 500 Jahre Reformation - was bleibt?

Himmel & Erde : 500 Jahre Reformation - was bleibt?

Viele Kirchen waren überfüllt, bisweilen konnten nur noch Stehplätze angeboten werden. Die Gottesdienste, die in der vergangenen Woche am Reformationstag gefeiert wurden, waren so gut besucht, wie sonst nur noch der Heiligabend. Vom Ende her betrachtet war das Reformationsjubiläum 2017 ein Erfolg. Bei aller Euphorie über das gelungene Finale müssen aber kritische Fragen zu der allgemeinen Jubelrhetorik mancher Kirchenfunktionäre erlaubt sein.

"Luther ist die Pleite des Jahres" titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits vor einigen Monaten. Da war bereits absehbar, dass die mit vielen Millionen Steuergeldern subventionierten Großveranstaltungen der EKD zum Reformationsjubiläum an der Wirklichkeit vieler Menschen vorbeigeplant waren.

Die Abschlussveranstaltung des Evangelischen Kirchentages in Wittenberg und die "Weltausstellung Reformation" blieben mit ihren Besucherzahlen weit hinter den selbst gesteckten Erwartungen zurück. Erfolgreich waren dagegen die vielen kleinen Veranstaltungen und Angebote zum Reformationsjubiläum, die von Kirchengemeinden vor Ort entwickelt und durchgeführt wurden. Thematische Gottesdienste und kirchenmusikalische Veranstaltungen waren ebenso dabei, wie Diskussionsabende und Ausstellungen zu Kernthesen der Reformation. Die evangelische Kirche muss sich jetzt, zum Abschluss der reformatorischen Feierlichkeiten, schnell und ehrlich einer offenen Diskussion über Erfolge und Scheitern des Reformationsjubiläums stellen.

Ob sie tatsächlich den Mut zu einer schonungslosen Debatte hat, wage ich zu bezweifeln. Unbeirrt hält beispielsweise Margot Käßmann, von der EKD als Reformationsbotschafterin eingesetzt, an der Überzeugung fest, das Reformationsjahr sei ein großartiger Erfolg, der nur von den Medien schlechtgeschrieben würde. Friedrich Schorlemmer gehört zu den noch wenigen führenden Protestanten, die öffentlich widersprechen und ihre eigene kritische Meinung zu Gehör bringen. Das Reformationsjahr hat das grundsätzliche Dilemma der evangelischen Kirche auf den Punkt gebracht.

Foto: Malz Ekkehart

Was will sie tatsächlich sein? Eventmanagerin von Großveranstaltungen? Politischer Lautsprecher für alles und jeden? Oder Kirche Jesu Christi, die in ihrer Verkündigung und Seelsorge den Menschen mit ihren Nöten und Fragen nahe ist und dabei die von Martin Luther formulierten reformatorischen Kernthesen in unsere Welt und Sprache neu hineinübersetzt: Sola fide - allein aus Glaube, Sola gratia - allein aus Gnade, Sola scriptura - allein die Bibel, Solus Christus - allein Jesus Christus.

Eine sich so erneuernde und vergewisserte evangelische Kirche braucht vor der Zukunft keine Angst haben.

Thomas

Brödenfeld

(RP)