50 Jahre Dolly Buster – Wesels größter Promi

Gesundheitlich angeschlagen : 50 Jahre Dolly Buster – Wesels größter Promi

Sie ist die deutschlandweit wohl bekannteste Weselerin: Dolly Buster feiert runden Geburtstag. Als Erotikdarstellerin wurde sie berühmt, später malte sie und schrieb Bücher. Jetzt lebt Dolly Buster zurückgezogen und offenbart, dass sie schwer krank ist.

Natürlich hat nie jemand einen ihrer Filme gesehen. Das kann man(n) weder in einer derben Herrenrunde noch an der Kaffeetafel der Schwiegermutter zugeben. Und doch ist der ehemalige Erotikstar Dolly Buster bekannt wie kaum eine zweite Weselerin. Es soll vorgekommen sein, dass die damals noch in Wesel stationierte Bundeswehr-Fahrschule mit ihren Lkw Extrarunden durch Obrighoven drehte in der Hoffnung, dass man einen Blick auf die oft als „Busenwunder“ bezeichnete Buster werfen könnte. Jedenfalls beschäftigte sich die Politik lange mit der Frage, wie man das Verkehrsproblem im Nobel-Stadtteil lösen könnte. Da ist es nun ruhiger ums Geburtstagskind. Am Mittwoch wird Nora Baumberger, so ihr bürgerlicher Name, 50 Jahre alt. Doch eine Party gibt es nicht. Seit zwei Jahren ist sie aus der Öffentlichkeit verschwunden. Denn sie ist gesundheitlich angeschlagen.

„Ich leide seit zwei Jahren an Tinnitus verbunden mit starken Schmerzen. Und es wird immer schlimmer“, sagt Dolly Buster. Das sei der Grund, warum sie seit Jahren jeden Stress meide, alle Anfragen und Einladungen absage, nicht mehr male und nicht mehr schreibe. „Aus dem Nichts bekomme ich ein solches Geräusch im Ohr – das sind fürchterliche Zustände. Da könnte man ausrasten.“ Deswegen werde sie auch ihren runden Geburtstag nicht feiern: „Das traue ich mir nicht zu. Ich weiß nicht, wie es mir an dem Tag gehen wird, und ich möchte meinen Gästen nicht die Party versauen.“ Stattdessen werde sie in wärmere Gefilde verreisen.

Dolly Buster heute in ihrem Wohnzimmer. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Vor einigen Monaten war sie sogar in der deutschen Betty-Ford-Klinik in Bad Brückenau, weil die ständige Einnahme von Schmerzmitteln eine Abhängigkeit bei ihr erzeugt habe. „Das war super“, sagt sie – aber die Ursache für ihre Beschwerden habe man dort auch nicht gefunden. Tinnitus, das Dauergeräusch im Ohr, sei eine teuflische Krankheit. „Die Frequenz ändert sich ständig bei mir, das ist ganz übel, da kann ich mich auch nicht dran gewöhnen. Ich habe Leute gesehen, die haben sich deswegen vom Dach geschmissen.“

Sie hat auch eigene Bücher geschrieben. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Schauspielerin, Autorin, TV-Prominente, Malerin: Buster war immer ein Tausendsassa, eine Macherin, die ihre vielen Ideen auch umsetzte. Aber das könne sie nicht mehr. „Ich habe auch keinen Schimmer Hoffnung mehr, dass es noch mal besser wird. Ich muss realistisch sein. Es wird immer schlimmer.“ Nach wie vor sind aber zwei Restaurants in Düsseldorf und Frankfurt („Buster Pasta“) nach ihr benannt. Dort sei sie auch hin und wieder, habe in Düsseldorf einen Stammplatz.

Mit Renzo de March im Düsseldorfer Buster Pasta. Foto: Endermann, Andreas (end)

Bundesweit bekannt wurde Dolly Buster als Darstellerin in Dutzenden Porno-Filmen, was sie bis heute nicht bereut. „Ich würde alles in meinem Leben genauso wieder machen. Ich habe nichts zu bedauern“, sagt sie. Bei wichtigen Entscheidungen habe ihr Bauchgefühl nie getrogen. Geboren wurde Dolly Buster in Prag. Im Alter von 14 Jahren kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihr erster Job war beim Bundesgrenzschutz: „Ich war nachts Notfall-Dolmetscherin am Frankfurter Flughafen für Russisch, Tschechisch und Polnisch. Ich bekam 60 Mark pro Stunde. Das war damals ein super Stundenlohn für eine 16-Jährige“, sagt sie.

1989 lernte sie Pornoproduzent Dino Baumberger kennen, den sie 1997 heiratete. Ein Jahr zuvor hatte sie ihre Karriere als Darstellerin beendet und war hinter die Kamera gewechselt. Dann tauchte sie in TV-Formaten wie „Peep!“, „Liebe Sünde“ und „Wahre Liebe“ auf. Sie war kurz im RTL-Dschungelcamp und kandidierte 2004 sogar für das Europaparlament.

Für lokalpolitisches Aufsehen sorgte sie, als die Namen von Nora und Dino Baumberger 2009 bei der Kommunalwahl auf der Kandidatenliste der UWW auftauchte. In Obrighoven im Wahlkreis 21 hätte Dolly Buster mit Gisela Stelzer (CDU), Ute Amberge (SPD), Werner Sondermann (Grüne), Ulrich Mölders (FDP) und Leif Wolters (Linke) um den Einzug in den Weseler Stadtrat gerungen. Hätte, denn sie war unwissentlich aufgestellt worden, und erteilte der mittlerweile verschwundenen Mini-Partei eine Abfuhr. Ein Denkmal ist ihr noch nicht gesetzt, aber es gibt einen Dolly-Esel.

Seit fast 30 Jahren wohnt sie in Wesel. „Der nächste Baum hier an meinem Zaun ist schon Naturschutzgebiet“, sagt sie. Eigentlich sei sie ja ein Großstadtmensch. „Ich kannte den Düsseldorfer Flughafen jahrelang besser als meine Wohnstraße in Wesel.“ Inzwischen sei sie aber froh, so ruhig in der Natur zu wohnen. Für die Zukunft habe sie nur einen großen Wunsch: Gesund zu werden. „Das wünsche ich mir so sehr, dass dieser Spuk vorbei ist und ich wieder normal am Leben teilnehmen kann.“

(dpa/fws)
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