Wesel: 140 Flusskilometer unter Segeln zum Ziel

Wesel : 140 Flusskilometer unter Segeln zum Ziel

75 Teilnehmer steuerten bei der 96. Rheinwoche von Köln-Porz aus das Ziel in Wesel an - nach zwei harten Tagen mit insgesamt vier Etappen. Seit 1922 wird die Regatta ausgetragen. Die WSK-Crew wurde Dritter nach berechneter Zeit.

Auf dem Pfeiler der alten Eisenbahnbrücke stehen sie - die Zeitnehmer der Regatta Rheinwoche von Duisburg nach Wesel, ausgerüstet mit Papier, Stift und Fernrohr. Zwei harte Tage mit insgesamt vier Etappen liegen hinter den 75 Teilnehmern, die sich Hoffnungen auf gute Platzierungen machen. Eine blaue Fahne am Plattformgeländer markiert das genaue Ziel. Zwischen einem Polizeiboot und der MS Eureka, die auch Übernachtungsquartier für die Segler war, kommt schon bald mit einigem Vorsprung das erste Boot in Sicht.

Akribisch und konzentriert halten die Zeitnehmer die Bootsnummer und die Ankunftszeit fest. Ob es die Regatta wirklich gewonnen hat, weiß der Vorsitzende der Yachtabteilung der Ruder- und Tennisgesellschaft Wesel (RTGW), Egbert Neukäter, noch nicht. "Die Ergebnisse werden hier nur notiert und dann in den Rechner eingespeist. Wegen der verschiedenen Bootsklassen wissen wir erst am Abend das Ergebnis", erläutert Neukäter. Kurze Zeit später wird es für Manfred Schlesinger, Pia Ziegler und Egbert Neukäter richtig stressig: Zahlreiche Boote auf einmal liefern sich einen Endspurt um die Plätze.

Seit 1922 wird die Regatta ausgetragen, unterbrochen nur in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Eine echte Traditionsveranstaltung also, die Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden in Angriff genommen haben. "Für 2019 ist geplant, die Fahrt von Düsseldorf nach Arnheim stattfinden zu lassen", blickt Neukäter voraus, dessen RTGW mit dem Yacht-Club Wesel (YCW) in diesem Jahr als Ausrichter der Regatta fungiert.

Währenddessen sind die ersten Boote schon im Weseler Sporthafen eingetroffen. Das Boot "Flying Vattis" hat bereits festgemacht und die beiden Besatzungsmitglieder Martin Weber und Markus Kaschuber stärken sich mit einem Kölsch. Für die beiden war gleich die erste Etappe ein Heimspiel: In Köln-Porz startete dieses Jahr das Ereignis. "Letztes Jahr waren wir zum ersten Mal dabei", erzählt Weber. "Und nach zehn Metern wussten wir, dass es nicht das letzte Mal sein würde." Große Hoffnungen auf eine Top-Platzierung machen sich die beiden nicht, ganz im Gegensatz zu Karsten Idel und Frank Suchanek, die gegenüber den Kölnern angelegt haben. "In unserer Bootsklasse haben wir wohl gewonnen", gibt sich Suchanek siegessicher. Kein Wunder: Die beiden haben viel Erfahrung bei dieser Regatta. Fünfmal war Suchanek schon dabei, und Idel ist bereits als Student bei der Rheinwoche mitgesegelt. Außerdem sind die beiden nicht allein: Barbara Nowak, die Lebensgefährtin von Karsten Idel, bildet als "ausgebildetes Segelschnucki" die Versorgungs- und Übernachtungsabteilung des Segelteams. "Wir waren vorigen Jahr richtig neidisch auf die gute Versorgung der beiden", sagt Manfred Kaschuber. Aber die beiden Teams aus Köln und Krefeld sind befreundet, so dass Nowak diesmal auch die Versorgung der "Flying Vattis" übernommen hat.

Gut 140 Kilometer liegen hinter den Booten. "Die Bedingungen waren sehr gut, aber nicht einfach", erzählt Navigator Frank Suchanek. "Bei diesen wechselnden Winden ist Erfahrung gefragt. Es kommt darauf an, möglichst wenig Fehler zu machen", ergänzt Karsten Idel, der im wirklichen Leben als Heilpraktiker sein Geld verdient.

Beste heimische Crew waren Ralf Teichmann, Jos Vaes und Henning Rehe für die Weseler Seglerkameradschaft (WSK) mit dem dritten Platz der Gesamtwertung nach berechneter Zeit.

(cbr/fws)
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