100 Tage Ozeanien: Weseler York Hovest porträtiert die Helden der Meere

York Hovest mit Foto-Vortrag im Scala : Weseler will die Ozeane retten

„Wenn das Meer stirbt, stirbt auch der Mensch“: Weltenbummler York Hovest wirbt am Donnerstag im Scala für die Rettung unserer Wasserwelt.

Er ist in Wesel aufgewachsen, seine Mission aber ist eine weltweite: Fotograf York Hovest hat 100 Tage auf hoher See verbracht – mit dem einem großen Ziel vor Augen: Er wollte sie finden, die Helden der Meere. Jetzt kommt er zurück und erzählt im Weseler Kulturspielhaus Scala vom Zustand der Weltmeere.

Was treibt ihn an? Hovest (40) sagt: „Es ist ein Gefühl von mir. Wie eine Intuition. So, als ob ich einen inneren Drang hatte, nicht mehr länger zuzusehen und endlich tätig zu werden.“ Der gebürtige Niederrheiner lebt heute in München und hat eine bewegte Vita. Er hat eine Ausbildung zum Energieanlagen-Elektroniker gemacht, gewann als 18-Jähriger einen Model-Wettbewerb im Dinslakener Glaspalast, kam danach auf den Laufstegen der Welt herum. 2007 entdeckte er die Fotografie, wurde Werbefotograf. Heute ist der Umweltschutz sein Fokus. Er bereist die Welt und fotografiert Landschaften und Leute. Unter anderem war er schon in Asien sowie Südamerika und hat indigene Völker und Mönche fotografiert. Seine Reiseimpressionen von verschiedenen Kulturen sowie dem Leben der bedrohten Völker hält er mit seiner Kamera fest. Jetzt geht es um die Meere. In seinem neuen Projekt „100 Tage Ozeanien“, das per Crowdfunding finanziert wurde, widmet er sich den Helden der Meere. „Das Projekt zeigt unsere Ozeane mit all ihrer Schönheit, ihrer Faszination und Kraft. Aber auch ihren immensen Problemen, denen wir uns dringend stellen müssen. Wenn das Meer stirbt, stirbt auch der Mensch“, sagt der 40-Jährige, dessen Vater am Niederrhein als Fraktionschef der Weseler SPD bekannt ist.

York Hovest als Taucher vor der Küste Westafrikas. Foto: York Hovest

Wissenschaftler, Visionäre und Vordenker: York Hovest hat die unterschiedlichsten Helden der Meere begleitet – in der Hoffnung, Lösungen zusammenzutragen, die eine Veränderung ermöglichen können.

Die ersten Vorbereitungen starteten bereits im Jahr 2017. 13 Monaten lang reiste Hovest dann auf den verschiedensten Expeditionen um die Erde. Noch ist das Projekt nicht beendet. Geplant ist noch eine weitere Reise nach Samoa, die voraussichtlich den Abschluss seiner Expeditionen bilden wird. In seinen insgesamt acht Forschungsreisen dokumentiert er die weltweite Plastikverschmutzung und wie sehr diese unsere Meere verseucht. Außerdem zeigt er mit seinen Fotos und Videos zerstörte Ökosysteme und die Risiken einer Überfischung. „Viel wichtiger aber sind jene bewegenden Momente, in denen ich Zeuge globaler Lösungen für all diese Probleme wurde. Das sind Heldentaten in diesem Projekt ,Heroes of the Sea’.“ Sein Ziel ist es, insbesondere ein neues Bewusstsein für eine bessere Welt zu schaffen.

Mit Unterwasserkamera aufgenommen: Fisch im Netz. Foto: York Hovest

Hovest sagt, er sei ein „investigativer Fotograf“. So schreibt er es auch auf seiner Internetseite. Nicht nur in einem Buchprojekt soll seine Arbeit münden, sondern auch in einer Videodokumentation. Klimawandel und Verschmutzung sind nach dem Stand der Forschung die zwei gravierendsten Faktoren, die Auswirkungen auf das Leben im Wasser haben.

Müll der Zivilisation: Flip-Flops von Chanel. Foto: York Hovest

Hovest denkt an weitere Projekte: „Mein Weg wird mich überall dorthin führen, wo sich der Fußabdruck unserer modernen Welt wiederfinden lässt, aber vor allem auch dorthin, wo bereits ein Umdenken begonnen hat und die Menschen den Weg zur Rettung unserer Ozeane bereits eingeschlagen haben. Denn was wir brauchen, sind Lösungen. Solche, die für uns alle greifbar sind.“

Solch ein globales Filmprojekt ist sehr kostspielig. Hovests Begeisterung, dass so viele Menschen sich für sein Projekt interessieren und schließlich seine Idee über Crowdfunding finanziert werden konnte, ist groß. Von Kameraleuten, Tauchern, der Regie, der Cutterin, der Sprechtrainerin bis hin zu der Komponistin haben viele ehrenamtlich an dem Projekt mitgewirkt. Hovests Ziel ist es, außerdem viel mehr Menschen zu animieren, die Umwelt zu schützen: „Jeder soll das tun, was er für sein ganz persönliches Maß an Erforderlichkeiten umsetzen kann und vielleicht auch muss. Ich habe auf der ganzen Welt keinen einzigen Menschen getroffen, dem die Ozeane gleichgültig sind. Es ist Zeit, dass jeder von uns dies von sich preisgibt. Das ist der erste Schritt zu einer weltweiten Bewegung.“

Eine weitere Herzensangelegenheit für den Weltenbummler, die Möglichkeiten zu vereinfachen, dass jeder zum Retter der Meere werden kann. Deshalb wird in der weiteren Entwicklung des Projektes eine digitale Datenbank entstehen, auf der alle Aktivitäten zum Schutz und Erhalt des marinen Ökosystems gebündelt dargestellt werden.

„Stellen Sie sich vor, es gäbe eine vereinte Interessengemeinschaft, die das Ziel der Rettung der Meere in sich trägt. Eine Datenbank im Internet, deren Inhalt, Navigation und Handhabung einen visuellen Globus zum Erlernen und zum direkten Handeln darstellen.“

In Wesel hofft er auf neue Mitstreiter zu treffen. Die nächsten Aufgaben stehen an – die Mission Meeresrettung geht weiter.