Wermelskirchen: Zehn Jahre Landarzt aus Berufung

Wermelskirchen: Zehn Jahre Landarzt aus Berufung

2005 hat Dr. Hans Christian Meyer die Arztpraxis in Dhünn übernommen. Die Patienten sind ihm ans Herz gewachsen.

Zehn Jahre ist es her, da wurde in Dhünn händeringend ein Dorfarzt gesucht. "Der Ansatz war damals, erst einmal nur den Leuten aus der Bredouille zu helfen. Daraus hat sich dann etwas Tolles entwickelt", sagt Dr. Hans Christian Meyer erfreut. Und auch die Dhünner sind froh, noch einen Arzt im Dorf zu haben. Denn nicht jeder kann den Weg nach Wermelskirchen auf sich nehmen. Außerdem schätzen die Patienten die ruhige Art des Arztes und die entspannte Atmosphäre in der Praxis.

Zu den langjährigen Patienten in der Dhünner Praxis gehört die gebürtige Hückeswagenerin Margret Dubowy. Sie kommt seit mehr als acht Jahren zur Behandlung zu Dr. Meyer. Der Grund dafür war damals die Chiropraktik, eine besondere Art der Rückenbehandlung. Seitdem kommt Dubowy regelmäßig in die Praxis im Dorf - und das, obwohl sie überhaupt nicht in Dhünn wohnt. "Hier ist es etwas geruhsamer und nicht so hektisch. Ich komme gern her", erzählt die in Tente wohnende Dubowy.

Neben der fachlichen Kompetenz schätzt sie auch die Menschlichkeit des Arztes. "Egal, wie viel Arbeit er hat, ein kleines Gespräch ist immer drin. Ich würde sagen, er ist Arzt aus Berufung", sagt Margret Dubowy. Dem kann auch der gebürtige Dhünner Siegfried Siebel nur zustimmen. "Ich bin sehr zufrieden mit unserem Dorfarzt. Es ist gut, dass er damals nach Dhünn gekommen ist", meint Siebel, der nur wenige Minuten zu Fuß zur Praxis braucht. So könne man bei Kleinigkeiten mal eben vorbeikommen, statt extra bis in die Stadt nach Wermelskirchen fahren zu müssen. "Wir haben großes Glück, hier in Dhünn noch einen Arzt zu haben", betont Siebel.

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Denn der Trend geht genau entgegengesetzt - weg vom Land, rein in die Stadt. Dr. Meyer hat die Dorfpraxis aber schätzen gelernt. "Wenn man über Habenichts fährt, landet man direkt in einer ganz anderen Welt. Die Dhünnschen sind noch ein anderer Schlag", sagt er schmunzelnd. Er würde zwar nicht mehr in Naturalien bezahlt, kleine Besonderheiten gebe es aber schon. "Zu Weihnachten hat eine Patientin dem ganzen Team und mir handgestrickte Socken geschenkt. Die habe ich jetzt immer bei der Arbeit an", erzählt Dr. Meyer.

Neben den normalen Untersuchungen in der Praxis bietet der Landarzt auch Hausbesuche an. Manche seiner Patienten seien nicht mobil genug, um in die Praxis zu kommen. "Besonders die Menschen in den Hofschaften können es nicht immer schaffen. Da fahre ich natürlich gerne persönlich vorbei", erzählt Dr. Meyer. Außerdem gibt es seit einiger Zeit den Rezeptannahmepunkt, der sich bei den Patienten großer Beliebtheit erfreut. "Es ist schon sehr praktisch, wenn man vom Arzt kommt und das Rezept direkt abgeben kann", sagt Angelika Hülsenbeck, die am Dhünner Freibad wohnt. "Der Lieferdienst bringt die Medikamente dann meist noch am selben Tag vorbei. Wenn das mal kein Service ist", berichtet Hülsenbeck.

Da Dr. Meyer die Praxis inzwischen alleine, ohne seine Schwester, führt, hat sie nur noch dreimal in der Woche mittags geöffnet. Die restliche Zeit ist der Arzt in seiner Praxis an der Berliner Straße. Ein Ziel sei es aber auf jeden Fall, diese Zeiten in Zukunft wieder auszuweiten. "Vielleicht kann ich mittelfristig einen Kollegen für die Praxis gewinnen, so dass wir wieder einen normalen Praxisbetrieb gewährleisten können", hofft Dr. Meyer. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. "Das langfristige Fortbestehen der Praxis ist gesichert", verspricht Dr. Meyer.

(kron)