Wermelskirchen: "Zahnlose Königin" thront in Stadtkirche

Wermelskirchen : "Zahnlose Königin" thront in Stadtkirche

Orgelbauer Stephan Oppel startet den ersten Bauabschnitt der Orgel- sanierung in der Evangelischen Stadtkirche. Rund 2000 Pfeifen lagern fürs erste auf der Empore der Kirche.

Das große Projekt hat begonnen: Hoch über den Bänken der Stadtkirche thront die "zahnlose Königin", wie Kantor Andreas Pumpa die stolze Orgel nennt. Orgelbauer Stephan Oppel hat ihr in der vergangenen Woche die Zähne gezogen. Zwischen 1500 und 2000 Pfeifen liegen und stehen nun in bester Ordnung auf der Empore. Ganz kleine Exemplare ebenso wie die großen. Holzpfeifen ebenso wie diejenigen aus Metall. Stücke, für die einst Patenschaften übernommen wurden und die mit einem kleinen Namensschild versehen sind.

Die Orgelsanierung ist sichtbar geworden. Und sie hat ungewohnte Einsichten frei gelegt. Denn seit die Experten aus Schmallenberg das Pfeifenwerk ausgebaut haben, ist der Blick auf die Elektronik und viele sonst verborgene Orgelteile frei. Genau diese gilt es nun, unter die Lupe zu nehmen: Was muss erneuert werden? Wo sind Reparaturen notwendig? "Bisher haben wir nur die Folgen der Schäden gemerkt", sagt Pumpa. Register ließen sich nicht ausschalten, Pfeifen quietschten. "Wir ahnen also, wo die Probleme liegen", sagt er, "aber erst jetzt werden wir die Schäden in ihrem tatsächlichen Umfang beurteilen können."

Schon beim Ausbau sind erste Schäden sichtbar geworden: Viele Pfeifenfüße sind eingedellt. Die Pedaltürme, die rechts und links der historischen Orgel stehen, wurden damals falsch konstruiert, so dass eine Wartung gar nicht möglich war. Und auch die Motoren werden nun genauestens unter die Lupe genommen. Schließlich hatte die defekte Elektronik im vergangenen Jahr dazu geführt, dass die Orgel früher still gelegt werden musste.

Kantor Andreas Pumpa nimmt die rund 2000 Orgelpfeifen unter die Lupe, die vorübergehend auf der Empore lagern. Foto: Theresa Demski

Gleichzeitig beginnt der Orgelbauer in diesen Tagen mit einer spannenden Schreibtischarbeit: Er konstruiert das neue Instrument. Das soll sich nämlich aus dem alten historischen Teil ebenso wie aus der Willi-Peter-Orgel der 60er Jahre und dem englischen Instrument, das die Wermelskirchener im vergangenen Jahr in die Stadt holten, zusammensetzen. "Die Pfeifenzahl wird sich verdoppeln", sagt Pumpa. Der Platz dafür ist zwischen den bisherigen Pfeifen sichtbar vorhanden. Außerdem wird das alte Instrument einen ganzen Meter nach vorne gezogen. Optisch, aber auch musikalisch, soll es ein gutes Zusammenspiel werden. "Wir wollen den Charakter unserer alten Orgel natürlich bewahren", sagt Pumpa. Aber das neue Instrument soll musikalisch herausstechen. Das neue Spielpult wird künftig nicht mehr auf der Empore, sondern verschiebbar unten stehen. "Damit wird auch der Kantor sichtbarer Teil der Gemeinde", sagt Pumpa, "und es wird möglich, auch als Organist einen Chor zu begleiten."Die beiden Orgeln werden einzeln, aber auch gemeinsam spielbar sein. "Es gibt bereits Anmeldungen von Organisten, die auf der neuen Orgel spielen wollen", sagt Pumpa.

Bis dahin allerdings liegt noch ein arbeitsreicher und auch langer Weg vor dem Orgelbauer, dem Kantor, den Sachverständigen und der Gemeinde. Rund ein Jahr haben die Experten für Sanierung und Zusammenführung der Orgeln kalkuliert. Wenn die Pläne Ende des Monats stehen, sollen sie besprochen werden, der Denkmalschutz wird einbezogen und erst dann beginnt der nächste Bauabschnitt. Zusammenführung und Sanierung greifen dann Hand in Hand. Viele Einzelteile werden zu Experten geschickt, mehrere Gewerke beteiligen sich an der Sanierung. Und das komplette Gehäuse wird abgebaut. Jede einzelne Pfeife nehmen die Experten unter die Lupe und stimmen sie. "Keine wird weggeschmissen", sagt Pumpa. Vielmehr bekomme jetzt jede Pfeife einen Platz, an dem sie besonders wirkungsvoll zum Einsatz kommt.

(RP)
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