Wupsi-Betriebsrat fordert dringend Bus-Klimaanlagen.

Klimatisierung bei der Wupsi : Bis 74 Grad hinter der Bus-Frontscheibe

Leverkusener Rat stimmte Klimaanlagen in neuen Wupsi-Bussen zu – der Rat im Rheinisch-Bergischen Kreis noch nicht.

Das Szenario im Bus ähnelt sich dieser Tage oft: Ein Fahrgast kommt zum Fahrer und bittet ihn, bei der Hitze doch die Klimaanlage anzuschalten. Der Busfahrer muss verneinen, denn in den Fahrzeugen der Wupsi gibt es keine Klimaanlagen. Und ob die 16 neuen Wupsi-Busse, die bereits bestellt sind, damit ausgestattet werden, steht noch in den Sternen. „Die Zustimmung des Rheinisch-Bergischen Kreises dazu steht noch aus“, sagt Harald Breutling, Betriebsratsvorsitzender bei der Wupsi. „Der Stadtrat in Leverkusen hatte im Dezember zugestimmt, dass Neuanschaffungen mit Klimaanlangen ausgestattet werden sollen. Der Kreis als zweiter Eigentümer der Wupsi sollte im Februar darüber entscheiden, das wurde aber in den Juni vertagt, von dort in den September.“

Die Hoffnung, 2019 mit einigen klimatisierten Bussen fahren zu können, ist derzeit bei Breutling und seinem Kollegen Axel Teuner vom Betriebsrat der HBB, einem Tochterunternehmen der Wupsi, nicht groß. „Klimaanlagen in unseren Bussen sind seit zehn Jahren Thema“, sagen die beiden Männer. Im vergangenen Sommer hat der Gesamtbetriebsrat der Wupsi die politischen Fraktionen auf das Problem hingewiesen.

Teuner räumt mit dem Irrglauben auf, dass Klimaanlagen nur bei großer Hitze nützlich sind. „Sie würden uns auch in feuchten Sommern helfen, wenn die Fahrgäste mit vielen nassen Regenschirmen einsteigen, die Luftfeuchtigkeit raus- und die Scheiben wieder freizubekommen.“

14.000 Euro kostet die Anschaffung einer solchen Anlage pro Bus, rund 2400 Euro deren Betrieb pro Jahr. „Wenn wir den Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen wollen, und so sehen es Mobilitätskonzepte vor, dann ist eine Klimaanlage im Bus ein unabdingbarer Qualitätsstandard“, betont Breutling.

Axel Teuner skizziert ein Beispiel aus seiner Schicht von einem Hitzetag: „Die Außentemperatur war 38 Grad, im Inneren des Busses waren es locker 45 Grad.“ Laut Veröffentlichungen der Berufsgenossenschaft Verkehr lassen sich bei intensiver Sonneneinstrahlung hinter den Front- und Seitenscheiben bis zu 74 Grad messen. „Wir haben dann schon die Fenster und Dachluken offen, Ventilatoren und Lüftung an, viele Fahrer haben auch ein Handtuch auf dem Sitz, um den Schweiß aufzufangen. Mit einem einzigen T-Shirt in einer Schicht kommt da kein Fahrer aus“, erzählt Teuner.

Und wenn alles an und auf ist, was derzeit zur Kühlung des Busses möglich sei, „haben wir aber auch eine enorme Geräuschkulisse.“ Da sieben, acht, neun Stunden, die die Fahrer hinter dem Steuer sitzen, die Konzentration zu behalten, sei schwierig. Einige Kollegen hätten während der Schicht abgelöst werden müssen, weil sie wegen der Hitze nicht mehr konnten. „Wir können aber nur ablösen“, betont Harald Breutling, „wenn wir auch Ersatzleute haben. Sonst muss es auch mal Ausfälle geben, bevor der Busfahrer zum Beispiel einen Kreislaufkollaps erleidet und die Fahrgäste gefährdet sind.“

Die Wasserspender an den beiden Busbahnhöfen und einigen anderen Haltestellen in Levekusen finanziert laut den beiden Betriebsräten die Belegschaft selbst, nicht das Unternehmen. „Aber manche Fahrer haben an diesen Haltestellen gar keine Pause, um die Wasserflaschen aufzufüllen“, sagt Breutling.

Er und Teuner weisen auch auf noch etwas hin: „Ältere und Menschen mit Atemwegsproblemen können derzeit nicht mit unseren Bussen fahren, weil es drinnen zu heiß ist. Sie können so in gewisser Weise nicht richtig am Leben teilnehmen“, merken sie an.

Der Appell der beiden Betriebsräte in Richtung Rheinisch-Bergischer Kreis: „Bei Klimaanlagen in Wupsi-Bussen besteht dringend Handlungsbedarf.“