Wollkreis im Heisterbusch strickt für einen guten Zweck.

Wermelskirchen: Masche um Masche für Menschen in Not

Der Wollkreis im Heisterbusch hat das ganze Jahr über gestrickt – für den guten Zweck. Rund 700 Euro übergeben die fleißigen Handarbeiterinnen nun an das Bergische Kinder- und Jugendhospiz.

Manchmal ruft ein älterer Herr bei Andrea Sax an und fragt nach einem paar warmer, selbst gestrickter Wollsocken. Dann weiß die Wermelskirchener schon Bescheid: schwarze Wolle, rechte und dann linke Maschen und einen langen, kuscheligen Schaft. Den Wunsch des Kunden am Telefon nimmt Andrea Sax dann freitagsvormittags mit in den Wollkreis. Und hier machen sich flinke Hände mit Stricknadeln dann gleich an die Arbeit – um Wünsche zu erfüllen. Dazu dampfen große Becher mit Kaffee, Kuchen und Kekse stehen auf den Tischen und Zeit für ein schönes Gespräch bleibt auch.Seit drei Jahren treffen sich die Frauen und zuweilen auch Männer im Wollkreis im Gemeindehaus Heisterbusch. „Wir sind eine richtig schöne Truppe“, sagt Andrea Sax. Jeder bringe seine Talente und sein Interessen für Wolle, Garne, Häkel- oder Stricknadeln mit. Und jeder bringt sich ein – für den guten Zweck. Denn die vielen Paar Socken, die Jäckchen, Kissen und Handschuhe werden im Wollkreis nicht für den eigenen Kleiderschrank oder den der Kinder gestrickt, sondern für Menschen in Not – zumindest indirekt.

Denn die fleißigen Handarbeiterinnen verkaufen ihre schmucken Unikate auf Basaren und an Kunden, die sich per Telefon melden und sammeln den Erlös. Rund 700 Euro hat der Wollkreis auf diesem Weg in diesem Jahr gesammelt. Und diese Summe überreichen sie nun an das Bergische Kinder- und Jugendhospiz Burgholz in Wuppertal.

„Wir wissen, dass unsere Spende dort Kindern und Familien hilft, die Hilfe brauchen“, sagt Nina Markiewicz. Immer dann, wenn die Krankenkassen Übernachtungen für Eltern nicht mehr bezahlen, wenn Aktivitäten und Aktionen finanziell nicht gedeckt sind, dann setze die Stiftung des Kinderhospizes auf Spendengelder.

„So viel Geld wie in diesem Jahr haben wir noch nie gesammelt“, sagt Andrea Sax. Und das liege eben auch daran, dass sich das Angebot der fleißigen Hände rumgesprochen hat. Es gibt immer mehr Auftragsarbeiten, die die Frauen und Männer gerne erledigen. „Und nebenbei lernen wir selber immer dazu“, sagt Kirsten Robl. Besondere Maschen, anspruchsvolle Muster und der Blick über den eigenen Tellerrand: Im Wollkreis kommen die Teilnehmer ins Gespräch, tauschen sich aus, stricken und häkeln Masche für Masche.

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„Als damals die Flüchtlinge in die Notunterkunft nach Dabringhausen kamen, entdeckten wir Kinder, die im Winter Flipflops an den Füßen trugen“, erzählt Andrea Sax. Also fragte sie, wer Socken stricken könne – und viele machten mit. Unzählige Paare gab der frisch gegründete Wollkreis beim Deutschen Rot Kreuz ab, deren Mitarbeiter sich über die warme Spende für die Flüchtlinge freuten. „Eigentlich hatten wir im Sinn, die Flüchtlingsfrauen zum Stricken einzuladen“, erzählt Andrea Sax, „aber der Termin am Morgen wurde nicht gut angenommen.“

Der Wollkreis strickte trotzdem weiter, nahm Kontakt zur Tafel auf, begann die fertigen Schmuckstücke gegen eine Spende abzugeben und den Erlös für die Weihnachtspakete der Tafel zu spenden. Weihnachtspakete für die Tafel füllen die Handarbeiterinnen in diesem Jahr privat, den Erlös wollen sie sterbenden Kindern und ihren Familien spenden.

Feste Preise für ihre Wollkunstwerke haben sie nicht. Kunden entscheiden selbst, wie viel sie geben. Bis Weihnachten stellt die Gruppe ihre Werke jeden Freitag von 9 bis 11.30 Uhr im Gemeindehaus im Heisterbusch aus – wer mag, kann vorbeikommen und einkaufen. „Und wir freuen uns auch über jeden, der mitstricken will“, sagt Nina Markiewicz.

Und wer Stricken oder Häkeln lernen möchte, ist ebenso jeden Freitag im fleißigen Wollkreis willkommen. Die „Profis“ zeigen genau, wie es geht.

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