Wermelskirchen: Wolfgang Bosbach ist der klare Favorit

Wermelskirchen : Wolfgang Bosbach ist der klare Favorit

Der Christdemokrat tritt zum sechsten Mal an. Alles andere als ein Sieg wäre eine Sensation. Aber: Wird er mehr als 50 Prozent wie 2009 holen? Die Mitbewerber sind eher Zählkandidaten und haben keine Chance.

Schon bevor am Sonntag um 18 Uhr die Wahllokale im Rheinisch-Bergischen Kreis schließen, dürfte der Wahlsieger in diesem eher konservativ wählenden Landkreis feststehen: Wolfgang Bosbach (CDU) wird zum sechsten Mal in den Bundestag einziehen. Alles andere wäre eine Sensation. Und damit ist eigentlich in diesem Wahlkreis am 22. September nicht zu rechnen. Bleibt lediglich die Frage: Zieht Bosbach weiterhin die Wähler? Eine Wahlprognose von "election.de" im Auftrag unserer Zeitung sah ihn vor zwei Wochen bei 54 Prozent — vier Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren.

Michael Zalfen (SPD). Foto: Privat

Bosbach, und das unterscheidet ihn von seinen Mitbewerbern um den Direkteinzug ins Parlament, ist seit 1994 kreisweit präsent. Sicherlich im Südkreis mehr als im Norden. Doch auch hier ist er gern und häufig, stellt sich den Bürgern — wenn er Zeit hat und nicht gerade für seine Regierungspartei in Fernsehtalkrunden Rede und Antwort stehen muss. Sympathisch und seriös, gefestigt auf einem christlichen Wertefundament — so kennen die Rheinisch-Bergischen den 61-Jährigen.

Dieses Wählervertrauen müssen die übrigen Kandidaten noch erwerben. Wohlwissend, dass sie ihr Wählerklientel gewiss haben. Im doch eher bürgerlichen Wermelskirchen ist aber der direkte Gegenkandidat Michael Zalfen (SPD) eher selten aufgetreten. Seine Partei hat ihn — wie auch seine Vorgänger — erst zeitnah zur Wahl aufgestellt. Ein Fehler, den die Parteien ständig wiederholen. Und für die Kandidaten ist es daher viel zu kurz, um hier persönlich zu überzeugen. Denn um in einem Wahlkampf, der letztlich erst nach den Sommerferien beginnt, zu überzeugen, bedarf es mehr als nur Wahlplakate. Der Bergisch Gladbacher Kommunalpolitiker dürfte in der Kreisstadt sicher ebenso bekannt sein wie Bosbach — in der größten Nordkreis-Stadt dürfte es schwer für ihn werden.

Aber nicht nur er, auch Dr. Peter Ludemann (FDP), Maik Außendorf (Grüne) und Grischa Bischoff (Die Linke) wirkten im Wahlkampf eher recht farblos. Die reichliche Plakatierung in den Wermelskirchener Straßen reicht da für ein gutes Ergebnis sicher nicht aus.

Ungewöhnlich für Wermelskirchen ist sicher auch, dass die WNKUWG öffentlich für Bosbach plakatiert. "Wir unterstützen ihn als Menschen und als guten Vertreter des Wahlkreises in Berlin", sagt Henning Rehse (WNKUWG). Nicht aber die Partei.

Das große Rätsel aber geben die Nichtwähler auf. Ein Viertel der Wahlberechtigten nutzte 2009 in Wermelskirchen ihr demokratisches Mitbeteiligungsrecht nicht. Friedel Burghoff (Büfo) sagte deshalb gestern im BM-Gespräch: "Wir geben keine Kandidaten-Empfehlung ab. Aber ich appellierte an alle Bürger, dringend zur Wahlurne zu gehen und von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen."

(RP)
Mehr von RP ONLINE