Wermelskirchen: Wo der Kaiser auf die Passanten blickt

Wermelskirchen: Wo der Kaiser auf die Passanten blickt

20 Interessierte machen sich mit Stadtführer Axel Heumann auf eine interessante Tour zwischen Stadtkirche und Busbahnhof. An Carl-Leverkus-, Berliner oder Thomas-Mann-Straße zeugen zahlreiche Spuren von Stadtgeschichte.

Nicht nur in der Innenstadt in Richtung Eich und Schwanen gibt es viel zu entdecken: Zwischen Markt, Stadtkirche und Busbahnhof liegen viele historische Wurzeln Wermelskirchens. Das belegte eindrucksvoll eine Führung von Stadtführer Axel Heumann, der zur Interessengemeinschaft der Wermelskirchener Stadtführer gehört. 20 Interessierte machten sich mit dem 62-Jährigen auf den Weg und bekamen viele Informationen - auch über Entwicklungen, von denen heute nichts mehr sichtbar ist. So befand sich an der Carl-Leverkus-Straße, einst Kohlgasse genannt, wo heutzutage eine Litfaßsäule steht, die erste Katholische Kirche nebst Pastorat in Wermelskirchen. Nur wenige Meter weiter parken heute Autos, wo einmal das Rathaus stand.

Am Markt bilden neben der Stadtkirche die Gebäude des Restaurants Bergischer Löwe und des Café Wild prägende Blickfänge. Das Wild-Haus, wie wir es aktuell kennen, wurde 1892 errichtet. Bei genauer Betrachtung entdeckt der Beobachter unterhalb der Fenster der ersten Etage sehr gut erhaltene Stuck-Köpfe. Sie zeigen Friedrich III., einer der drei Regenten aus dem berühmten Drei-Kaiser-Jahr des Deutschen Reiches 1888. "Der Erbauer war ein Fan von diesem der drei Kaiser", sagte Heumann. Heute befinden sich in der ersten Etage über dem Café Wohnungen. Unmittelbar nach der Erbauung befand sich dort ein Billard-Saal, den nur Männer betreten durften. Später, als der Raum zum Tanzsaal umfunktioniert wurde, ging es emanzipierter zu: Auch Frauen durften hinein.

"Das ist eigentlich fürchterlich hässlich", richtete Heumann die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf das Brunnen-Denkmal in der Marktpassage. "Dieses Denkmal hat sich die Stadt tatsächlich einmal 30.000 Mark kosten lassen. Es erinnert an einen Teich, an dessen Stellle inzwischen die Gebäude stehen", sagte er. "Über das Denkmal gibt es sogar Spottgedichte. Es wird 'Stuckepöttche' genannt." Im Platt steht 'Stucken' für Eintauchen und 'Pöttche' für Topf oder Becher.

An der einstigen Gaststätte "Ratskeller" griff Heumann, der den Besuchern historische Ansichten mittels einlaminierter Fotos zeigte, auf eine Aufnahme aus seinem privaten Fundus zurück. Dieses Foto zeigt seinen inzwischen erwachsenen Sohn Jan auf einem weißen Pony sitzend in der Gaststätte: "Als der 'Ratskeller' noch geöffnet, ging der Nikolaus nach seinem Umzug in der Vorweihnachtszeit dort auf ein Kölsch hin. Der Heilige Mann mit dem weißen Rauschebart durfte sein Pferd mit hineinnehmen, was bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen für Aufsehen und Begeisterung sorgte", erinnerte Heumann an vergangene Zeiten.

Auf dem Weg über die Berliner und Thomas-Mann-Straße zum Busbahnhof waren viele Zwischenstopps nötig: So war die heutige Friedhofstraße, die unter anderem zum Haus Vogelsang oder zur Waldschule führt, einst die Verbindung zwischen Wermelskirchen und Dhünn. Ein Stollen zwischen Friedhof und Dhünner Straße diente der Brauerei Küpper als Kühllager.

Teilnehmerin Christa Maier betrat Ende der 1970er Jahre zufällig diesen zugemauerten Stollen: Bei den Bauarbeiten für ihr Haus wurde an der Dhünner Straße gebaggert und gesprengt: "Dabei tauchte auf einmal ein Zugang zu den Stollen auf. Die Neugier trieb meinen Mann und mich hinein. Wir kamen aber nicht sehr weit, weil wir schnell auf eine eingezogene Mauer stießen", erinnerte sich die 77-Jährige.

(RP)