Wermelskirchen: WiW: Neues Einzelhandelsgutachten ist sinnlos

Wermelskirchen : WiW: Neues Einzelhandelsgutachten ist sinnlos

WiW fürchtet, dass wertvolle Zeit für die Innenstadtentwicklung verstreicht. Auch die Herabstufung der B51 ist nicht in Sicht.

Der Stadtmarketingverein WiW wird sich nicht an der Finanzierung eines neuen bzw. fortgeschriebenen Einzelhandelsgutachtens beteiligen. Das sagte der Vorstand gestern bei einem Pressegespräch. Der Verein, unter dessen rund 300 Mitgliedern viele Einzelhändler, Unternehmen und Geschäftsleute sind, hatte sich für die Fortschreibung des 2008 von der Firma Cima aufgestellten Gutachtens ausgesprochen, das die Kundenströme in der Innenstadt untersuchte und seitdem als Entscheidungsgrundlage dient, welcher Handel wo angesiedelt werden soll. Dass die Politiker am Dienstagabend aber beschlossen, das ehemalige Rhombus-Gelände in der Untersuchung außer Acht zu lassen (die BM berichtete gestern), missfällt dem WiW-Vorstand. "Unser Ziel war es, alle innerstädtische relevanten Flächen in die Untersuchung einzubeziehen", sagte der stellvertretende Vorsitzende Dankmar Stolz.

Er und seine Mitstreiter ziehen nun die Sinnhaftigkeit eines fortgeschriebenen Einzelhandelskonzept grundsätzlich in Zweifel. Denn: Der Rat hat im März den doppelten Beschluss gefasst, dass einerseits auf der Rhombus-Fläche kein Einzelhandel entstehen und andererseits auf dem Loches-Platz ein Vollsortimenter angesiedelt werden soll. Damit haben die Politiker, so argumentiert WiW, schon den entscheidenden Beschluss für die Innenstadtentwicklung gefasst, für den das Gutachten doch überhaupt erst die sachliche Entscheidungsgrundlage liefern sollte. "Ein solches Gutachten ist Zeit-, Energie- und Geldverschwendung", sagte Stolz.

Der WiW-Vorstand hat nun Sorge, dass zu viele Zeit vergeht, bis sich in den Innenstadt etwas tut, weil man nun erst auf die Ergebnisse des Gutachtens und die mögliche Abstufung der B51 zur Landstraße warten müsse. "In der Zeit werden in den Nachbarorten Fakten geschaffen", befürchtet Stolz. Für die WiW gibt es deshalb nur zwei Lösungen: Entweder müsse der Rat seinen Beschluss noch einmal überdenken oder ihn schnell umsetzen, damit Wermelskirchen nicht am Ende ohne Investor für einen Vollsortimenter dastehe. "Wir müssen vorwärts kommen", appelliert Stolz an die Politik.

Die Abstufung der Umgehungsstraße von einer Bundes- zu einer Landstraße dürfte sich indes länger hinziehen, als erwartet. Auf BM-Nachfrage bei Straßen NRW gab's gestern eine ernüchternde Antwort: "Die Abstufung der B 51 von Burscheid bis Bergisch Born wird noch eine ganze Zeit dauern", sagte Straßen-NRW-Sprecher Laurenz Braunisch. "Das wird erst erfolgen, wenn die Ortsumgehung Bergisch Born gebaut wird."

Bernhard Schulte (SPD) hatte bei der Debatte über Einbeziehung der Rhombus-Fläche in die Fortschreibung des Cima-Einzelhandelskonzeptes auf diese Chance hingewiesen und damit die Hoffnung geweckt, schnell mehr als 2000 Quadratmeter zusätzliche Fläche für den Loches-Platz gewinnen zu können, wenn die B 51 herabgestuft wird. Von Köln-Mülheim bis Burscheid ist das bereits vollzogen worden: Dort firmiert die Straße seit Januar 2014 als Landstraße 188.

Doch wann wird die Ortsumgehung Bergisch Born gebaut? Das konnte Braunisch nicht beantworten. Bekanntlich hat das Land den Bau dieser Ortsumgehung 2012 in einer Prioritätenliste als nachrangig zurückgestuft. Doch warum überhaupt dieser Abstufungsschritt? Der Bund dünnt sein Straßennetz aus, um zu sparen - deshalb sind besonders parallele Bundesfernstraßen (wie die A1 und die B51) betroffen.

(RP)
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