"Witherward" präsentiert Indie-Folk in Wermelskirchen

Witherward gastiert im Haus Eifgen : Sympathischer Indie-Folk von „Witherward“ im Haus Eifgen

Da hatte sich die Kulturinitiative im Haus Eifgen mal wieder ein wirklich feines Schmankerl ausgesucht.

Von Wolfgang Weitzdörfer
Wermelskirchen Ashley Norton und Edward Williams alias „Witherward“ sind am Freitagabend den weiten Weg aus Nashville/Tennessee nach Wermelskirchen gekommen und haben eine ganze Menge an großartigen Songs im Gepäck. Total egal, dass da keine 20 Leute im Publikum sitzen, denn seit wann entscheidet die Masse über die Klasse? Und genauso egal, dass die Musik des Duos eher leise bis zurückhaltend daherkommt. Denn seit wann muss die Lautstärke sagen: Ja, heute war es ein toller Abend. Beide Antworten lauten: gar nicht. Sind es nicht der große Johnny Cash und der noch größere Leonard Cohen gewesen, die mit Zurückhaltung am meisten erreicht haben? Ohne das Duo jetzt direkt auf eine Stufe mit diesen Musik-Giganten heben zu wollen – es ist aber schon sehr eindrucksvoll, welch tolle Musik die zwei sympathischen Musiker so ganz ohne großes Brimborium und nur mit Gesang und Gitarren erschaffen.

Abgesehen davon, dass Norton und Williams herzliche, lebensfrohe und unkomplizierte Menschen sind, die in der Pause und nach dem Konzert den Kontakt zu ihrem Publikum suchen, sind die beiden auch begnadete Songwriter, die mit Songs wie dem unfassbar eingängigen „Haunted By Me“ eine großartige Mischung aus Country, Folk und Pop erschaffen. Dazu kommt, dass beide hervorragende Stimmen haben, die sich zudem sehr gut ergänzen. Nortons warmes Timbre erinnert dabei immer wieder ein wenig an die große Joan Baez, Williams hat ebenfalls eine eher dunkel geprägte Stimmlage, die bei Lieder wie „Fortune Favors“ oder „Burn The Roses“ eine tolle Ergänzung zu seiner Gesangspartnerin ergibt.

Es ist tatsächlich ein wenig schade, dass nicht mehr Publikum ins Haus Eifgen gekommen ist, um dieses Konzert der Extraklasse erleben zu können. Es mag den vielen anderen Veranstaltungen an diesem Wochenende geschuldet sein, allerdings dürfen sich die Anwesenden besonders freuen, das Duo aus Nashville/Tennessee gesehen zu haben. Die 20 Songs, die „Witherward“ präsentieren, wissen allesamt zu gefallen, ebenso die Unbekümmertheit und die Spielfreude des Duos, das ganz offensichtlich nicht nur musikalisch harmoniert, sondern auch ansonsten gut befreundet ist. Es macht einfach Spaß, den beiden zuzusehen und zuzuhören, wenn sie eigenes Material wie „Are You There“ oder „Vagabond Road“ ebenso gekonnt präsentieren wie die beiden Cover-Songs „Mrs. Robinson“ oder „The Boxer“ von Simon & Garfunkel.

Und dann spielt es gar keine Rolle, dass man sich im eher intimen Rahmen befindet. Dann geht es nämlich um die Musik, in die man sich ganz vortrefflich fallen lassen kann, wenn man etwa die Augen schließt und einfach nur genießt. Oder wenn man den Blick durchs Haus Eifgen schweifen lässt, während ein Ohrenschmeichler wie „Nephew“, das hervorragende „The Dragon“ oder das mit seiner schönen Melodie direkt ins Ohr gehende „Razor“ erklingen. Und dabei ertappt man sich bei einem etwas kuriosen Gedanken: Die beiden Musiker wirken beinahe ein wenig so, als gehörten sie zur Einrichtung. Wie sie da auf der Bühne stehen, musizieren, lächelnd und leidenschaftlich, da kann man sich durchaus vorstellen, dass man die beiden Amerikaner beim nächsten Besuch im Haus Eifgen wieder genau so dort stehen sehen wird. Dann aber bitte vor größerem Publikum!

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