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„Wir kommen aus dem Morgenland“

Sternsingeraktion in Wermelskirchen : „Wir kommen aus dem Morgenland“

Pia, Klara, Greta und Arne klingelten am Sonntagmorgen an den Türen am Stadtrand — in edle Umhänge gehüllt, samt Kamel und mit einem leuchtenden Stern ausgestattet. Der Erlös fließt in diesem Jahr vor allem an Kinder im Libanon.

Klara hält das Kamel am Zügel. „Das ist wie früher“, erklärt sie, „drei Könige und ein Kamel.“ Die Mädchen lachen fröhlich. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Pia und Klara und mit Arne hat sie sich in die Umhänge gehüllt, die die katholische Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt hat. Die Kinder haben Kronen gebastelt und ihnen ihre eigene Note verliehen. Pia hat ein braunes Gesicht – schließlich hätten die Könige damals auf dem Weg nach Bethlehem auch ganz unterschiedlich ausgesehen. Und ein altes Karnevalskostüm sorgt dafür, dass es aussieht, als würde Pia auf einem Kamel aus flauschigem Stoff sitzen.

So machen sich die vier Kinder am Sonntagmorgen auf den Weg. Die lange Liste mit Haustüren am Stadtrand, hinter denen sich Menschen den Besuch der Sternsinger wünschen, hat Stefan Kalthoff im Blick. Und ein Zettel mit den Liedtexten steckt in den Hosentaschen der Kinder. „Eigentlich können wir das auswendig“, sagt Klara, „schließlich haben wir geübt.“

Während der Vorbereitungen im Pfarrzentrum haben die Sternsinger der Katholischen Kirchengemeinde St. Michael Lieder geprobt und Texte geübt, so dass sie sich am Sonntagmorgen gut ausgerüstet auf den Weg machen. Arne trägt den großen Holzstern, der dank der kleinen Batteriebox hell leuchtet, als die Kinder an der ersten Türe klingeln. Dort öffnet eine Mutter mit ihrem Sohn. „Wir kommen daher aus dem Morgenland“, stimmen die vier munteren Sternsinger an. Und auch wenn es beim ersten Auftritt an der ersten Türe noch etwas rumpelt, die Kinder sich noch spontan über die Reihenfolge ihrer Verse einigen müssen, so klingt das Lied doch einstimmig und heiter durch die Luisenstraße. Ein Geldschein und eine Packung Kekse tauchen auf, die Kinder halten erst die Dose und dann den Rucksack hin. „Wir bekommen viele Süßigkeiten geschenkt“, erzählt Pia später. Die verschwinden fürs erste im Rucksack – schließlich haben die jungen Sternsinger noch alle Hände voll zu tun. Aus dem Hausflur wird eine kleine Trittleiter zutage befördert und schon klettert Klara hinauf, platziert den Aufkleber auf dem Türrahmen und klebt die begehrte Buchstaben-und-Zahlen-Reihe auf das Holz. „Christus mansionem benedicat“ singen die Kinder – Christus segne dieses Haus. Und das meinen sie so, wie sie es singen. „Wir wollen den Leuten eine Freude machen“, sagt Greta. Und: „Wir wollen den Kindern im Libanon helfen“.

Während der Vorbereitungen haben die Kinder ein Video aus den Flüchtlingslagern im Libanon gesehen. Den Kindern in Not kommt ein Teil des weltweiten Erlöses der Sternsingeraktion zu. Und deswegen ziehen die Kinder motiviert zur nächsten Haustüre – schließlich können sie etwas bewirken. Unterwegs öffnet ein Anwohner am Stadtrand seine Türe und ruft den Kindern nach – ob er auch einen Segen bekommen könne, fragt er. Und sofort drehen die Kinder um, stimmen sich noch kurz ab und singen los. Als Pia, Greta, Klara und Arne dann die steile Straße wieder hinaufklettern, meldet sich Arne zu Wort: „Ich freue mich schon auf das Mittagessen“, sagt er, „ich bekomme langsam Hunger.“

Mittags kochen die Jugendlichen der Pfarrjugend im Pfarrzentrum. Hier stärken sich die Kinder, bevor sie weitergehen. Aber die Begleiter der Sternsinger am Stadtrand haben an alles gedacht: Unterwegs gibt es ein Picknick, warme Getränke und einen Snack, bevor es zur nächsten Türe geht.