Willibert Pauels im Pfarrzentrum St. Michael in Wermelskirchen

Willibert Pauels im Pfarrzentrum St. Michael in Wermelskirchen : Tränenrührend und zwerchfellkitzelnd

Willibert Pauels stellte sein neues Buch vor und klärte wie nebenbei die großen Fragen des christlichen Glaubens.

Er nimmt nicht die Treppe. Stattdessen überwindet Willibert Pauels den Höhenunterschied zur Bühne mit einem einzigen großen Schritt. Dann kichert er fröhlich und blickt in die vollen Reihen im Pfarrzentrum. Er hält erst sein erstes Buch hoch, das inzwischen in fünfter Auflage erscheint, und dann seinen aktuellen Band. „Lachen, Leiden, Lust am Leben: Die befreiende Kraft der Religion“. Dann setzt er den kleinen schwarzen Hut auf, die Brille samt Pappnase und blickt wieder ins Publikum. „Ach, der is dat“, sagt er kichernd und erkennt in den Augen der Zuschauer die Erkenntnis. „Ne Bergische Jung“ ist auf Lesereise – ohne viel zu lesen. Er erzählt. Hut und Nase hat er dabei. Und tatsächlich wirkt er gleich etwas vertrauter – weil man ihn so aus dem Karneval kennt.

An diesem Abend im Pfarrzentrum kommt einem Willibert Pauels auch ohne Nase nahe. Nicht nur, weil er offen über seine Depression spricht. Sondern vor allem, weil Pauels authentisch ist, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt und trotzdem respektvoll klingt, weil er die großen Fragen in Angriff nimmt, ohne dabei eitel oder kompliziert zu werden. Weil er manchmal die Augen schließt, dann wie gedruckt redet und der Zuhörer nicht einen Augenblick zweifelt: Der meint und der glaubt, was er sagt.

Pauels plaudert. Er singt, imitiert Reinhard Mey und Herbert Grönemeyer, parodiert Heinz Rühmann genauso wie „die alte Frau Schmitz“. Hin und wieder setzt er die Pappnase auf. „Kennen Sie meinen Lieblingswitz über den Tod?“ fragt er. Dann erzählt er von Tünnes und Schäl, die durch Köln spazieren, müde werden, auf dem Melatenfriedhof ein Schläfchen halten. Am nächsten Morgen schauen sich die beiden irritiert an. „Tünnes, wat is pasiert?“ fragt Schäl. Tünnes blickt sich um, sieht die Gräber und antwortet: „Das ist die Auferstehung. Und wir sind die Ersten.“ Pauels klingt dabei kölsch und meistens schleicht sich beim Zuschauer erst das Lachen und dann das Staunen auf das Gesicht. Der Büttenredner wirkt manchmal als sei er der König des Abschweifens. Aber wie nebenbei erlangt er dabei so viele Tiefe, berührt die großen Themen des Lebens so eindringlich, dass der Zuschauer baff zurückbleibt.

Da erzählt Pauels etwa von seiner Begegnung mit Dr. Vohwinkel von der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung, der ihn als Redner anfragt. Pauels lehnt ab: „Man lädt ja auch keinen Vegetarier zum Grillen ein.“ Aber er freundet sich mit dem Mann an und begegnet seinem Unglauben. „Wie kann ein intelligenter Mensch im 21. Jahrhundert noch gläubig sein“, fragt Vohwinkel. Und zwischen Witzen, Winnetou-Melodien und Anekdoten bringt Pauels eindrucksvoll Theologie nahe: „Es ist mir wurscht, ob die Sintflut stattgefunden hat“, sagt er, „aber dass alles droht, im Abgrund des Todes zu versinken, das ist wahr.“

Es sei ihm überhaupt nicht wichtig, ob Jesus wirklich über das Wasser gegangen sei. „Aber dass er einem im Straucheln die Hand reicht und rausreißt, das ist wahr“, sagt er. Und so ermöglicht er seinem Zuhörer wie nebenbei eine neue Perspektive. „Diese Geschichten sind wahr – wenn auch auf einer anderen Ebene“, sagt der Büttenredner. Bei den Geschichten gehe es nicht um Kinderkram, sondern um kostbare Perlen. „Und wenn du sie findest, reißen sie dich raus“, bekennt er. Sein Ton bleibt authentisch, seine Sprache immer begleitet von einem fröhlichen Schmunzeln. Aber seine Botschaft wird klar: „Religion macht gesund und frei, denn sie ermöglicht uns eine Perspektive über den Dingen.“

Und während der Zuschauer noch abwartet, ob nun wieder die Nase und der Hut zum Einsatz kommen, ergänzt Pauels: „Was kann uns passieren? Letztlich nichts.“ Minutenlanger Applaus und ein Abend, der nachwirkt.