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Wiebke Büngen wohnt und arbeitet in ihrem denkmalgeschützten Elternhaus in Neuemühle.

Leben im Baudenkmal : Knarzende Stufen und Heimatgefühl

Wiebke Büngen wohnt und arbeitet in ihrem denkmalgeschützten Elternhaus in Neuemühle. An einem anderen Ort wollte die 29-Jährige niemals leben – und das aus gutem Grund.

Als die schwere, dunkle Holztür sich langsam öffnet, springt Lotte übermütig über die Stufen. Die Hündin ist das jüngste Mitglied der Familie und wirkt ein bisschen so, als können sie ihr Glück noch gar nicht fassen, an diesem schönen Ort gelandet zu sein. Sie läuft die dunklen Stufen der Treppe des alten Fachwerkhauses hinauf, und als Wiebke Büngen ihrer Hündin langsamer folgt, knarzen die Stufen.

Die 29-Jährige weiß genau, welcher Schritt hier welches Geräusch macht. Sie kennt die Düfte des besonderen Hauses, jede Stufe und jeden Winkel. „Ein Wort für diese Haus?“, sagt Wiebke Büngen, blickt ihren Besucher freundlich an und zögert dann nicht: „Zuhause“. Im Grunde lebt Wiebke Büngen schon ihr ganzes Leben lang in der Neuemühle, die 1826 als Bäckershaus errichtet wurde. „Es ist das Herzstück meines Großvaters gewesen“, erzählt sie. Und als sie mit ihren Eltern vor 26 Jahren an diesem leicht verwunschenen Ort im Tal ankam, kürte sie ihn zu ihrem Zuhause. „Damals lief das alte Wasserrad noch“, sagt sie und deutet aus dem Fenster, „dieses Geräusch brachte das ganze Haus zum Beben.“ Es ist das Geräusch ihrer Kindheit, nun bringt die 29-Jährige es zurück in die alte Mühle. Jüngst hat sie eine Kooperation mit Tente Rollen geschlossen, um das Rad wieder in Bewegung und das alte Haus noch lebendiger werden zu lassen. Als Kind lebte sie in ihrem Zimmer unterm Dach. „Es hatte blaue Wände und war immer mein Lieblingsort“, sagt sie.

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Als die junge Frau vor acht Jahren ihre Kochausbildung abgeschlossen und das Restaurant im Erdgeschoss übernahm, da begann sie, diesen besonderen Ort gemeinsam mit ihren Eltern noch mal zu verwandeln. „Bis dahin hatten wir das Restaurant und auch Teile des Wohnraums verpachtet“, erzählt sie. Aber als die Pächter immer öfter wechselten und es mit dem Restaurant bergab ging, da übernahm Wiebke Büngen selbst. Neue Böden, neue Farben, neue Fenster: In enger Absprache mit dem Denkmalschutz renovierte die Familie mit ihrem engagierten Team. Helle Holzbänke wurden gebaut, moderne Einrichtung ergänzte die traditionsreichen Räume. Vieles sei nur möglich gewesen, weil ihr Vater Schreiner sei und sich als Handwerker für das alte Haus einsetze. „Ich habe mir gewünscht, dass bergische Urgesteine hier bergisches Lebensgefühl wiederfinden und sich auch Menschen aus der Stadt wohlfühlen“, sagt sie.

 Auch das Kellergewölbe des alten Fachwerkhauses, das ebenfalls zum Restaurant gehört, hat seinen Charme.
Auch das Kellergewölbe des alten Fachwerkhauses, das ebenfalls zum Restaurant gehört, hat seinen Charme. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Und so trifft heute Moderne auf Jahrhunderte alte Spuren: Die Familie hat den alten Holzofen im Keller wieder belebt. Der sorgt nicht nur einmal im Monat für selbstgebackenes Brot, sondern auch für warme Wände im Badezimmer. Im alten Bauerngarten wachsen Obst und Gemüse, auf die ihre Mutter ein wachsames Auge hat und zuweilen Köstlichkeiten für die Restaurantküche beisteuert. „Es ist mir wichtig, dass die Geschichte in diesem Haus lebendig wird“, sagt die junge Köchin.

Inzwischen ist Wiebke Büngen im ersten Stock eingezogen, ihre Eltern wohnen nun unter dem Dach. Ihr helles Büro hat sie im Flur eingerichtet, wo sie die Gäste im Erdgeschoss hören und gleichzeitig Büroarbeit erledigen kann. „Und wenn ich die Schwelle in meinen Wohnbereich übertrete, dann habe ich Feierabend“, sagt sie. In ihrem großen Wohnzimmer misst sie rund 15 Zentimeter Höhenunterschied im Fußboden, die Decken sind niedrig und der Raum urgemütlich. Nebenan richtet sie gerade ihre große Wohnküche ein – mit viel Liebe zum Detail, die ihr Gespür für das alte Haus widerspiegelt.

Ja, es gebe diese Momente, in denen sie es sich ein bisschen einfacher wünscht, sagt sie – wenn sie Holz für die Öfen schleppen und stapeln muss, wenn das Wehr geöffnet werden will, damit die Fischteiche nicht überfluten, wenn die vielen kleinen Sprossenfenster geputzt werden müssen, die Auflagen streng und die Zuschüsse sparsam ausfallen, wenn sie zur Wasseruhr die Straße rauffahren muss, weil dort eben die eigenen Wasserleitungen beginnen, wenn Nägel oder Küchenschränke in den alten Lehmwänden nicht halten oder sie mit der fehlenden Barrierefreiheit im Haus kämpft. „Und eigentlich gibt es immer etwas zu tun“, sagt sie. Trotzdem: Selbst wenn sie bis spät abends eine der Wände streicht, sitzt sie anschließend zufrieden auf ihrer hellen Holzbank und staunt über dieses Haus. „Das ist unser Zuhause“, sagt sie, „und deswegen weiß ich, wofür ich mich einsetze.“