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Wie gehen Wermelskirchener Altenheime mit Engpässen an Desinfektionsmittel um?

Coronavirus : Pflege hat noch genug Schutzvorräte

Wie gehen Altenheime und ambulante Pfleger mit der derzeitigen Knappheit an Desinfektionsmittel und Schutzkleidung um?

Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus decken sich momentan zahlreiche Privatpersonen mit Desinfektionsmittel, Einweghandschuhen und Mundschutzen ein – was dort zu Engpässen führt, wo die Mittel wirklich gebraucht werden: etwa in der Pflege von alten und kranken Menschen.

„Noch haben wir genug vorrätig, dazu sind wir auch angehalten“, sagt Jürgen Becker, Pflegedienstleiter und Qualitätsbeauftragter des Evangelischen Altenzentrums Haus Vogelsang in Wermelskirchen. Denn die Pfleger brauchen Handschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel bei diversen Tätigkeiten – von der Wundversorgung über die Katheterpflege bis zur Intimpflege. „Lieferengpässe kommen aber immer wieder vor, deswegen haben wir stets eine große Stückzahl vorrätig“, so Becker weiter. Eins habe sich jedoch deutlich geändert: die Preise. „Im Herbst haben wir für 1000 Mundschutze noch 69 Euro bezahlt, jetzt zahlen wir für dieselbe Stückzahl 600 Euro.“

An den Eingängen des Seniorenheims wurden – direkt neben den Desinfektionsmittel-Spendern – Stellwände mit Hinweisen zur Übertragung des Virus und Hygienemaßnahmen aufgestellt . Dadurch sollen Mitarbeiter, Besucher und die Bewohner selbst für das Thema sensibilisiert werden. In dem Fall, dass sich einer der Bewohner oder Mitarbeiter infiziert, würde man sich mit dem Gesundheitsamt und der Heimaufsicht in Bergisch Gladbach in Verbindung setzen. Die Quarantäne-Vorgaben des Robert-Koch-Instituts seien zwar ein Stück weit bindend, jedoch für die stationäre Pflege nicht umsetzbar. „Eine komplette Station samt Kollegen unter Quarantäne zu stellen, wäre bei uns schlichtweg nicht machbar. Die Menschen müssen versorgt werden“, so Becker.

Auch in der ambulanten Pflege sind die Vorsichtsmaßnahmen erhöht worden. Die Mitarbeiter der Diakonie Wermelskirchen besuchen in der häuslichen Pflege pro Tag rund 20 bis 30 Klienten. Aufenthalte im Büro würden auf das Nötigste reduziert und Absprachen soweit wie möglich telefonisch gehalten, berichtet Diakonie-Geschäftsführer Peter Siebel. „Auch die privaten Kontakte sollten begrenzt werden.“ Davon abgesehen wirke sich das Coronavirus noch nicht auf den Arbeitsalltag seiner Mitarbeiter aus. Die Vorräte an Schutzkleidung und Desinfektionsmittel seien gedeckt – nachgeliefert werde im Moment jedoch nichts.

Ohne Desinfektionsmittel müsse die Versorgung jedoch nicht sofort eingestellt werden. „Der nächste Schritt wäre das gründliche Händewaschen mit Seife.“ Schwierig werde es, wenn sich einer der Klienten infiziert. „Es gibt Menschen, die zwingend auf uns angewiesen sind, etwa beim täglichen Insulinspritzen, und die keine Angehörigen haben.“ Siebel erinnert daran, dass es bereits ähnliche Situationen gegeben habe – etwa bei multiresistenten Keimen oder dem Norovirus – und es dadurch eine Reihe von Maßnahmen gebe, die auch beim Coronavirus ergriffen werden könnte. Bisher liege jedoch keine Gefahrensituation vor.