Wermelskirchen: Wie die Fastenzeit Spuren hinterlässt

Wermelskirchen: Wie die Fastenzeit Spuren hinterlässt

Jonas vom Stein hat beim Fasten durchgehalten: Sechs Wochen lang hat er auf Fleisch, Fisch, Alkohol und Tabak verzichtet. Und er will es wieder tun.

Einmal wurde es haarig: Als die deutsche Eishockeymannschaft ins Olympia-Finale einzog, standen Jonas vom Stein und seine Freunde mitten in der Nacht auf, trafen sich zum großen Spiel und träumten kurz von Bier und Burger. Aber sie befanden sich mitten in der Fastenzeit. "Da haben wir halt auf Kaffee und Kuchen zurückgegriffen", sagt Jonas vom Stein und lacht, "für echte Eishockeyfans wie uns war das gar nicht so einfach, in so einem historischen Moment zu verzichten."

Aber der 28-Jährige meinte es ernst. An Karneval hatte er sein letztes Bierchen getrunken, die letzte Zigarette geraucht und noch ein Stück Fleisch verspeist, danach war Schluss.

Für immer auf Steaks, Zigaretten und Bier möchte Jonas vom Stein allerdings nicht verzichten. Den Fleischkonsum haben er und seine Frau aber schon dauerhaft reduziert. Foto: NGG/Daniel Bockwoldt/iStockphoto (Archiv)

Und trotz des kurzen Bedauerns in der großen Eishockey-Nacht zieht Jonas vom Stein ein positives Fazit: "Ich habe diese Fastenzeit als sehr entschleunigend empfunden", sagt er. Er sei weniger ausgegangen, habe mehr Zeit mit seiner Frau Zuhause verbracht und so wie nebenbei auch noch den Geldbeutel geschont. Der Heißhunger blieb aus. "Es scheint so, als würde sich mein Körper langsam daran gewöhnen, einmal im Jahr zu verzichten", sagt er. Seit zehn Jahren zieht er zur Fastenzeit alle Register. Früher sei die Aktion noch mehr eine "Challenge" gewesen, ein Wettkampf gegen sich selbst und manchmal auch gegen Freunde, die mitfasteten. Heute gehe es nicht mehr so sehr um die Herausforderung, sondern darum, kritische Selbstdistanz zu gewinnen.

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Pünktlich zum Osterwochenende brach er dann mit seinen Freunden und CVJM-Kollegen zum Urlaub nach Schweden auf. "Mein Fasten hat in diesem Jahr an der Autobahnraststätte geendet", erzählt er, "da habe ich mir einen Pfefferbeißer genehmigt." Allerdings gelte es jetzt nicht, die vergangenen sechs Wochen nachzuholen. "Bei manchen Gerichten freue ich mich, dass ich sie jetzt wieder essen kann", sagt er, "aber ansonsten habe ich Fleisch und Fisch nicht vermisst." Für seine Reise hat ihm ein Freund, der selber Bier braut, zwei Flaschen mitgegeben. Die hat er sich inzwischen schmecken lassen. Und das sei dann schon etwas Besonderes gewesen. "Dazu kommt die Geselligkeit", sagt Jonas vom Stein. Denn mit ihm beenden ja auch seine Freunde die Fastenzeit. Mit Zigarette und einem Bierchen am Feuer haben sie die Fastenzeit Revue passieren lassen.

Foto: thinkstock

Dann hat Jonas vom Stein beschlossen: "Ich bin auch nächstes Jahr dabei." Vielleicht nehme er weniger Genussgüter als Verhaltensweisen unter die Lupe, sagt er. Er will ein bisschen weniger streng sein, schließlich feiert dann einer seiner besten Freunde den 30. Geburtstag. Bis dahin sollen Verzicht und Erkenntnisse nachwirken. "Deswegen haben meine Frau und ich zum Beispiel schon vor Jahren nach einer Fastenaktion unseren Fleischkonsum grundsätzlich umgestellt", erzählt der Doktorand. Zwei Tage in der Woche Fleisch, ein Tag Fisch und vier Tage weder das eine noch das andere. Die Fastenzeit hinterlässt Spuren.

(RP)