Einsatz für Geflüchtete in Wermelskirchen Waldschüler erlaufen fast 22.000 Euro

Wermelskirchen · Die Jungen und Mädchen wollten helfen – und organisierten sehr kurzfristig einen Spendenlauf zugunsten der Geflüchteten aus der Ukraine. Die Resonanz war enorm.

 Da ist die Freude aber riesengroß über so eine hervorragende Leistung (v.l.): Pauline Weber, Mara Gläser-Hagedorn und Sofia Criado van Mil.

Da ist die Freude aber riesengroß über so eine hervorragende Leistung (v.l.): Pauline Weber, Mara Gläser-Hagedorn und Sofia Criado van Mil.

Foto: Jürgen Moll

Mara grinst. Das ganze Gesicht der Viertklässlerin scheint ein bisschen zu glühen. „Ich habe alle in meiner Familie gefragt, ob sie mich beim Spendenlauf sponsern“, erzählt sie. Und alle sagten „Ja“. Eltern, Großeltern, Tante Ramona und Onkel Jörg. Sie sagten dem Mädchen zu, pro Runde auf dem Sportplatz ein paar Euro zu bezahlen. „Alle dachten allerdings, dass wir nur drei oder vier Runden schaffen“, sagt Mara und dann grinst sie wieder. Am Ende lief sie 15 Runden. Und auch ihre 193 Schulkameraden liefen beim Sponsorenlauf im Eifgen-Stadion eine halbe Stunde lang Runde um Runde. Hochmotiviert. Die Sponsoren hielten ihr Versprechen: Am Ende lagen 21.736,50 Euro im Spendentopf.

Den überreichte Mara am Mittwochmittag gemeinsam mit den beiden Schulsprecherinnen Sofia und Pauline an die Vertreter der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“. „Für die Menschen, die aus der Ukraine flüchten mussten“, stellt Pauline klar, als sie das Sparschwein mit den großen Scheinen an Dorothea Hoffrogge übergibt. Der ist die Überraschung über die große Spendensumme ins Gesicht geschrieben. „Ihr seid das allerbeste Beispiel dafür, dass kleine Menschen Großes schaffen können“, sagt sie sichtlich bewegt, „wenn wir viele sind, bekommen wir das hin.“ Und dann nimmt sie das Sparschwein entgegen und lässt Jochen Bilstein erklären, wofür die Initiative das Geld so dringend braucht: Vor allem Schüler und Studenten, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen sind, sollen mit Lernmaterial ausgerüstet werden, um am Unterricht teilnehmen zu können. „Sie brauchen Laptops, um zum Beispiel dem Onlineunterricht in der Ukraine folgen zu können“, sagt er, „aber es geht auch um Dinge wie Tornister und Schulmaterial, wenn sie hier zur Schule gehen.“

Daran hatten auch die Kinder der Waldschule gedacht, als sie schon kurz nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine den Spendenlauf auf die Beine stellten. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich mein Zuhause verlassen muss und nur einen Rucksack mitnehmen kann“, sagt Pauline, „dann ist das richtig schlimm.“ Wenigstens ein bisschen wolle sie gemeinsam mit ihren Mitschülern helfen. Dagmar Strehlow-Toussaint, Schulleiterin der Waldschule, weiß um die Gedanken der Kinder. Noch bevor das Kollegium sich abstimmen konnte, stellten die Kinder nach Kriegsbeginn schon Fragen. „Das war in allen Klassen schnell ein Thema“, sagt sie. Die Schüler machen sich Sorgen – auch um ihr eigenes Zuhause. Und ihnen war klar: „Den Menschen, die flüchten müssen, denen geht es schlecht, sie haben nichts mehr, alles ist zerbombt“, fasst Pauline zusammen. Ein Instrument, mit dieser Hilflosigkeit umzugehen, sei dann, einen Weg zu finden, zu helfen, sagt Jochen Bilstein. Und genau dieses Instrument wählten auch die Waldschüler: „Wir haben einen Weg gesucht, um richtig viel Geld zu sammeln“, sagt Sofia, „und dann ist uns erst ein Bücherflohmarkt und dann der Spendenlauf eingefallen.“

Beides setzten die Kinder mit ein bisschen Hilfe ihrer Lehrer und der Schulleitung um. Gemeinsam mit den Sportlehrern trainierten die Kinder – und machten sich mit Zetteln auf die Suche nach Sponsoren. Ein Schüler habe sogar einfach einen älteren Herrn auf der Dhünner Straße angesprochen, ob er nicht sein Sponsor werden wolle. Der Mann sagte zu – und brachte wenige Tage später einen Umschlag mit Geld in die Waldschule.

Am 15. März legten die 194 Kinder dann Runde für Runde im Eifgen hinter sich. „Keiner hat gedacht, dass wir so laufen können“, sagt Mara, „aber alle haben mitgemacht.“ Kinder mit und ohne Handicaps sammelten Meter um Meter. Wenn ihnen zwischendurch mal die Puste knapp wurde, gingen sie ein paar Schritte, bevor sie das Tempo wieder erhöhten. „Das hat auch richtig Spaß gemacht“, sagt Mara, „und wir wussten ja, für wen wir laufen.“ Als Dagmar Strehlow-Toussaint am Ende das Geld zählte, konnte sie es nicht glauben. „Wir hatten so mit 600 Euro gerechnet“, sagt die Schulleiterin, „da haben wir unsere Schüler unterschätzt.“

In den nächsten Tagen werden die ersten Kinder aus der Ukraine an der Waldschule ankommen. Jochen Bilstein macht sich wenig Sorgen um deren Integration. Er stellt fest: „Die Kinder haben hier an der Schule eine Willkommenskultur entwickelt, noch bevor das erste geflüchtete Kind angekommen ist.“