Wermelskirchener Tafel: Gutes Essen trotz knapper Möglichkeiten

Ehrenamt in Wermelskirchen : Gutes Essen trotz knapper Möglichkeiten

Bei der Wermelskirchener Tafel verteilen 56 Ehrenamtliche jede Woche Lebensmittel an mehr als 1000 Menschen. Für die Vergabe braucht das Team keine fünf Stunden.

Eine gute Viertelstunde vor Beginn der Essensausgabe hat sich vor der Tafel schon eine Schlange gebildet. Einige Familien warten dort, manche mit Kinderwagen, ein paar ältere Menschen gehören auch zu der Gruppe der Wartenden. Ein bisschen ungemütlich ist das in diesen Tagen schon, denn rund um das in die Jahre gekommene Gebäude der Tafel herum werden gerade neue Parkplätze gebaut. Es riecht nach dem heißen Asphalt, den die Bauarbeiter verlegen, die Baufahrzeuge sind laut und fahren knapp an der Menschenmasse vorbei. Die Kunden der Tafel lassen sich davon nicht stören. Sie warten geduldig auf ihr Essen.

Während die Schlange vor der Tür wächst, bereiten sich die Ehrenamtlichen hinter ihr vor. Manche Lebensmittel verderben sehr schnell und müssen sofort weg, wie das eingetopfte Basilikum. Für die frischen Gewürze gibt es eine spezielle Ecke, an der sich jeder bedienen kann. Für den Rest – Obst, Gemüse, Brot, Butter oder Käse – gibt es striktere Vorgaben bei der Verteilung. 56 Ehrenamtler kümmern sich bei der Tafel darum, dass sozial schwache Menschen gutes Essen bekommen.

◀  Der Verein bekommt viele Lebensmittel von Unternehmen, aber auch Privatpersonen spenden regelmäßig. Foto: Viktor Marinov

Bundesweit müssen immer mehr alte Menschen und Kinder diese Unterstützung in Anspruch nehmen müssen. Auch in Wermelskirchen beobachtet die Vereinsvorsitzende Brigitte Krips eine ähnliche Entwicklung. „Seit mehreren Jahren kommen immer mehr ältere Menschen dazu, bei denen die Rente nicht ausreicht“, sagt Krips. Und gerade mit den Gefllüchteten seien viele Familien mit drei oder mehr Kindern gekommen.

▶  Die zweite Vorsitzende der Tafel, Helga Hecht-Nowotnick, lobt die Spendenbereitschaft der Wermelskirchener. Foto: Viktor Marinov

Mehr als 1000 Personen werden in Wermelskirchen von der Tafel Woche für Woche versorgt. Das schafft das Team an zwei Nachmittagen, insgesamt brauchen sie für die Essensausgabe keine fünf Stunden. Damit das in den engen Räumen so effizient funktioniert, muss jeder mit vollem Einsatz dabei sein. „Eine Tafel mit Ehrenamtlichen hält sich am längsten“, sagt die zweite Vorsitzende Helga Hecht-Nowotnick. Man müsse den Job wollen, sagt die zweite Vorsitzende und blickt auf die Uhr. Es ist soweit – Helga Hecht-Nowotnick klatscht in die Hände, macht die Tür auf und sagt: „Jetzt geht’s los!“

Während die Menschen auf Lebensmittel warten, wird um sie herum asphaltiert. 82 Parkplätze sollen entstehen. Foto: Viktor Marinov

Die Besucher der Tafel kennen die Route – zuerst durch den Raum von Frau Hecht-Nowotnick, wo sie ihren Tafel-Ausweis vorzeigen und den symbolischen Euro für das Essen bezahlen. Die zweite Vorsitzende begrüßt jeden beim Namen, dann bekommen die „Kunden“ einen Einkaufskorb, den sie zusammen mit den Ehrenamtlern befüllen. Am längsten verweilen die Zweierteams bei Obst und Gemüse. „Mögen Sie Kürbis?“, fragen dann die Mitarbeiter, dazu kommen Äpfel und Pfirsiche, dann Öl, Fleisch, Brot und Butter. Wer will, bekommt auch gefrorene Pizza vom Tiefkühlfach – besonders beliebt ist sie angesichts der mit frischen Produkten gefüllten Regalen allerdings nicht.

„Es wird viel zu viel produziert und viel weggeschmissen“, sagt Helga Hecht-Nowotnick. Die meisten Lebensmittel bekommt die Tafel von Unternehmen, die sie nicht mehr verkaufen können. 18 solche Lieferanten gibt es in Wermelskirchen. „Den Firmen tun wir auch einen Gefallen damit, weil sie dann die Entsorgungsgebühren nicht bezahlen müssen“. Auch Privatleute spenden häufig. Von ihnen nimmt die Tafel am liebsten Produkte, die besonders lange haltbar sind und deswegen selten bei den Ehrenamtlern ankommen – Reis, Nudeln oder Bohnen. Auch Milchprodukte braucht die Tafel häufig. Wenn etwas fehlt, kauft der Verein auch ganz normal im Supermarkt an, meistens wenn es Sonderangebote gibt. 85 Mitglieder spenden dem Verein regelmäßig, darauf sei man angewiesen, sagt die zweite Vorsitzende. „Die Spendenbereitschaft der Wermelskirchener ist lobenswert.“ Man muss trotzdem knapp kalkulieren. „Wir können nur das geben, was wir haben.“

Eine weitere Baustelle – und das schon seit Jahren – sind die Räumlichkeiten der Tafel. „Das Gebäude platzt aus allen Ecken und Kanten“, sagt Hecht-Nowotnick. Ein neues zu finden sei nicht einfach. Einerseits müsse das barrierefrei sein, denn viele Bedürftige kommen mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Rollatoren. Andererseits dürfe es auch nicht viel kosten, denn leisten kann sich das der ehrenamtliche Verein nicht. Das Geld braucht er fürs Essen.

Es ist eng bei der Tafel, die Maschinen und die Bauarbeiter kommen in diesen Tagen auch noch dazu und der Geruch nach heißem Asphalt. Den Bedürftigen scheint das nichts auszumachen – wenn sie mit ihren vollen Einkaufstüten nach Hause gehen, tun sie das mit einem Lächeln im Gesicht.

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