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Wermelskirchener Seniorin fordert wohnortnahes Impfen

Wermelskirchener Senioren in der Corona-Krise : Seniorin fordert wohnortnahes Impfen

Gisela Burghoff aus Hammesrostringhausen macht sich Sorgen: Wie soll sie nach Bergisch Gladbach zum Impfzentrum kommen?. Die 80-Jährige appelliert an die Politik, praktikable Lösungen zu finden. Das müsse einfach möglich sein.

In der vergangenen Woche hatte Gisela Burghoff einen Arzttermin. Nach ihrer Herz-OP wird die 80-Jährige regelmäßig bei Dr. Hans-Christian Meyer vorstellig. „Und dann habe ich einfach mal nach dem Impfen gegen Corona gefragt“, erzählt sie. Wie ist der Ablauf geplant? Wie wird eine Anmeldung möglich sein? Und wo wird sie sich impfen lassen können? Die Antworten haben ihr nicht gefallen. Vor allem der Gedanke an ein zentrales Impfzentrum in Bergisch Gladbach stieß bei der Seniorin aus Hammesrostringhausen auf Unmut.

Wieder Zuhause suchte sie dann nach Bus-Verbindungen in die Kreisstadt – für den Fall der Fälle. „Ich wäre zwei Stunden unterwegs und müsste dreimal umsteigen“, erzählt sie. Der Fußweg zur Bushaltestelle in Halzenberg sei noch machbar – „auch wenn mir da wegen meines Herzens schon die Pumpe geht“. Aber zwei Stunden Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln: Das sei doch gerade in diesen Zeiten eine Zumutung.

Plan B wäre die Unterstützung ihres Ehemanns: Der ist vier Jahre jünger, gehört also noch nicht zur ersten Impfgruppe und könnte sie im Zweifelsfall mit dem Auto nach Bergisch Gladbach fahren. „Mal abgesehen davon, dass viele andere Menschen in meinem Alter diese Möglichkeit gar nicht erst haben, müsste ich meinem Mann zumuten, im Auto auf mich zu warten“, gibt Gisela Burghoff zu bedenken. Wegen des Lockdowns hätten Restaurants geschlossen. Er müsse wohl also im Auto sitzen bleiben. Und wer wisse schon, wie lange die Impfung dauere.

Damit ist die 80-Jährige schon beim nächsten Sorgenpunkt: „Sicher wird es Wartezeiten geben“, sagt sie. Stehen kann sie wegen ihres Rückens nicht länger als fünf Minuten. Und was passiere, wenn man auf den Impfstoff warten müsse oder es kein Serum mehr gebe? „Dann müsste ich die ganze Tortur noch mal auf mich nehmen“, sagt sie. Und deswegen fordert die 80-Jährige praktikable Lösungen, die die Menschen nicht vor so hohe Hürden stelle. „Was spricht denn dagegen, in der Mehrzweckhalle in Dhünn zu impfen?“ fragt sie und trifft auch bei ihrem Hausarzt auf offene Ohren. Meyer bemüht sich mit Kollegen und Politikern um die Einrichtung dezentraler Impfstellen in den Städten des Nordkreises (wir berichteten).

„Dann könnte mich mein Mann nach Dhünn fahren, und ich rufe ihn an, wenn ich wieder abgeholt werden muss“, sagt Gisela Burghoff, „fertig.“ Sehr optimistisch ist sie nicht, dass die Politik dieses Wermelskirchener Konzept ermögliche. „Wenigstens einen Shuttle-Service in die Kreisstadt müssten sie dann anbieten“, findet die Seniorin. Alleine in Hammesrostringhausen und Halzenberg seien es bestimmt 20 Senioren, die ab Februar geimpft würden. „Das muss doch zu organisieren sein, uns hier im Ort abzuholen“, sagt sie. Die Verärgerung über die Pläne des Landes klingen in ihren Worten mit: Es sei nicht gut für die Menschen hier im Norden des Kreises, wenn alles zentral in Bergisch Gladbach organisiert werde. „Das ist doch beim Thema Senioren- und Pflegeberatung genau das gleiche“, sagt sie, „die wollen sie auch zurück in die Kreisstadt holen.“ Stattdessen müsse die Politik die Menschen und ihre Bedürfnisse im Blick haben.

Nun wartet sie fürs erste auf die Nachricht, dass es losgeht. „Ich hoffe, die Terminvereinbarung funktioniert dann“, sagt die ehemalige Hygienikerin, „sonst lande ich wieder in einer endlosen Warteschleife.“ Und man könne nicht davon ausgehen, dass alle Senioren mit dem Internet klar kämen.

Dass sich Gisela Burghoff impfen lässt, steht außer Frage. „Natürlich“, sagt sie entschieden, „ich will mich impfen lassen. Zu meinem eigenen Schutz und zum Schutz aller anderen.“ Nur so könne mit der Zeit Normalität zurückkehren. Ohnehin hat sie wenig Verständnis für Impfgegner, Verschwörungstheoretiker oder Menschen, die gerade allzu laut ihren Protest gegen Einschränkungen äußern. „Im Krieg haben wir in Berlin vier Jahre gehungert“, sagt sie, „jetzt müssen wir mal ein Jahr auf das Reisen verzichten. Das ist doch gar nicht vergleichbar.“

Dann erzählt sie von den vergangenen Wochen und Monaten, in denen sie die Natur und den Zusammenhalt in der Familie genossen habe. Es sei Zeit, weniger zu schimpfen und das Positive in den Blick zu nehmen. „Diese Pandemie geht vorbei“, sagt sie und legt viel Hoffnung in den Impfstoff. Umso wichtiger sei es, die Hürden zum Impfen aus dem Weg zu räumen.