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Wermelskirchener Musikschule hat nach 2022 ein Finanzproblem

Wermelskirchener Kultur in Krisenzeiten : Musikschule hat nach 2022 Finanzprobleme

Die Einrichtung hat keine Leitung und einen wochenlangen Lockdown hinter sich. Trotzdem bleibt die Vorsitzende optimistisch.

Es gibt eine Zahl, auf die Anke Schopphoff stolz ist: „Während des gesamten Lockdowns hatten wir nur eine einzige Abmeldung“, sagt die Vorsitzende der Musikschule und setzt die Zahl in Relation: „Bei fast 800 Schülern zeigt die Zahl, wie gut wir bisher durch die Corona-Krise gekommen sind.“ Und das, obwohl der wochenlange Lockdown die als Verein organisierte Schule in einem denkbar schlechten Moment erwischte: Erst im Februar, und damit nur wenige Wochen vor den Restriktionen, war bekannt geworden, dass der bisherige Leiter David Hecker Mitte April die Leitung der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule in Bonn antreten würde.

Auch für Schopphoff war das ein herber Schlag, der sie aber zugleich stolz machte: „So sehr wir Herrn Hecker vermissen, weil man ihn wirklich als Sechser im Lotto bezeichnen konnte, umso mehr freuen wir uns mit ihm über diesen Karriereschritt.“ Denn wenn ein Musikschulleiter es schaffe, „vom kleinen Wermelskirchen ins große Bonn zu wechseln“, zeige das, „wie gut der Ruf der Wermelskirchener Musikschule ist“. Zumal es in der Geschichte der Schule nicht das erste Mal sei, „dass sie als Sprungbrett für weitere Karriereschritte dient“. Wobei Schopphoff, die einem siebenköpfigen Vorstand vorsteht, weiß, „dass man von einem guten Ruf alleine nicht leben kann“.

Insbesondere nicht, „wenn man als einzige Musikschule in der Umgebung nicht städtisch, sondern als privater Verein organisiert sei. Dann müsse man noch mehr schauen, „woher die Gelder in ausreichender Form kommen und wie man sich auch mittelfristig auf solide Füße stellt“. Womit Schopphoff beim nächsten Problem angelangt ist. Einem, das weit größer zu sein scheint als die Hecker-Nachfolge. Diese sei immerhin fast schon geregelt, „weil wir bereits zwei von insgesamt sieben denkbaren Kandidaten in die engere Wahl genommen haben, darunter auch eine Frau“.

Bleibt mithin die größere Frage der Finanzen. Und da ist es Schopphoff wichtig, „deutlich zu sagen, dass der Fortgang von Herrn Hecker absolut nichts mit unserer ungelösten mittelfristigen Finanzierung zu tun hatte“. Einen solchen Zusammenhang schließt sie auch deshalb aus, „weil die Zukunft der Musikschule mindestens bis 2022 klar gesichert ist“. Danach müsse jedoch in der Tat etwas passieren - „was wir fairerweise schon Anfang März im Ausschuss für Schule und Kultur frühzeitig dargelegt haben“.

Denn so gerne und überzeugt man sich als privater Verein organisiere – ganz ohne signifikante staatliche Zuschüsse sei eine so große Musikschule dann doch nicht zu betreiben - „insbesondere nicht, wenn man, wie wir, wegen des Haushaltssicherungskonzepts schon seit zehn Jahren mit stark reduzierten Zuschüssen auskommen müssen“. In dieser Zeit habe die Musikschule „mit ihrem sehr engagierten Dozenten-Team an allen Stellschrauben gedreht, die wir hatten“ – so wie die Dozenten auch während des Lockdowns „alles erdenkbar Mögliche taten, um unseren vielen Schüler mit kreativen Angeboten Alternativen zu bieten“.

Dazu habe man Tutorials erstellt und Online-Unterricht auf diversen Plattformen erteilt. In vielen Fächern seien zudem regelmäßig neue Noten per Mail verschickt worden. Den Stellenwert des Musikunterrichts habe das noch einmal erheblich gesteigert und auch neue Erkenntnisse gebracht. So würden im Präsenz-Unterricht, „wenn etwa ein Cello-Lehrer in der Regel direkt neben seinem Schüler sitzt“, gewisse Haltungsfehler weniger auffallen als beim Face-to-Face-Unterricht via Skype, Facetime oder Zoom: „Hier sprangen manche Fehler regelrecht ins Auge.“

Auch solche Erfahrungen hätten dazu geführt, „dass die Wochen vor der Wiederaufnahme des PräsenzUnterrichts in Einzelgruppen am 11. Mai durchaus positiv zu bewerten sind“. Positiv seien zudem die vielen Rückmeldungen gewesen, „die wir von Schülern und involvierten Eltern erhielten“. Das habe sie ebenso gefreut wie „die ausgezeichnete Unterstützung durch das Ordnungsamt beim Erarbeiten eines Hygienekonzepts für die Zeit nach dem Lockdown“, in der nun alles wieder erlaubt sei – bis auf Ensembles und Gruppenunterricht: „An dessen Stelle ist jetzt Einzelunterricht mit reduzierten Unterrichtszeiten getreten“, sagt sie.