Wermelskirchener Kulturmacher enttäuscht von der Stadt

Stammtisch in Wermelskirchen : Kulturmacher enttäuscht von der Stadt

Die in Vereinen aktiven Theater-, Konzert-, Kunst- und Musikmacher wollen einen Protestbrief an Stadtverwaltung und Politik schicken. Sie fühlen sich nicht ausreichend berücksichtigt, wollen aber unbedingt die kulturelle Viefalt erhalten.

Die Kultur-Schaffenden sind unzufrieden. Das wurde bei einer regen Diskussion mit 25 Teilnehmern beim Kulturstammtisch im Haus Eifgen deutlich. Die größtenteils aus Vereinsreihen stammenden, ehrenamtlich Tätigen fühlen sich von der Stadtspitze nicht ausreichend wahrgenommen. Darauf verständigten sich die Teilnehmer. Einigkeit erzielte der Stammtisch beim Vorhaben, einen Protestbrief an Politik und Verwaltung zu senden, um mit Nachdruck auf den Unmut hinzuweisen.

Peter Scheben, Vorsitzender des Kulturvereins, der die Theaterveranstaltungen im Film-Eck und die Kindertheateraufführungen im Bürgerzentrum organisiert, hatte den Entwurf für ein Schreiben angefertigt. Er konnte sich jedoch letztlich mit der von der Runde geforderten Überarbeitung des Papiers anfreunden: „Ich habe eine Ente auf das Wasser gesetzt, damit alle darauf schießen können“, sagte er. In seinem Entwurf formulierte Scheben die Forderung nach „einer Einbeziehung aller kulturellen Vereine in einer von der Stadtverwaltung koordinierten, ausgewogenen Unterstützung in ideeler und finanzieller Form“.

Weiter formulierte Scheben: „Wir haben erwartet, dass sich der Kulturmanager auch und mit großem Einsatz darum bemüht, Möglichkeiten aufzuzeigen, welche Förderungen von Bund, Land und Kreis zur Verfügung stehen und den Vereinen Hinweise gibt. Dies ist bis jetzt leider nicht geschehen.“ Das wollte der städtische Kulturmanager Achim Stollberg nicht so hinnehmen. „Ich leite Hinweise an in Frage kommende Vereine weiter.“ Aber diese Förderanträge und Verfahren seien immens aufwendig und zeitraubend.“ Das bestätigte André Frowein, Leiter des Jugendcafés Juca und Geschäftsführer des Marketingvereins „Wir in Wermelskirchen“: „Wir haben für das Juca-Projekt erfolgreich Fördergelder generiert. Aber die Arbeit, die wir in die Anträge stecken, ist gigantisch.“ Und weiter: „Achim Stollberg macht jährlich 60 Veranstaltungen in der Katt. Da treten schnell Kapazitätsgrenzen auf.“ Problematisch sei tatsächlich, dass die Stadtverwaltung den Vereinen bei der Premiere der städtischen Kulturkonferenz im November 2018 tatsächlich suggeriert habe, dass die Beschaffung von Geldern aus öffentlichen Töpfen durch einen Kulturmanager möglich sei. Stollberg bräuchte aber mehr personelle Unterstützung – und die Stadtverwaltung benötige Kenner, die sich um Fördergelder bemühen.

Die Vereinsvertreter bemängelten zudem, dass die Kulturkonferenz Fragebögen an die Vereine gegeben habe: „Wir haben diese ausgefüllt. Bis heute gibt es dazu kein Ergebnis oder Feedback“, sagte Michael Dierks, Vorsitzender der Kulturinitiative (Kult-in-Wk). Die Auswertung der Fragebögen sei die Basis für ein zu erstellendes Kulturkonzept für die Stadt, sagte Stollberg. „So etwas braucht aber Zeit.“

Als positives Beispiel führte Paul vom Stein vom Männergesangsverein Niederwermelskirchen die Nachbarstadt Burscheid an, wo es eine Kulturbeauftragte bei der Stadt gäbe. Dierks warnte: „Es läuft Gefahr, dass wir die Stelle des Kulturmanagers nicht mehr ernst nehmen können, wenn sich da aus unserer Sicht nichts tut - und das darf nicht sein.“ Die Runde einigte sich, die kulturelle Vielfalt erhalten und ausbauen zu wollen. Stollberg soll den Unmut in die Stadtverwaltung übermitteln. Am Anfang habe sich der Beigeordnete Stefan Görnert beim Stammtisch blicken lassen, jetzt leider nicht mehr. Den Nachdruck formulierte Dirk Stöcker, Sprecher des WiW-Kultur-Netzwerks, kurz und knapp: „Wir sind Wer(melskirchen)!“

Mehr von RP ONLINE