"Be a voice - not an echo": Wermelskirchener Fotoprojekt soll um die Welt gehen

"Be a voice - not an echo": Wermelskirchener Fotoprojekt soll um die Welt gehen

Alternativ-Model Viviane-Yvette Lenz und Fotografin Stella Weber, beide aus Wermelskirchen, sowie Freiwillige mahnen mit ihrem Fotoprojekt zu mehr Toleranz - unabhängig von Äußerlichkeiten. Die gesteckten Ziele sind hoch.

Selbst wenn das Ziel hoch gesteckt ist, soll die Botschaft des Bildes um die ganze Welt gehen. Das Wermelskirchener Alternativ-Model Viviane-Yvette Lenz, Künstlername Gospozha, und die Wermelskirchener Fotografin Stella Weber haben ein Fotoprojekt unter dem Titel "Be a voice - not an echo" umgesetzt.

Foto: Joychen Photography/privat

Dazu hat sich Gospozha, die üblicherweise professionell deutschland- und teils auch europaweit vor der Linse steht, fünf Freiwillige ins Boot geholt, die sich von Stella Weber lichtbildnerisch einfangen ließen. Ihnen gemein sind äußerliche Auffälligkeiten, die vom gewohnten Einheitsbild abweichen: körperliche Einschränkungen oder vermeintliche "Makel" oder eben unübersehbare Tätowierungen.

Die Botschaft des Projekts bringt Ideengeberin Viviane-Yvette Lenz, die sich als Model vor allem in der Tattoo- und Piercing-Szene mehr und mehr einen Namen macht, auf den Punkt: "Jeder soll stolz darauf sein, wie er ist und nichts auf das Gerede anderer geben." Dahinter verbirgt sich der schlichte Appell zur Toleranz gegenüber jedem Menschen.

Für die 20-jährige Gospozha ist das Ergebnis des Projekts eine klare Absage an gesellschaftliche Ausgrenzung: "Aus dem Foto lässt sich niemand ausgrenzen, weil wir auf dem Bild alle anders sind. Und das hat Symbol-Charakter."

Auch wenn Viviane-Yvette Lenz weiß, dass Tattoos oder Piercings längst Einzug in die Allgemeinheit oder den Mainstream der Werbeszene gehalten haben, sagt sie: "Trotz dieser gestiegenen Toleranz ernte ich immer noch Verachtung - Blicke können Wörter sprechen."

Das Alternativ-Model betont: "Die Geschmäcker sind verschieden, aber Ausgrenzung darf es nirgendwo geben." Viviane-Yvette Lenz und Stella Weber sehen ihre Botschaft ganz grundsätzlich, eine Trennlinie zwischen "freiwilliger", körperlicher Veränderung wie bei Tattoos, Piercings oder Transgendern und Einschränkungen durch Behinderung oder angeborene "Makel" ziehen sie bewusst nicht: "Ein Ausschluss sollte nie stattfinden.

Wir sind alle Menschen, egal was die Ursache für eine vermeintliche Auffälligkeit ist." Das Fotomodel fügt mit einem Lächeln hinzu: "Reinhäuter werden von mir ja auch nicht schlecht behandelt, nur weil sie nicht tätowiert sind."

Viviane-Yvette Lenz beschäftigt das Thema seit ihrer Schulzeit: "Damals galt alles, was anders war, als schlecht. Ich habe mich unterdrücken lassen, weil mir die Traute fehlte." Und weiter: "Heute lerne ich viele Menschen kennen, die sich in ihrer Haut nicht wohlfühlen. Viele bekunden mir für meine Arbeit ihren Respekt." Das Model und die Fotografin sind sich einig: "Jeder muss sich in seinem Körper wohlfühlen."

Für das Projekt starteten Gospozha und Stella Weber einen Aufruf im Internet - schnell waren die Freiwilligen, die teilweise ebenso aus Wermelskirchen stammen, gefunden: "Das äußerlich sichtbare Merkmal sollte natürlich auffallen, damit es fotografisch gut umsetzbar ist", erläutert Viviane-Yvette Lenz. Models, Fotografin und Visagistin trafen sich schließlich in einem gemieteten Fotostudio, wo Einzelporträts und die Gruppenaufnahme entstanden.

Das Foto, das Gospozha möglichst weit verbreiten will, soll zur Selbstverwirklichung ermutigen. Der Titel lautet: "Be a voice - not an echo", was aus dem Englischen übersetzt "Sei eine Stimme, nicht ein Echo" bedeutet. Stella Weber, Viviane-Yvette Lenz und ihre Mitstreiter interpretieren die Botschaft sogar breiter aufgestellt: "Sei du selbst und verändere die Welt."

(singer)