Wermelskirchener Bauprojekte werden teurer

Kita- und Schulbauprojekte werden teurer : Vier Projekte werden 700.000 Euro teurer

Weil die Baumaßnahmen in Kindergärten und Schulen aufwendiger sind und die Baupreise steigen, gab der Stadtrat mehrheitlich grünes Licht für Mehrausgaben. Jochen Bilstein (SPD): Die Kostenschätzungen künftig höher vornehmen.

Die Stadt muss für dringend notwendige Baumaßnahmen in Kitas und Schulen viel tiefer in die Tasche greifen, als sie geplant hatte. Die Haushaltsansätze werden bei gleich vier Projekten gesprengt. Daher musste der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag am Ende Mehrkosten in Höhe von rund 700.000 Euro zustimmen. Für diese enorme Kostensteigerung gibt es zwei Gründe: Zum einen sind die Baumaßnahmen aufwendiger als ursprünglich angenommen, zum anderen ziehen die Preise in der Baubranche kräftig an.

Bevor über die vier Kostensteigerungen, die der Politik als Tischvorlage präsentiert wurden, abgestimmt wurde, zeichnete Thomas Marner, Technischer Beigeordneter, ein für Auftraggeber düsteres Bild in der Baubranche. Der Markt sei in der Niedrigzinsphase durch hohe Investitionsbereitschaft überhitzt, die Preise explodieren. Ein Trend, der sich bereits vor einem Jahr in Köln abzeichnete, schwappe nun auch nach Wermelskirchen über. „Die Kapazitäten der Unternehmen sind ausgeschöpft aufgrund der enormen Investitionssteigerungen“, so Marner.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Mit anderen Worten: Die Firmen können sich aus einer Fülle von Ausschreibungen etwas auswählen. Laut einem Fachartikel sei es im Hochbaubereich mittlerweile so, dass zu 40 Prozent der Ausschreibungen überhaupt keine Angebote mehr abgegeben werden. Und falls Angebote von Unternehmen erfolgen, gebe es deutliche Abweichungen zwischen den zuvor geprüften Planungskosten und den Angebotspreisen: Diese liegen 20 bis 40 Prozent darüber. SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein appellierte daher, bei Baumaßnahmen künftig generell „einen konservativen Ansatz“ zu wählen, um die Risiken zu minimieren, das heißt, Kostenschätzungen höher vorzunehmen. Diese Maßnahmen werden teurer:

OGS Hünger Aufgrund steigender Schülerzahlen soll die Küche der Mensa der Grundschule Hünger in einen anderen Raum verlagert und die OGS im Erdgeschoss des Hausmeister-Wohnhauses Platz finden. Nach erster Kostenanalyse wurden 133.000 Euro bei einem Umbau von 144 Quadratmetern angesetzt. Die neue Kostenkalkulationen auf Grundlage der Schätzungen des beauftragten Architekturbüros, des Planers und aufgrund notwendiger Maßnahmen für den Brandschutz geht nunmehr von 518.000 Euro aus. Marner: „Wir haben fast eine Kostenverdreichfachung.“ So müsse die Elektro- und Wasserinstallation komplett erneuert werden. „Ein kompletter Kabelaustausch ist auch für uns ein Novum.“ Noch abwenden konnte die Bauverwaltung eine weitere Investition: Auf den Einbau einer Lüftungsanlage wurde verzichtet, das klassische Fensterlüften reiche auch.

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Kita Bussardweg Für den Kindergarten wurde ein Neubau für die U3-Betreuung errichtet. Kurz vor Abschluss der Baumaßnahme verursachte eine Firma einen Wasserschaden, der sofort behoben werden musste. Dafür wurden 65.000 Euro angesetzt. Nach Begutachtung zeigte sich, dass sich der Schaden auf eine weit größere Fläche ausgebreitet hatte, als ursprünglich bekannt. Der Sanierungsaufwand stieg, so dass Mehrkosten in Höhe von 45.000 Euro zu erwarten sind. Die Kosten muss zunächst die Stadt Wermelskirchen tragen, sie werden dann aber an die Versicherung des Schadensverursachers weiter gegeben.

Kita Jahnstraße Für den Kindergarten Jahnstraße wird derzeit ein Differenzierungsraum angebaut. Während der Bauausführung sind nun Mehrkosten entstanden, die vorab nicht abzusehen waren. Im Haushalt wurden hierfür 103.000 Euro bereitgestellt (inkl. Zuschuss Land). Durch nachträgliche Umplanungen bei der Ausführung und nicht vorhersehbare Umstände und Erschwernisse in den unterschiedlichsten Gewerken sind nach Angaben der Stadt Mehrkosten in Höhe von 42.000 Euro zu erwarten. So wurden zum Beispiel Fundamente entdeckt, die in keinem Plan eingezeichnet waren, berichtete Thomas Marner. Diese müssen entfernt werden.

Grundschule Schwanen Hier ist ein Mensaneubau für 200 Kinder geplant. Das neue Gebäude soll zum Teil durch Module, die derzeit am Standort Hauptschule stehen, erstellt werden. „Diese Module müssen für die Auslagerungsflächen der Sekundarschule ohnehin versetzt werden und lassen sich von den Räumlichkeiten her gut in eine neue Mensa umfunktionieren“, heißt es in der Vorlage. Am neuen Standort der Schwanenschule müssen diese Module angepasst und ergänzt werden, um den Raumbedarf zu decken. Beim Einholen erster Angebote wurde eine Kostenerhöhung festgestellt, die die im Haushalt veranschlagten Mittel von 860.000 Euro übersteigt. Die Ergebnisse der bereits zweiten Ausschreibung der Roh- und Tiefbauarbeiten (rund 87.000 Euro Mehrkosten) und des aktuell vorliegenden Angebots der Modulbau-Firma (rund 252.000 Euro Mehrkosten) hätten das Bauamt veranlasst, selbst Planungsleistungen zu erbringen - mit der Folge, dass andere Arbeiten zurückgestellt werden müssen, sagte Marner auf Nachfrage von Jürgen Manderla (FDP), warum die Stadt nicht von vorneherein die Planungs- und Architektenleistung erbringe.

Trotzdem fielen Mehrkosten von rund 239.000 Euro an.Vor allem die Modulbaufirma habe enorm aufgeschlagen, die Stadt habe händeringend einen Ersatz gesucht, aber keine Firma gefunden.

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