Direktor sieht Situation entspannt : Krankenhaus ist gut auf Corona eingestellt

Die Situation im Wermelskirchener Krankenhaus ist derzeit entspannt. Das Team ist gut ausgestattet und vorbereitet. Aktuell sind drei Patienten auf der Intensivstation, einer hat sicher das Coronavirus. Beatmet werden muss niemand.

Wenn man die Bilder aus der Corona-Krise in den Nachrichten sieht, aus den USA, aus Italien oder aus Spanien, dann wird selbst Menschen mulmig zumute, die leidenschaftlich gerne Katastrophenfilme sehen. Dazu kommen widersprüchliche bis schlicht falsche Nachrichten in den sozialen Netzwerken, in denen von überfüllten Krankenhäusern und schlimmsten Zuständen die Rede ist. Da kann Aufklärung über die tatsächlichen Zustände im Krankenhaus in Wermelskirchen helfen, um beim einen oder anderen Ängste und unnötige Sorgen auszuräumen.

Die in diesen Zeiten bestmögliche Nachricht lautet: „Wir sind gut aufgestellt. Lokale Ausbrüche in Einrichtungen, wo viele Risikopatienten zusammenleben (z.B. Seniorenheime, Demenzwohngruppen etc.), sind eine der größten Herausforderungen in der aktuellen Lage, da sie grundsätzlich das Potential haben, lokale medizinische Strukturen wie Krankenhäuser an oder über ihre Kapazitätsgrenze zu belasten. Zur Sicherstellung einer adäquaten medizinischen Versorgung auch in derartigen Extremsituationen gibt es tragfähige Absprachen zwischen den Leitungen der Akutkrankenhäuser im Rheinisch-Bergischen Kreis und in der Region, so dass durch eine bedarfsgerechte Verlegung von Patienten in derartigen Fällen eine intensivmedizinische Versorgung sichergestellt wird“, sagt der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Dr. Volker Launhardt. Seitdem das Virus auch in Wermelskirchen angekommen ist, seien rund ein Dutzend Patienten, darunter auch Verdachtsfälle, im Krankenhaus gewesen. „Im Moment haben wir drei Patienten auf der Intensivstation, bei einem ist das Virus bestätigt worden“, sagt Launhardt weiter. Größtenteils seien die Verläufe milde gewesen, so habe etwa keiner der Wermelskirchener Patienten beatmet werden müssen.

Der Ärztliche Direktor Dr. Volker Launhardt Foto: Krankenhaus Wermelskirchen

Vor zwei Wochen ist im Krankenhaus eine Corona-Station eingerichtet worden. „Diese Station 5 ist isoliert, was im Prinzip mit den gleichen Maßnahmen einhergeht, wie es beim Norovirus oder MRSA-Patienten der Fall wäre“, sagt Launhardt. Die Pflegedienstleitung Monika Hartung ergänzt: „Die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen unseres Personals unterscheiden sich auch nicht von jenen, die bei den anderen genannten Erkrankungen angewendet werden.“ Die Mitarbeiter seien entsprechend geschult, es gebe auch ständig neue Schulungen, damit alle auf dem neuesten Stand seien. Geschäftsführer Christian Madsen betont: „Ich bin sehr froh, dass wir so ein professionelles und gut ausgerüstetes Team haben, das mit der Corona-Pandemie so gut umgeht.“

Oft ist in den vergangenen Tagen davon die Rede, dass aufschiebbare Operationen etwa verschoben werden müssten. Das sei auch richtig, betont Launhardt. „Aber wir haben im Moment ein wenig die Sorge, dass Menschen mit akuten Beschwerden nicht zu uns kommen, weil sie glauben, nicht behandelt zu werden.“ Daher sei es ihm besonders wichtig zu betonen, dass der restliche Klinikbetrieb ganz normal laufe. „Man kann auf jeden Fall ins Krankenhaus kommen, wenn man unklare Symptome oder gar Verletzungen hat“, sagt Launhardt.

Ein weiteres Thema, das derzeit für Verwirrung sorgt, ist die Frage, ob Angehörige im Krankenhaus überhaupt noch besucht werden dürfen. „Die Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen lautet hierzu, dass Besuche zu unterlassen sind, die nicht medizinisch, ethisch oder pflegerisch notwendig sind“, sagt Launhardt. Madsen ergänzt: „Wir plädieren schon dafür, dass die nicht nötigen Besuche vermieden werden. Aber es wird immer eine Einzelabwägung vorgenommen.“

Das heißt konkret, dass Angehörige im Vorfeld abwägen sollen, ob der Besuch wirklich notwendig ist. Sei dies der Fall, könne man sich am Empfang melden, sagt Launhardt. „Wir werden dann das Gespräch mit dem Angehörigen suchen. Oft gehe es bei Besuchen ja auch um die psychische Stabilität des Patienten und der Angehörigen.“ So könne man etwa einem 22-Jährigen mit Bänderriss durchaus zumuten, dass er die Tage, die er bis zur Entlassung im Krankenhaus verbringen müsse, allein bleibe. „Ganz anders sieht es natürlich aus, wenn der Angehörige etwa im Sterben liegt“, sagt Launhardt.

Definitiv auszuschließen sei jedenfalls ein Security-Mitarbeiter am Eingang, der alle Besucher direkt abwimmele. „Wir ignorieren die Maßnahmen so nicht, sondern machen uns im Gegenteil mehr Aufwand, um eben auch die Gefühle und Bedürfnisse von Patienten und Angehörigen mit einzubeziehen“, sagt der Ärztliche Direktor.

Natürlich könne man keine Entwarnung geben. „Es war auch richtig, von einem Maximalszenario auszugehen“, sagt Launhardt. Aber belastbare Zahlen würden derzeit eines zeigen: „Wenn es so bleibt, dann ist Corona ein machbares Thema“, sagt Launhardt.

In einer vorigen Fassung stand: „Wir könnten auch einen Ausbruch des Coronavirus in einem Seniorenheim stemmen, ohne an unsere Grenzen zu geraten.“ Diese Aussage ist laut Dr. Launhardt nicht gefallen und wäre auch nicht haltbar.