Interview mit Bürgermeister Rainer Bleek Nutzungskonzept für Rhombusfläche erstellen

Wermelskirchen · Der Bürgermeister will das nächste Innenstadt-Projekt angehen. Mit den Eigentümern der Industriebrache soll über den Kauf verhandelt werden.

 „Wir haben gemeinsam ein sehr gutes Konzept für die Entwicklung der Innenstadt erarbeitet“, sagt Rainer Bleek.

„Wir haben gemeinsam ein sehr gutes Konzept für die Entwicklung der Innenstadt erarbeitet“, sagt Rainer Bleek.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Im September sind Kommunalwahlen. Herr Bleek, wenn Sie jetzt nach den Erfolgen ihrer Amtszeit gefragt werden, was zählen Sie auf?

Bleek Da fällt mir einiges ein. Aber fangen wir zunächst mit dem Wichtigsten an. Das ist die Aufnahme in das Förderprogramm für das „Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept“ (IHEK). Wir haben gemeinsam ein sehr gutes Konzept erarbeitet. Im ersten Abschnitt werden wir schon fast 20 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung haben, um Projekte in der Innenstadt umsetzen zu können. Das ist ein Handlungsprogramm für die nächsten Jahre. Zuvor haben wir verwaltungsseitig gute Vorarbeit geleistet und gute Ideen entwickelt. Jetzt geht es darum, diese so zu konkretisieren, dass sie über Einzelanträge umgesetzt werden können.

Ein Projekt wurde vor der Weihnachtspause vom Stadtrat verabschiedet.

Bleek Richtig, es ist der Jugendfreizeitpark, dessen Finanzierung jetzt steht. Es war eins meiner Kernanliegen. Anfangs war das keine einfache Geschichte, zu Beginn regte sich politischer Widerstand aus dem eher konservativen Lager. Dieser ist aber geschwunden und ich freue mich, dass der Baubeschluss jetzt einstimmig gefasst wurde.

Gab es weitere Erfolge, auf die Sie stolz sind?

Bleek Als ich mein Amt als Bürgermeister übernahm, war keine einzige Außen-Sportstätte saniert. Inzwischen haben wir zwei Kunstrasenplätze fertiggestellt. 2018 in Dabringhausen und soeben im Eifgen-Stadion. Und in Pohlhausen haben wir zusätzlich mit der grünen Asche, also mit dem Naturrasen, eine gute Lösung gefunden. Inzwischen sind wir auch einen Schritt weiter gekommen in der Frage „Finanzierung des Kunstrasen-Platzes in Dhünn“. Es ist in meinen Augen wichtig, dass wir den Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Städten ausgeglichen haben. Außerdem konnten wir die Schulmensen in Hünger und in der Schwanenschule einweihen. Damit ist das Problem der sehr beengten Raumsituation gelöst. Und nicht zuletzt haben wir eins erreicht, was viele Bürger massiv gestört hat: Wir konnten die Baugerüste am Rathaus entfernen lassen. Das hat lange genug gedauert und hat manche Anstrengung erfordert (lacht).

Eine Herausforderung war die Schaffung vieler neuer Kita-Plätze.

Bleek Nachdem der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für die Kleinen eingeführt wurde, haben wir die Weichen für den Ausbau gestellt, so dass wir in diesem jetzt angelaufenen Jahr weitere Plätze bereit stellen können. Auch das hat deutliche Anstrengungen erfordert.

Wird denn dabei eine komplette Bedarfsdeckung erreicht?

Bleek Ja, das müssen wir hinkriegen. Ob dies aber bereits zum Beginn des neuen Kita-Jahres, also zum 1. August, erreicht sein wird, da setze ich noch ein Fragezeichen hinter. Wir werden aber einige Kita-Erweiterungen sicherlich schon in den ersten Monaten des Jahres fertiggestellt haben. Das sind in Grunewald zwei Gruppen, am Ecker zwei Gruppen, und wir bauen am Forstring an. Außerdem haben wir zwei neue Einrichtungen am Start: Eichholzer Straße und Hilfringhauser Straße. Damit dürften wir nach unseren Zahlen den Bedarf weitgehend gedeckt haben. Der Zeitplan hängt aber auch davon ab, ob wir für An- und Neubauten die entsprechenden Baufirmen finden.

Ist das in Zeiten des Baubooms ein Kernproblem?

Bleek In der Tat. Nach der Ausschreibung der Arbeiten für den Ausbau der Kita am Ecker haben wir keine Angebote erhalten. Bei der Stadt als Auftraggeberin sind ja aufgrund des Vergaberechts auch ein paar Kriterien mehr zu erfüllen als bei privaten Auftraggebern.

Zurück zum IEHK-Projekt. Das zweite Projekt nach dem Jugendfreizeitpark ist die Entwicklung der Rhombusfläche. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Bleek Wir haben alle Vorarbeiten geleistet. Jetzt im neuen Jahr werden wir zeitnah in die Gespräche mit den Eigentümern einsteigen.

Also liegen alle erforderlichen Gutachten vor?

Bleek Ja, jetzt geht es darum, dass wir das Objekt erwerben können und ein vernünftiges Nutzungskonzept erstellen, damit wir dann zum 30. September den konkreten Förderantrag stellen können.

Dort sollte ursprünglich ein Hochschulstandort entstehen. Dann kam die Absage. Gibt es eine andere Option in diese Richtung?

Bleek Es dürfte schwierig sein, eine Art Hochschul-Dependance dorthin zu bekommen. Da sind wohl anfangs auch Erwartungen geweckt worden, die nicht realistisch waren. Andererseits gibt es aber auch ein starkes Interesse von Hochschulen, dort in Zusammenarbeit mit Unternehmen Projekte zu entwickeln, zu einem Austausch über praktische Problemstellungen zu kommen. So könnten in Co-Working Spaces gemeinsame Projekte realisiert werden. Das hängt aber letztlich auch von dem Umfang ab, den die Unternehmen anfordern, um entsprechende Angebote unterbreiten zu können.

Das heißt, es geht um Praxisbeispiele, um Projektarbeiten von Studenten, die für die Firmen nutzbringend sind?

Bleek Es geht darum, dass in Kooperation an übergreifenden Problemstellungen gearbeitet wird. Alle Firmen haben zum Beispiel mit Digitalisierung, mit Logistik, Künstlicher Intelligenz und Automatisierungsprozessen zu tun. Oft sind Lösungen, die erarbeitet wurden, auch für andere Branchen interessant. Es geht unterm Strich um Austausch.

Und dieser wäre in einem solchen Zentrum an einem Ort leichter möglich?

Bleek Ja, zum Beispiel auch schon dadurch, dass man Wohnungen für Werkstudenten baut oder Schulungs- und Bildungsräume sowie Mietbüros bereitstellt. Die hiesigen Firmen haben bereits Werkstudenten, sie finden oft keine geeigneten Wohnungen oder Appartements finden.

Dann soll auf der Rhombusfläche eine Keimzelle für technische Innovationen entstehen?

Bleek Das wäre unsere Wunschvorstellung. Es geht aber auch darum, innovative Gewerbe beispielsweise in den Bereichen IT, additive Fertigung und 3-D-Druck anzusiedeln. Wenn ein Bedarf besteht, könnte man ein Angebot direkt vor Ort machen. Derzeit führen wir Gespräche mit den Firmen, um zu prüfen, wo die Schnittmengen sind. Ziel ist es, dies am Ende alles in den städtebaulichen Wettbewerb einzubinden.

Wann ist dann Spatenstich?

Bleek Da halte ich mich erstmal zurück. Wir sind noch in der Planungs- und Vorbereitungshase. Ich gehe aber davon aus, dass wir in diesem Jahr einen deutlichen Schritt vorankommen.

Worauf springen die Fördergeld-Geber an, wenn Städte Anträge stellen ?

Bleek Entscheidend sind realistische Ziele und städtebauliche Qualität. Letztlich muss das Ganze wirtschaftlich betrieben werden können, das ist wichtig. Daher sind wir gut beraten, die Interessen der Unternehmen in den Vordergrund zu stellen. Und es geht vor allem darum, den Wirtschaftsstandort Wermelskirchen zu unterstützen, zu fördern und zu stärken, indem wir bestimmte Ausbildungsangebote für Fachkräfte hier vor Ort unterbreiten – und sich nicht alles in Köln abspielt. Dort ist viel Wandel, die Wohnsituation ist dort für junge Menschen ein großes Problem. Alles setzt aber voraus, dass wir das Mobilitätsangebot verbessern.

Sie sprechen auch den Schnellbus an, der eine bessere Verbindung zur Rheinschiene schaffen soll?

Bleek Den Schnellbus bekommen wir hin, wenn Leverkusen die baulichen innerstädtischen Voraussetzungen schafft, damit die Busse nicht im Stau stehen. Die Streckenführung steht. Mit dem Schnellbus wird man künftig in einer Stunde in Köln sein. Der Schnellbus ist von allen Beteiligten gewollt. Es müssen noch rechtliche Dinge bezüglich Konzessionen geklärt werden. Hier muss der Rheinisch-Bergische Kreis tätig werden.
Ob wir darüber hinaus noch andere Verbindungsmöglichkeiten schaffen, ist der zweite Aspekt. Es gibt noch die Machbarkeitsstudie über die Reaktivierung der Balkantrasse.

Was wollen Sie in dieser Legislaturperiode noch anstoßen?

Bleek In Sachen Brandschutz müssen weiter arbeiten. Im vergangenen Jahr haben wir die Erweiterung des Feuerwehrstandorts Am Eickerberg fertiggestellt, der nächste Schritt ist das Gerätehaus Dabringhausen. Und schließlich geht es um die Neuaufstellung des Brandschutzbedarfsplanes für die gesamte Stadt nach einem neuen Rasterverfahren. Was da an Handlungsbedarf rauskommt, bleibt abzuwarten. Wir haben in meiner Amtszeit über den Brandschutz hinaus bereits deutlich in Personal und städtische Gebäude investiert. Das war notwendig, um städtisches Vermögen zu sichern und neuen Anforderungen gerecht zu werden. In diesem Jahr muss der Haushalts ausgeglichen sein, damit wir 2021 aus der Haushaltssicherung herauskommen. Das steht über allem. Gleichwohl werden punktuelle Anpassungen auch in Zukunft notwendig sein. So wird in diesem Jahr die Stelle für die Fördermittelkoordination besetzt und auch die Stelle des Archivars ausgeschrieben. Die Ausgaben für diese Stelle konnten wir durch Umstrukturierung anderer Stellen haushaltsneutral erreichen.

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