Fridays for Future : Schulhof aufräumen statt demonstrieren

Weltweit gehen Schüler und Studenten für den Klimaschutz auf die Straße. Wemelskirchener Schüler packen lieber direkt an.

Greta Thunberg ist das Gesicht der mittlerweile weltweiten Bewegung „Fridays for Future“ (zu deutsch: Freitage für die Zukunft). Tausende Schüler und Studenten machen es der 16-jährigen Schwedin gleich und bleiben freitags der Schule fern, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Auch an den Wermelskirchener Schulen sind die Demonstrationen ein Thema, den Unterricht schwänzen die Schüler allerdings nicht – sie werden aber vor Ort aktiv.

Am Freitag stand für eine achte Klasse der Sekundarschule eigentlich Musik auf dem Stundenplan. Da manche Ecken des Schulhofs aber stark vermüllt sind, nahm Schulleiter Dietmar Paulig die „Fridays for Future“ zum Anlass, das Thema „Umwelt“ zu diskutieren. „Es ging dabei aber nicht speziell um den Müll, sondern viel mehr um den Themenbereich allgemein“, sagt der Schulleiter. Im Internet recherchierten die Schüler zu der aktuellen Situation, sie informierten sich, wie die Politik mit den Demonstrationen umgeht. „Es war eine äußerst interessante Stunde“, sagt Paulig. Denn wie sich herausstellte, ist etwa ein Drittel der Schüler sehr gut informiert. Es wurde über Dieselfahrverbote gesprochen und auch über die umgestürzten Bäume auf den Wermelskirchener Friedhöfen. „Die Schüler fühlen sich ohnmächtig. Sie wissen nicht, wie sie den Klimawandel aufhalten können“, sagt Paulig. Der Schulleiter wollte mit der außergewöhnlichen Unterrichtsstunde die Achtklässler für die Fragestellungen sensibilisieren. Das Ergebnis: zwei Schülerinnen fragten am Ende der Stunde nach zwei Müll-Zangen. Damit haben sie den Schulhof aufgeräumt.

Insgesamt seien die Schüler der Sekundarschule aber noch zu jung, um den Unterricht für Demonstrationen der Klimastreik-Bewegung in den großen Städten, wie etwa Köln, zu schwänzen. „Das erfordert schon einen gewissen Ungehorsam gegenüber dem System“, sagt Paulig. Denn in Deutschland gibt es die Schulpflicht. „Da müssen wir drauf beharren, ist ja logisch“, sagt auch Birgit Sköries, Rektorin der Städtischen Realschule. Dennoch finde sie es bemerkenswert, dass die jungen Menschen auf die Straße gehen. „Das ist ein Zwiespalt.“ Auch die Realschüler seien bisher freitags nicht für Demos der Schule fern geblieben. „Ich glaube, dafür ist Wermelskirchen einfach zu weit weg.“

Die Meinung vertritt auch Ulrike Gerber, Oberstufen-Koordinatorin des Städtischen Gymnasiums. „Unsere Schüler sind weitestgehend minderjährig. Da Wermelskrichen schlecht angebunden ist, ist es für sie schwierig ohne Auto zu den Demonstrationen zu kommen“, sagt Gerber. Und die Schüler, die bereits 18 Jahre alt sind, schreiben aktuell Vorabi-Klausuren. „Die haben dann auch was anderes im Kopf.“

Am Bergischen Berufskolleg können sich Schüler einmalig befreien lassen. „Danach geht das allgemeine Unterrichtsgeschehen vor“, sagt der kommissarische Leiter Thilo Mücher. Bisher sei ihm aber nicht bekannt, dass Schüler dem Unterricht für die Demos fern geblieben sind.