Mann aus Wermelskirchen verurteilt Zwölf Jahre Haft nach Axt-Angriff auf Eltern

Köln/Wermelskirchen · Der 29-jährige Wermelskirchener wird nach dem Axt-Angriff auf seine Eltern die nächsten Jahre im Gefängnis verbringen. Das entschied die 5. Große Strafkammer am Landgericht Köln.

 In Köln ist ein Urteil gefallen.

In Köln ist ein Urteil gefallen.

Foto: dpa/Oliver Berg

Der 29-Jährige aus Wermelskirchen, der in den frühen Morgenstunden des 1. Oktobers 2021 seine Eltern mit einer Axt lebensgefährlich verletzt hatte, indem er mehrfach auf die schlafenden Menschen eingeschlagen hatte, muss für zwölf Jahre ins Gefängnis. Damit folgte der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Köln am Dienstagmittag der Forderung der Staatsanwaltschaft – zumindest in der Höhe des endgültigen Strafmaßes.

Zuvor hatte die Verteidigung noch plädiert. Die Rechtsanwältin sah den Vorwurf des zweifachen versuchten Mordes als nicht gegeben an. „Mein Mandant muss sich meiner Meinung nach wegen zweifacher schwerer Körperverletzung verantworten. Es stimmt nicht, dass er die Tötung seiner Eltern durch sein Handeln in Kauf genommen hat“, sagte sie. Die Anwältin stützte ihre Argumentation auf das Vorhandensein eines Abschiedsbriefs. „Der richtete sich konkret an die Eltern – und wäre nicht nötig gewesen, wenn er sie hätte töten wollen“, sagte sie. Im Gegenteil habe er gewollt, dass sie leiden müssten – so wie er durch sie gelitten habe. „Er war und ist ein zutiefst unglücklicher Mensch“, sagte die Rechtsanwältin. Sie forderte anschließend eine Haftstrafe „unter sieben Jahren wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung.“

Das Gericht sah in seiner Begründung den Vorwurf des vollendeten Mordversuchs am 70-jährigen Vater als erwiesen an. Als Motiv für die Tat müsse der über die Jahre hinweg angestaute „abgrundtiefe Hass und die Verachtung gegenüber den Eltern“ herangezogen werden. Der Richter verwies hierbei auf die Zahl der „mit Kraft und Wucht ausgeführten Schläge“ mit der Axt – und auf die Gefährlichkeit des Werkzeugs selbst. „Wir haben die Axt im Gerichtssaal alle in der Hand gehabt. Und bedenkt man, was der Angeklagte damit getan hat, bleibt nur ein Schluss: Diese Axt ist furchterregend, ein todbringendes Werkzeug“, sagte der Richter. Bei seinem Vater müsse der Angeklagte davon ausgegangen sein, ihn tödlich verletzt zu haben, sobald er sich der Mutter zugewandt habe. Hier wiederum sei, so das Gericht, von schwerer Körperverletzung auszugehen. „Es handelt sich um einen unbeendeten Tötungsversuch“, sagte der Richter. Möglicherweise sei er von Abwehrbewegungen der erwachenden Mutter daran gehindert worden fortzufahren, möglicherweise durch aufkeimende Schuldgefühle. „Wir wissen es nicht. Aber hier gilt der Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten“, sagte der Richter. Für den Mordversuch am Vater setzte das Gericht eine Einzelstrafe von elf Jahren an, für die Körperverletzung an der Mutter von vier Jahren. „Das setzt sich zu einer Gesamtstrafe von zwölf Jahren zusammen“, sagte der Richter.

Zum Schluss wandte sich der Richter an den Angeklagten, der sich in seinen letzten Worten noch einmal beim im Zuschauerraum anwesenden Vater entschuldigt hatte. „Ich möchte Ihnen mitgeben, dass Sie sich Ihrem Leben jetzt stellen. Sie müssen in der Mitte des Lebens ankommen – wenn Sie das nicht machen, wird es sehr schwer werden. Es ist an Ihnen, jetzt noch etwas aus Ihrem Leben zu machen – Sie sind noch jung genug, und Ihre Strafe ist nicht zu lange dafür. Arbeiten Sie daran!“

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