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Wermelskirchen: Zweiter Lidl-Räuber steht vor dem Landgericht

Überfall in Wermelskirchen : Zweiter Lidl-Räuber muss sich verantworten

Vorm Kölner Landgericht begann am Donnerstag der zweite Prozess wegen des Überfalls auf Lidl. Der 30-jährige Angeklagte aus Düren, der derzeit wegen eines anderen Urteils in der JVA Rheinbach einsitzt, blickt auf ein bisheriges Leben voller krimineller Energie und nur geringer Chancen zurück.

Der eine Täter, ein 31-Jähriger aus Wermelskirchen, war bereits im August zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Jetzt wurde gegen seinen 30-jährigen Komplizen vor der 22. Großen Strafkammer wegen des gleichen Delikts verhandelt – dem Einbruch in den Lidl-Markt an der Thonas-Mann-Straße im Januar. Der Prozessauftakt fand unter Corona-Bedingungen im Saal 13 im Landgericht Köln statt.

Und schnell wurde eines deutlich: Der 30-Jährige aus Düren, der derzeit wegen eines anderen Urteils in der JVA Rheinbach einsitzt, blickt auf ein bisheriges Leben voller krimineller Energie und nur geringer Chancen zurück. Denn der Vorsitzende Richter forderte den jungen Mann auf, aus seinem Leben zu erzählen, was dieser auch bereitwillig tat. Seinen Vater habe er nie kennengelernt, die Mutter sei bereits 2013 an Krebs verstorben. Zuvor seien sie und ihr Lebensgefährte wegen Drogenhandels eingesessen. „Da war ich etwa 17 Jahre alt“, sagte der Angeklagte.

Er sei in mehreren Schulen gewesen, erzählte er weiter. „Zuletzt an einer E-Schule in Düren, weil es wegen meiner ADHS-Diagnose an der normalen Schule nicht geklappt hat.“ Er sei schnell aus der Haut gefahren, aggressiv gegenüber anderen gewesen. „Meine Zündschnur war sehr kurz“, wie er es ausdrückte. Erstmals sei er mit 19 Jahren im Jugendarrest gewesen, zuletzt 2015 für zweieinhalb Jahre im Gefängnis.

Dazwischen habe eine umfangreiche Karriere als Drogenabhängiger und Drogendealer gelegen. Deswegen stehe er aber nicht vor Gericht, deswegen solle er sich nicht selbst belasten, sagte der Richter. Dennoch wollte er genau wissen, wie, wann und was der Angeklagte konsumiert habe. „Es fing schon früh an, mit Joints und Amphetaminen. Aber nur am Wochenende. Schlimm wurde es nach dem Tod meiner Mutter“, sagte der Angeklagte. Ab dann habe er alles ausprobiert – „außer Heroin“. Gedealt habe er, um seine Sucht zu finanzieren.

Über die Drogen habe er auch den 31-jährigen Wermelskirchener kennengelernt, der ihm eines Tages anrief, um sich zu treffen. „Er sagte, er hätte da einen Diebstahl geplant, bei dem viel Geld gemacht werden könnte. Es ging um 80 Flachbildfernseher – eine einfache Sache, da das Objekt nicht gesichert sei“, sagte der Angeklagte. Die beiden hätten sich in Dormagen einen Transporter gemietet und seien nach Wermelskirchen gefahren. „Dort habe ich dann erfahren, dass es einen Security-Mann gebe, den wir überwältigen müssten“, sagte er. Beim Einladen der Fernseher sei dann die Polizei gekommen und habe die Täter überrascht.

Während der 31-Jährige festgenommen werden konnte, habe der 30-Jährige sich auf dem Dachboden versteckt halten können. Er konnte durch die Aussage des Komplizen ausfindig gemacht werden. Der 30-Jährige bestritt, den 65-jährigen Wachmann gefesselt zu haben. Der war auch als Zeuge geladen und erzählte so ausführlich von der Tat, dass der Richter ihn mehrfach ermahnen musste, nur auf die Fragen zu antworten. Deutlich wurde, dass die Tat bei dem pensionierten Chemielaboranten, der seine Rente durch den Wachdienst aufbessern wollte, bis heute Spuren hinterlassen hatte. „Ich bin in Therapie, kann meinen Beruf nicht mehr im Nachtdienst ausüben und frage mich bis heute, ob den Tätern bewusst ist, was sie mit mir angestellt haben“, sagte der 65-Jährige aus Dormagen.

In seiner Aussage machte er deutlich, dass er von zwei Tätern überwältigt und gefesselt wurde, aber nur einer mit ihm gesprochen habe.

Für die Verhandlung sind zwei Tage vorgesehen, das Urteil wird für den 13. November erwartet.